Review
EmoPop-PunkRap
Kritik: LiL Lotus - "Nosebleeder"
Er gilt als einer der Musiker, die kein Blatt vor den Mund nehmen und dadurch von Song zu Song an ...
VON
Kevin Postir
AM 28/11/2023
Artikel teilen:
Er gilt als einer der Musiker, die kein Blatt vor den Mund nehmen und dadurch von Song zu Song an Authentizität zunimmt. Die Rede ist von LiL Lotus, der mit seinem zweiten Studioalbum „Nosebleeder“ an diesem Freitag an den Start geht. 14 Songs, die unterschiedlicher kaum sein könnten, hält der Longplayer bereit. Wie das klingt fragt ihr euch? Wir verraten es!
Es war das ausgesprochene Ziel, dass sich das Publikum in den Songs selbst wiederfindet. So sprach LiL Lotus, der mit bürgerlichem Namen John Elias Villagran III heißt, über den neuen Release. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, dass viele Songs textlich gesehen eher auf einer höheren Flugebene anzusiedeln sind, wodurch die Identifikation mit den Songs für Hörende einfacher wird. Catchy beats komplettieren das Gesamtbild und hier lässt sich der Musiker aus Dallas nicht lumpen.
LiL Lotus bietet schwere Texte und prägnante Melodien
Inhaltliche Perlen von „Nosebleeder“ sind definitiv Tracks wie „how’s it feel to feel nothing“, in dem LiL Lotus die psychische Erschöpfung einer On-/Off-Beziehung beschreibt, oder auch „what a time to be alive“. Darin bespricht der Musiker die Komplexität einer Sucht und die Licht-, sowie Schattenseiten von Medikationen.
Darüber hinaus bietet LiL Lotus mit Songs wie „hailey’s comet“, oder auch „everything you hate about me“ den Soundtrack für die ein oder anderen Trennungsgefühle. Spannend daran ist die Offenheit und die Verletzlichkeit, die Lotus in die Stücke legt. Darüber hinaus beweist er seine Gabe zum Storytelling, welche im Vergleich zum vorangegangenen Album „Errør Bøy“ auf ein neues Niveau gehoben wurde.
Musikalisch zeigt der er, dass er sich keineswegs auf ein Genre festlegen will. So schwebt selbstverständlich über dem Gesamtwerk „Nosebleeder“ eine große, spürbare Trap-Wolke, mit Songs wie „missouri“, oder „blame me for everything“ veröffentlicht der Musiker allerdings makellose Pop-Punk-Tracks. An Letzterem hat unter nderem auch Pop-Punk-Ikone Mod Sun mitgearbeitet.
Doch damit nicht genug. Während „stockholm syndrome“ (gefeatured von sace6) spürbar düsterer und elektronischer wird, geht „millionaire“ in eine ganz andere Richtung und erhält durch das Feature mit kennydyxoxo einen aufgelockerten Sound, der beinahe Spuren von RnB mit sich führt.
Ein Album für Fans von…
Die Einflüsse, die sich aus der Musik von LiL Lotus auf „Nosebleeder“ heraushören lassen, sind mindestens so divers, wie die Songs selbst. So kann definitiv ein Grundton der aktuellen Stilrichtung von Bring Me The Horizon erkannt werden. Geht Lotus stärker in den Pop-Punk, so sind beispielsweise im Song „ when life gives you lemons“ Parallelen zu Avril Lavignes „Sk8er Boi“ zu ziehen. Das letzte Stück des Albums, „shooting star“ summiert all diese Einflüsse noch einmal auf und bietet ein fulminantes Finale mit Funkenregen-Outro. Fans sollten hier definitiv auf ihre Kosten kommen!
Die Flucht in die Fantasie zündet weniger
Abseits der harten, düsteren Realität, die LiL Lotus thematisiert, versucht sich der Künstler auch an komplett freien Stories. So lieht dem Song „she’s a vampire“ tatsächlich die Geschichte von „Twighlight“ zu Grunde. Allerdings wirkt das Stück insgesamt relativ glatt und man vermisst das Raue, das Aneckende, welches andere Tracks mit sich bringen. Ähnlich verhält es sich bei „play dead“.
Einem Lied, dem schlichtweg das gewisse Etwas fehlt, wodurch es mit Blick auf das Gesamtniveau von „Nosebleeder“ eher in Vergessenheit gerät. Es scheint demnach so, als wären die Realitätsbewältigungen in musikalischer Form die Songs, die besonders im Ohr und im Kopf bleiben. Den Stücken wohnt ein realer Schmerz inne, welcher den fantasievollen Stücken spürbar fehlt.
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)
Nosebleeder
Künstler: LiL Lotus
Erscheinungsdatum: 01.12.2023
Genre: Emo, Rap, Rock
Label: Epitaph Records
Medium: CD, Vinyl, etc
- blame me for everything
- how's it feel to feel nothing
- nosebleeder
- stockholm syndrome (feat. sace6)
- what a time to be alive
- ghost (feat. Alexis Munroe)
- missouri
- millionaire (feat. kennedyxoxo)
- she's a vampire
- halley's comet
- play dead
- everything you hate about me
- when life gives you lemons (feat. Sophie Powers)
- shooting star
More Reviews