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MetalcoreRock

Kritik: The Devil Wears Prada - "The Act"

MySpace-Band, Cartoon-Monster-Merch, christlicher Metalcore: Die Assoziationen, die einige Hörer mit The Devil Wears Prada bis heute verbinden, basieren auf einer ...

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MySpace-Band, Cartoon-Monster-Merch, christlicher Metalcore: Die Assoziationen, die einige Hörer mit The Devil Wears Prada bis heute verbinden, basieren auf einer Bandgeschichte, die in der „Scene“ vor 14 Jahren ihren Anfang nahm und bis heute sechs Alben und zwei EPs hervorbrachte. Morgen veröffentlichen die gereiften The Devil Wears Prada mit „The Act“ endlich das siebte Album. Dieses ist – so viel sei an dieser Stelle bereits verraten – weit mehr als nur ein Fan-Service für ehemalige Scene-Kids und bestehende Langzeitfans und belegt den starken Entwicklungsprozess einer begabten Band, die zuletzt vor drei Jahren mit „Transit Blues“ reichlich Innovationsvermögen erkennen ließ, ohne ihre Wurzeln oder Markenzeichen vermissen zu lassen.

The Devil Wears Prada goes Alt Rock?

So sorgen einerseits Rock-Nummern wie die Vorabsingles „Lines of Your Hands“ und „Chemical“ sowie „Wave of Youth“ auf der ersten Hälfte von „The Act“ für einen überraschend gefühlvollen Sound, der dank eingängiger Refrains und dem reduzierten Einsatz von Instrumentals einen luftigen Rock-Vibe vermittelt. Vor allem die unkonventionellen Riffs in „Wave of Youth“ wecken zeitweise Erinnerungen an Alternative Rock-Bands wie Scars On Broadway.

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Andererseits könnte der Mittelteil des Albums durch das balladige „Please Say No“ und die darauffolgende Brechwalze namens „The Thread“ kaum ambivalenter erscheinen. Im Vergleich zu den zuvor erwähnten entspannten Stücken wirkt „The Art“ hier fast so, als hätte man von Biffy Clyro auf Knocked Loose umgeschaltet. Wer befürchtete, dass The Devil Wears Prada nicht mehr mit der Art von Songs aufwarten, die sie einst bekannt gemacht haben, muss sich also keine Sorgen machen: Schließlich setzt schon „Switchblade“, der Opener des Albums, auf verzerrte Riffs, sorgfältig platzierte Breakdowns, Dissonanzen und Screams, die im Zusammenspiel eine unheilvolle und dramatische Atmosphäre erzeugen. Auch „As Kids“ und „Even Though“ sind im Fundament typische Prada-Tracks, in denen sich kompromisslose Screams und verzweifelt gesprochene Lines, konstante Drums und tiefe Riffs mit klaren Backing-Vocals und hoffnungsvoll klingenden Keyboard-Akkorden abwechseln.

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Die zweite Hälfte wird von „Numb“ eingeläutet – einem Lied, das als melodische Ballade beginnt, ab dem Mittelteil aber einen überraschenden U-Turn in Richtung Metalcore, Staccato-Rhythmus und Screams von Frontmann Mike Hranica vollzieht und wie kein anderer Song auf „The Act“ für die Vielseitigkeit dieses Albums steht. Zum Ende gelangt die zweite Hälfte mit „Spiderhead“, das zunächst wie eine weitere Rock-Nummer daherkommt, bevor es die Gehörgänge der Hörer dann doch mit einer saftigen Ladung Double Bass und Breakdowns durchspült.

Foto: The Devil Wears Prada / Offizielles Pressebild

The Devil Wears Prada auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für The Devil Wears Prada. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
The Act
Künstler: The Devil Wears Prada

Erscheinungsdatum: 11.10.2019
Genre:
Label: Solid State Records
Medium: CD, Vinyl

Tracklist:
  1. Switchblade
  2. Lines Of Your Hands
  3. Chemical
  4. Wave Of Youth
  5. Please Say No
  6. The Thread
  7. Numb
  8. Isn’t It Strange?
  9. Diamond Lost
  10. As Kids
  11. Even Though
  12. Spiderhead
The Devil Wears Prada The Act
The Devil Wears Prada The Act
9
FAZIT
Während „The Act“ alte Fans enttäuschen wird, die ausschließlich frühere Zeiten wiederaufleben lassen möchten, überzeugen The Devil Wears Prada auf ihrer siebten Platte durch einen rohen, explosiven und abwechslungsreichen Sound, in dem Rock auf Metalcore, Balladen auf Breakdowns und verzerrte Riffs auf Piano-Akkorde treffen. Dabei lässt „The Act“ aber zu keiner Sekunde Konsistenz oder Authentizität vermissen. Im Gegenteil – ein solch einfallsreiches und überzeugendes Songwriting suchte in diesem Ausmaß selbst in der Diskographie von The Devil Wears Prada bislang seinesgleichen.