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Kritik: Staind - "Live: It's Been Awhile"

“It’s Been Awhile” lautet nicht nur der Titel des bekanntesten Staind-Songs, es beschreibt irgendwie auch treffend ein Gefühl, das viele ...

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“It’s Been Awhile” lautet nicht nur der Titel des bekanntesten Staind-Songs, es beschreibt irgendwie auch treffend ein Gefühl, das viele Konzertgänger*innen in 2021 nachempfinden können. Genau 20 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Erfolgsalbums “Break The Cycle” melden sich Staind nun mit allerlei Live-Musik zurück. Damit setzen sie genau da an, wo sie zuletzt eigentlich “begonnen” hatten.

Staind: 20 Jahre „Break The Cycle“ und „It’s Been Awhile“

Es ist eine dieser tragischen Geschichten der letzten Jahre: Im Herbst 2019 spielten Staind die ersten Shows nach ihrer fünf Jahre andauernden Pause. Schon der Entstehungsprozess des bis dato letzten Studio-Albums (“Staind”, 2011) war ein Kraftakt und endete mit der Trennung von Drummer Jon Wysocki.

2012 gab es dann die ersten Anzeichen einer Pause, die dann 2013 durch einige Festivalauftritte unterbrochen wurde. 2014 zog sich die Band dann zurück, während Frontmann Aaron Lewis weiter fleißig an seiner Solo-Karriere arbeitete, um 2017 bekannt zu geben, dass mit ausgedehnten Staind-Touren nicht mehr zu rechnen sei.

Doch schon 2019 fand die Band sich wieder zusammen, um einige Shows und Festivals in den USA zu spielen, während für 2020 sogar einige Shows mit Disturbed und Bad Wolves angesetzt waren, die bekanntlich nicht stattfinden konnten und die Euphorie bei den Fans deutlich dämpfte.

Um das 20 jährige Jubiläum von “Break The Cycle” dennoch, zumindest in abgewandelter Form, zu feiern, setzten Staind für Anfang Mai gleich zwei Streaming-Shows an. Mit “Live: It’s Been Awhile” gibt es zudem das erste Album seit neun Jahren, auch wenn die zugehörige Show aus dem angesprochenen Herbst 2019 stammt, als die Band im Foxwoods Resort Casino in Mashantucket, CT spielte.

Eine Art Zeitreise mit Schwächen

Bedenkt man, dass die Band um Aaron Lewis zum damaligen Zeitpunkt ihre ersten Comeback-Shows spielte, so gestalten sich Teile der Setlist durchaus überraschend. So steigen Staind mit “Eyes Wide Open”, dem Opener des letzten Studio Albums ein, um von vornherein klarzumachen, dass dieser Abend sicherlich kein “Best of”-Set beinhalten würde, vielmehr ein buntes Potpourri an vergleichsweise neueren, aber auch sehr alten Songs.

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Ist der Einstieg durchaus wuchtig, so wirkt Lewis schon bei “Paper Jesus” und “Not Again” relativ schwach auf der Brust und muss gegen die restliche Soundkulisse regelrecht ankämpfen. Ein wenig besser wird es dann zum Glück aber schon bei “Fade”, doch spätestens bei “For You” ist auch das Publikum endlich mit von der Partie. Kein Wunder, zählt der Song sicherlich von der genannten „Break The Cycle“ zu den großen Fan-Favorites.

Zudem sucht Lewis einen der ganz wenigen direkten Kontakte zum Publikum, indem er zum Mitsingen auffordert. Schade nur, dass die gerade aufgekochte Stimmung durch das anschließende “Something To Remind You” wieder gedämpft wird.

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Leider geht auch die Zeitreise mit “Crawl” schief. Der Song vom Debüt-Album “Dysfunction” (1999), der soundtechnisch viel mehr mit Mudvayne gemein hat als mit dem, wofür Staind später bekannt wurden, klingt zu chaotisch und unsauber, als dass man schnell geneigt ist, diesen Teil des Albums zu überspringen. Zum Glück rettet sich die Band mit “Right Here”, “Outside” und “So Far Away”, die für besonders viel Gänsehaut sorgen.

Generell scheinen sich Staind an diesem Abend einiges vorgenommen zu haben. War das letzte Studio-Album wieder sehr viel härter als der Vorgänger, so hat es den Eindruck, dass man diesen Vibe auch mit in die Show bringen wollte. Dies führt jedoch zu dem einen oder anderen Shout-Part, der in Songs wie “Mudshovel” oder “Eyes Wide Open” definitiv gebraucht wird, bei “It’s Been Awhile” aber dann doch fehlplatziert wirkt.

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Da hilft es auch nicht, dass der allgemeine Sound der Live-Platte nicht vollends überzeugen kann. Mal übersteuern die Vocals, mal klingen die Instrumentals zu matschig und das Publikum hätte an vielen Stellen auch gerne etwas besser zu hören sein können. Es gibt aber sicherlich schlechter klingende Aufnahmen, mit “Live From Mohegan Sun” aus 2012 kann “Live: It’s Been Awhile” auf jeden Fall mithalten.

Foto: Steve Thrasher / Offizielles Pressebild

ALBUM
Live: It’s Been Awhile
Künstler: Staind

Erscheinungsdatum: 07.05.2021
Genre: , ,
Label: BMG Rights
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Eyes Wide Open (Live)
  2. Paper Jesus (Live)
  3. Not Again (Live)
  4. Fade (Live
  5. For You (Live)
  6. Something (Live)
  7. Intro (Live)
  8. Crawl (Live)
  9. Right Here (Live)
  10. Outside (Live)
  11. Paper Wings (Live)
  12. So Far Away (Live)
  13. Raw (Live)
  14. It’s Been Awhile (Live)
  15. Mudshovel (Live)
Staind Live It's Been Awhile
Staind Live It's Been Awhile
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FAZIT
Staind präsentieren mit “Live: It’s Been Awhile” eine solide Live-Platte, die stellenweise mit dürftigem Sound kämpft und einen Aaron Lewis beinhaltet, der schon bessere Tage erwischt hat. Fans werden dennoch Gefallen an der Platte finden, gerade um sich über die konzertfreie Zeit hinwegzutrösten.
/morecorede
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