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Kritik: Eskimo Callboy - "Rehab"

Wenn es im Metalcore eine Band gibt, die für Party, gute Laune und Vollgas auf und neben der Bühne steht, ...

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Wenn es im Metalcore eine Band gibt, die für Party, gute Laune und Vollgas auf und neben der Bühne steht, dann ist es wohl Eskimo Callboy. Nach einem rasanten Aufstieg, der die Jungs aus Nordrhein-Westfalen mit ihrem letzten Album „The Scene“ bis auf Platz sechs der deutschen Albumcharts katapultiert hat und nachdem der Erfolgsrausch endgültig freigesetzt wurde, veröffentlicht die Band an diesem Freitag ihre neue Platte „Rehab“.

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Bereits im April 2018 wies sich die Band in die musikalische Entzugsklinik ein und schrieb neue Songs, beendete diese gut ein Jahr später und präsentiert uns nun das Ergebnis, auf das mit Spannung gewartet wurde. Ob die Jungs um Kevin Ratajczak und Sebastian „Sushi“ Biesler an ihren bisherigen Weg anknüpft oder ob auf den Partyrausch nun die Ernüchterung folgt, haben wir euch im Folgenden zusammengefasst.

Das Ganze beginnt mit dem Song „Take Me To“, welcher vielmehr ein atmosphärisches Intro von einer knappen Minute Länge darstellt, das mit elektronisch verzerrten Stimmen immer wieder die Worte „Baby take me to rehab“ spricht. Es erinnert von der Gesamtstimmung dabei an die neueren Werke von Bring Me The Horizon oder Being As An Ocean und stimmt den Hörer definitiv auf das Kommende ein.

Daran anknüpfend kommt gleich der Titeltrack „Rehab“, der das zuvor gehörte Mantra aufgreift und mit einem breiten Sound ummantelt. Die Strophe ist mit Rap-Parts belegt, an denen sich Sänger „Sushi“ probiert. Diese klingen etwas hölzern, werden jedoch von dem sehr hoch gesungenen Refrain aufgefangen, der besonders „catchy“ klingt und direkt ins Ohr geht. Ebenso strahlt der Chorus eine gewisse Dramatik aus, unterstützt von Streichern und mit akzentuierten elektronischen Einflüssen.

Der nächste Song ist „It is going down“. Aber ist es überhaupt ein Track im vollwertigen Sinne? Ist es ein Intro? Da kann man bis zuletzt sicher unterschiedlicher Meinung sein. Bei etwas mehr als einer Minute Länge weiß man nicht ganz genau, was damit angefangen werden soll. In der Kürze der Zeit wird der Hörer förmlich bombardiert mit harten, leicht überverzerrten Screams, tiefen Gitarren, die von Synthies unterstützt werden… und dann ist die Minute auch schon um und der bereits veröffentlichte „Hurricane“ fegt durch das heimische Wohnzimmer (oder wo auch immer man den Song hört).

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Eskimo Callboy im stetigen Stilwechsel

Die Resonanz aus der Fangemeinde dürfte der Band Recht geben, denn der Song kam sehr gut an und das kann an dieser Stelle unterschrieben werden. „Hurricane“ geht treibend voran, spielt in Strophe und im Refrain mit Geschwindigkeit und überzeugt mit unterschiedlichen Gesangsarten, die das Lied abwechslungsreich und vielseitig machen. Allerdings fehlt in der Kürze der Parts ein wenig das zusammenhaltende Element, da das Ganze doch sehr wild klingt (wie ein Hurrikan eben). Hinzu gesellt sich ein Breakdown, der durch Dub-Elemente aufgewertet wird und live die letzte Power aus den Fans kitzeln dürfte.

Nach so viel Aufruhr schlägt die Band mit „Disbeliever“, trotz eines breiten Intros, etwas ruhigere Klänge an. Thematisch befasst sich der Song damit, sich nicht unterkriegen zu lassen und nicht aufzugeben. Generell handelt es sich eher um einen härteren Rock-Song. „Sushi“ klingt dabei mit seinem cleanen Gesang verletzlicher, die Instrumente sind während der Strophen auf ein Minimum zurückgeschraubt und lediglich das Schlagzeug treibt das Ganze an. Die Screams gegen Ende des Songs geben „Disbeliever“ dann noch eine weitere Note und runden ihn ab.

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Dass Eskimo Callboy wissen, wie man unterschiedlichste Stile auf einem Album einbringt, zeigen sie auch im Song „Made by America“. Hier fällt besonders die Strophe auf, in der der Gesang zwar clean ist, allerdings ein Stück weit gemurmelt wird und ein wenig an Jonathan Davis von Korn erinnert. Eine Note, die man nicht unbedingt erwartet hätte, die dem gesamten Album allerdings eine weitere Facette bietet.

In diese Reihe kann sich auch „Supernova“ einordnen. Dieser wurde ebenfalls bereits vorab veröffentlicht und bringt Sounds und Instrumente ins Spiel, die besonders im Metalcore sonst eher Mangelware sind. So werden beispielsweise Claps und auch Bläser verwendet. Damit besitzt der Song eine gewisse Leichtigkeit, die das bisherige Bild des Albums auflockert und definitiv das Potenzial besitzt, einer sehr breiten Masse gefallen zu können.

Und dann gibt es ihn doch, den Song der an das bisherige Vermächtnis der Band erinnert und daran anknüpft. Mit „Nice Boi“ erinnert die Band an den Partysound, an die Ironie in den Songs und das Augenzwinkern, das man von ihnen kennt. Auch hier sind eine Menge unterschiedlicher Stile zu verzeichnen. So beginnt das Album mit einem eher klassischen Hip-Hop Beat, hinzu kommen im Verlauf des Songs harte Screams, akustische Gitarren und die Textzeile „I wanna rip your fucking face off“, die mit positivster Partymusik verkleidet wird. Diese Stilbrüche findet man wahrscheinlich auch wirklich nur bei einer Band wie Eskimo Callboy.

Foto: Eskimo Callboy / Offizielles Pressebild