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Dying Wish - Fragments Of A Bitter Memory
ReviewHardcoreMetalcore

Dying Wish

Fragments Of A Bitter Memory

Album

VÖ 01. Oktober 2021Sharptone Recordscd · vinyl
Philip Linn/3. Oktober 2021
Streamen
SpotifyApple MusicYouTubeDeezerTidal
P

Linn glänzt nicht nur mit seinem gekonnt-genervten Gesichtsausdruck, sondern auch mit seiner absolut überschwänglichen Art. Bei MoreCore steht er vor, neben und hinter der Kamera, haut von Zeit zu Zeit in die Tasten oder legt entspannt ein paar Nackenbrecher für den Hardfloor der MC-Party auf. Neben Job, Beruf und Arbeitswelt verliert "Philip" sich in seiner Freizeit in einem der unzähligen RPGs, die er bereits zum 20sten Mal durchgespielt hat, oder präsentiert stolz seine CD-, Kassetten- und Vinyl-Sammlung auf Social Media.


Alte Freundschaften können wunderbar sein, vor allem wenn man sich nach einer Ewigkeit wieder trifft und es sich sofort wie früher anfühlt. Ob die gemeinsamen Insider, Stories von früher oder einfach nur das Aufholen der vergangenen Zeit – in diesen Momenten steckt einfach etwas Magisches.

In Bezug auf die Musik wäre es bei mir das Genre Metalcore, oder zumindest der Sound, den man bei meinem Einstieg in den Metal als solches betitelte. Denn Metalcore hat sich seit seiner Entstehung Ende der Achtziger und früher Neunziger sehr gewandelt. Galten Anfangs Bands wie Cro-Mags, Converge oder Merauder als Väter des Stils, sorgte die „New Wave Of American Heavy Metal“ (NWOAHM) für einen deutlichen Soundwandel. Man vermischte Breakdowns und die ermutigende Message des Hardcores mit der Geschwindigkeit und Melodie des Melodic Death Metal (Göteburger Schule).

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Bands wie Lamb Of God, Shadows Fall aber auch At The Gates prägten den definierten Metalcore-Sound der frühen 2000er. In diesem Sound fanden sich Bands wie Killswitch Engage, August Burns Red oder As I Lay Dying wieder und ritten das Genre zu kommerziellem Erfolg. Nachdem sich Metalcore im Laufe der Jahre immer wieder gewandelt hatte, wurde es beim typischen 2000er-Sound ruhig. Auch wenn die festen Größen weiter Erfolge feierten, fehlte es an ernstzunehmenden Nachwuchs.

Mit Dying Wish und ihrem Major Label-Debüt „Fragments Of A Bitter Memory“ soll die Ruhe nun ein Ende finden und frischen Wind in den angestaubten Sound bringen.

Die aus Portland, Oregon (USA) stammende Band um Sängerin Emma Boster gründete sich 2016 und veröffentlichte 2018 ihre Self-Titled EP als eigene Produktion. Bereits hier wurde die Besinnung auf den melodischen Metalcore der frühen 2000er klar. Im selben Jahr folgt ebenfalls die Split-EP mit den Kanadiern Serration. Mit ihrer Single „Enemies In Red“ machten sie dann im Jahr 2019 das erste Mal richtig Wirbel um ihre Existenz und weckten dabei das Interesse von Sharptone Records.

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Kein Wunder, denn mit ihrer politischen links-progressiven Message und dem Feature von Knocked Loose-Sänger Bryan Garris trafen sie den Nerv innerhalb der damaligen Diskussion von Polizeigewalt in den USA. Nach vier Singleauskopplungen erscheint nun ihr erster Longplayer „Fragments Of A Bitter Memory“ unter bereits erwähnten Plattenlabel und verspricht eine Fusion von des typischen Melo-Metalcore sowie dem Schrei nach Revolution und Befreiung aus dem Hardcore Punk. Ob ich nun dabei einen magischen Moment mit einem alten Freund habe oder eher im Regen stehen bleibe, erfahrt ihr hier!

Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Der erste Durchlauf der 11-Song LP fühlt sich wirklich wie ein kleines Wiedersehen an. Instrumental können hier alle Punkte auf der Liste abgestrichen werden: Palm-muting Akkorde, die durch kurze Melodie-Läufe aufgebrochen werden, eine gute Menge an Double Bass und ein knurrender Bass, der leicht im Hintergrund sitzt. Die typischen Metalcore-Breakdowns samt ordentlich Reverb auf der Lead-Gitarre dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Sängerin Emma Boster glänzt mit einer absoluten soliden Performance, sowohl bei Vocals als auch den Lyrics. Durch und durch macht es direkt Spaß und packt einen in diese gewisse „false nostalgia“.

Der Opener „Cowards Feed, Cowards Bleed“ könnte schonungsloser nicht sein und setzt einen brutal-wütenden Ton. Direkt stechen die keifenden Vocals von Boster auf und auch die Gitarren packen uns in den Stereo-Schwitzkasten, während uns das Schlagzeug mit einem Schlag nach dem nächsten die Bauchregion bearbeitet.

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Auch der Nachfolger „Hollowed By Affliction“ featuring Wristmerazor-Gitarrist Tyler Norris und die zweite Singleauskoppelung „Innate Thirst“ bleiben bei bewährtem Knüppel aus dem Sack. Auffällig ist hier die Überarbeitung von letzterem, der zuvor als Standalone-Single veröffentlicht wurde. Der Sound wurde dem Album entsprechend angedickt und um ein paar Backing Vocals ergänzt.

Dying Wind überzeugen auf ihrem ersten Album

Nach diesen gewalttätigen Anfängen beruhigt „Severing The Senses“ mit dem aufklarenden Instrumental und dem ersten Erscheinen von Emmas Clean Vocals ein wenig die Stimmung und erinnert dabei direkt auf die Genre-Kollegen von Killswitch Engage. Gitarrist Sam Reynolds unterstütze immer wieder mit seinem tiefen Gebrüll an den passenden Stellen.

Dem folgt ebenfalls der Titeltrack „Fragments Of A Bitter Memory“ und bringt neben der Wut der Opener zusätzlich eine gehörige Portion Melancholie und Persönlichkeit mit. Laut Sängerin Emma Boster verarbeitet sie hier eine schwere Kindheit als Scheidungskind, dessen Stief-Vater durch Alkohol gewalttätig wurde. Auch „Cold Hearts In Bloom“ und die dritte Singlekopplung „Until Mourning Comes“ tragen diese persönliche Tragödie und die Melancholie mit sich.

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Mit „Now You’ll Rot“ kommen wir langsam wieder zur Rohheit im Beginn des Albums zurück. Der Song starten schnell ohne großes Intro in die Action, welche erste gegen Mitte des Songs von einem typischen Hardcore-Breakdown gestoppt wird. Auch hier greifen alle Zahnräder des Metalcore-Uhrwerks ineinander und Fans des Genres bleiben ohne Wünsche zurück.

Nach „Blood Laced Misery“ geht es nahtlos in den Song, der Dying Wish auf die Karte der aktuellen Metalcore-Szene gesetzt haben: „Enemies In Red“. Nach einem Intro mit dem schönsten Gitarren-Feedback der Welt führen uns die Drums mit ihrem Tom-Beat ohne Vorwarnung in die Arme der restlichen Band.

Während uns die Gitarren uns in typischen Stereo-Sound die Riffs um die Ohren hauen, nicken wir im Takt zusammen mit dem groovigen Rhythmus von Drums und Bass. Die Aggressivität von Sängerin Emma wird nur noch vom Feature-Gast Bryan Garris übertroffen und somit liefern uns Dying Wish kurz vor Ende nochmal ein richtiges Brett.

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Mit „Drowning In The Silent Black“ wird es zum Abschluss nochmal melancholisch. Die Clean-Vocals glänzen wieder im Chorus und erinnern direkt an Genre-Kollegen wie Killswitch Engage. Die Lead-Gitarre dreht das Delay-Pedal nochmal auf 11 und geben uns zwischen dem „Geballer“ noch ein paar ruhigere Minuten zum Durchatmen. Mit einem letzten Breakdown verabschieden sich Dying Wish von uns und lassen einen mit dem Wunsch nach einem Wiedersehen zurück.

Dying Wish bringen frischen Wind

Das Songwriting präsentiert klassisch dem Genre entsprechend. Hier gehört jedes Element der Songs zum guten Ton im Metalcore und kann so fast schon als perfekte Umsetzung nach Anleitung gesehen werden. So makellos dieses Songwriting auch ist, ist die Kritik an zu wenigen Experimenten oder der Arbeit nach Schema F nicht ganz ungerechtfertigt.

Wie ihr sicherlich schon meiner Review sehen könnt, bleiben die Vergleiche nicht lange aus. Trotzdem sollte man bedenken, dass Bands wie Dying Wish diesen eingestaubten Sound nehmen und ihm einem neuen und jüngeren Publikum nahebringen.

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Von der Produktion konnte einige Bands der frühen 2000er nur träumen. Die Gitarren rasieren trotz ihres sehr Mitten-betonten Sound durch den Mix und glänzen gerade im Stereo-Panorama. Das Schlagzeug klingt nicht zu überproduziert, kommt aber auch nicht an die Natürlichkeit einer Adam Dutkiewicz-Produktion ran. Eventuell ist dies aber auch der Preis für einen kraftvollen und zeitgemäßen Sound.

Wie man bis hierhin unschwer erkennen kann, liefert Sängerin Emma Boster in meinen Augen eine beeindruckende Perfomance hin. Der guturale Gesang bleibt gleichbleibend solide und die Clean-Vocals fangen die Stimmung des Instrumentals perfekt ein. Ich freue mich bereits auf die ersten Live-Shows der Truppe in Deutschland.

Foto: Dying Wish / Offizielles Pressebild

Fazit

7/10
· Gut

Dying Wish erfinden das Rad wohl kaum neu, aber liefern endlich wieder Futter für Fans des frühen Metalcore-Hypes. Die Songs wirken kaum langatmig oder überhastet, sondern befinden sich sehr nahe an der magischen Grenze. „Fragments Of A Bitter Memory“ ist ein beeindruckendes Erstlingswerk einer jungen Band und vereint thematisch den aktuellen Spirit der Hardcore-Szene mit einem vertrauten, fast schon zu perfekten Sound aus den Anfängen der modernen Core-Szene. In meinen Augen passen sie sowohl auf ein Wacken Open Air als auch auf eine Rebellion-Tour. Es fühlte für mich wie ein Wiedersehen nach alter Zeit an, jedoch wesentlich roher und kantiger als das was ich von den Genre-Größen gewohnt war. Jeder der auch nur ansatzweise mit Metalcore was anfangen kann, sollte dringend in das Album reinhören und sich mit diesen Youngbloods auf die Zukunft freuen. Metalcore is not dead.

Dying Wish - Fragments Of A Bitter Memory

Dying Wish

Fragments Of A Bitter Memory

Album

VÖ 01. Oktober 2021

cd · vinyl

Sharptone Records

▶Tracklist 11 Songs
  1. 1Cowards Feed, Cowards Bleed
  2. 2Hollowed By Affliction
  3. 3Innate Thirst
  4. 4Severing The Senses
  5. 5Fragments Of A Bitter Memory
  6. 6Cold Hearts In Bloom
  7. 7Until Mourning Comes
  8. 8Now You’ll Rot
  9. 9Blood Laced Misery
  10. 10Enemies In Red
  11. 11Drowning In The Silent Black
Streamen
SpotifyApple MusicYouTubeDeezerTidal
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Foto: Dying Wish / Offizielles Pressebild

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