Review

MetalcorePost-Hardcore

Kritik: Watch Out Stampede - "Northern Lights"

Mit dem Ziel, neue Fans zu gewinnen oder zumindest relevant zu bleiben, haben zahlreiche Core-Bands in den letzten Jahren zunehmend ...

VON

Mit dem Ziel, neue Fans zu gewinnen oder zumindest relevant zu bleiben, haben zahlreiche Core-Bands in den letzten Jahren zunehmend genreübergreifende Musik produziert. Natürlich sprangen auch deutsche Bands auf diesen Zug auf – als Beispiel seien hier Eskimo Callboy genannt, die mit ihrer aktuellen Platte endgültig wie die poppigen Bring Me The Horizon klingen, oder Heaven Shall Burn und ihr 2016er „Wanderer“, das von Power Metal bis Death Metal so ziemlich alle härteren Subgenres durchblicken ließ. Einen etwas anderen Ansatz verfolgen die fünf sympathischen Bremer von Watch Out Stampede.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ihre fünfte LP „Northern Lights“ erscheint am 13. Dezember 2019 und versorgt uns trotz oder gerade dank ihres kürzlichen Wechsels zu Redfield Records mit traditioneller Metalcore- und Post-Hardcore-Kost, inklusive all ihrer guten und weniger guten Seiten. Wie schon auf den vier Vorgängeralben von Watch Out Stampede erwarten uns kontinuierliche Wechsel zwischen dem Klargesang von Gitarrist Dennis Landt und den sehr ordentlichen Growls von Andreas Hildebrandt, sowie eingängige Refrains und klare Melodien, die harten Breakdowns und versierten Riffs gegenüberstehen.

Watch Out Stampede sorgen für einen starken Auftakt

Besonders die drei ersten Songs des Albums – „Midas“, „Wolfpack“ und „I Am Here“ – können durch diese Kombination überzeugen. So erinnern die „I Am Here!“-Growls an die besten Zeiten von Caliban, während die besonders deutlich gesungenen Refrains von „Wolfpack“ geschmeidig ins Ohr gehen und für mich schon seit der ersten Platte namens „Reacher“ (2014) ein Steckenpferd der Band sind.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Leider folgen auf diesen soliden Auftakt überstrapazierte Millenial Whoops („O-ho-ho-hos“) in „Pledge“, sowie gefühlvolle und glattgeschliffene Cleans in „Follower“ und „Ultra Magnus“, die für meinen Geschmack etwas zu sehr vor Kitsch triefen – durchschnittliche Songs, von denen keiner aus dem Mittelteil hervorstechen kann und durch die das Album an Fahrt verliert. Dieses Problem ist im Fall von Watch Out Stampede kein neues – die Band bewegt sich technisch auf einem hohen Niveau, aber schon die vorherigen Werke ließen neben Ecken und Kanten auch etwas Dynamik vermissen, mit der sie sich aus der zweiten Reihe der deutschen Core-Bands hervorspielen könnten.

Dass es Watch Out Stampede durchaus besser können, beweisen sie noch einmal im letzten Drittel von „Northern Lights“, das mit „Unfaithful“, „Unheard“ und „Farewell“ mitreißende Songs zu bieten hat – letzter weckt dank seines depressiven Charakters kurz vor Schluss weitere Erinnerungen an Caliban.

Foto: Watch Out Stampede / Offizielles Pressebild

Watch Out Stampede auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Watch Out Stampede. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Northern Lights
Künstler: Watch Out Stampede

Erscheinungsdatum: 13.12.2019
Genre: ,
Label: Redfield Records
Medium: CD

Tracklist:
  1. Midas
  2. Wolfpack
  3. I Am Here
  4. Pledge
  5. Leave
  6. Follower
  7. Ultra Magnus
  8. Unfaithful
  9. Unheard
  10. Summiteer
  11. Farewell
Watch Out Stampede
Watch Out Stampede
7
FAZIT
Die selbsternannten „Ärzte des Metalcore“ liefern mit „Northern Lights“ ein grundsolides Album ab, das dank seiner hohen Produktionsqualität und technischen Versiertheit erneut die Frage aufkommen lässt, ob da mit etwas zusätzlichem - bzw. geringerem - Feinschliff nicht noch mehr drin gewesen wäre. Alle bisherigen Fans der fünf Bremer sowie Freunde von Annisokay, Desasterkids oder eben Caliban sollten aber auf jeden Fall mal reinhören.