Review

Emo Pop-Punk

Kritik: Mayday Parade - „Sad“

Pop-Punk auf Herbst getrimmt.

VON

Wie so viele andere Bands aus der kommerziellen Hochphase des Pop-Punk Anfang/Mitte der 2000er-Jahre feiern auch Mayday Parade in diesem Jahr ein großes Jubiläum. 20 Jahre gibt es die Band aus Florida jetzt schon. Zu diesem Anlass haben sie sich etwas Besonderes überlegt: eine Album-Trilogie, wobei jeder Teil eine eigene Stimmung abdeckt.

„Sweet“ machte im Frühjahr den beschwingten Einstieg: kompakt, treibend, viel Pop-Punk-Energie und große Refrains. Ein starkes Album mit gleich mehreren Hits (z. B.„Natural“, „Pretty Good To Feel Something“) und Gute-Laune-Garantie.

Und jetzt: „Sad“. Na, welche Stimmungslage pressen Mayday Parade hier wohl in Musik?

Mayday Parade: Von „Sweet“ zu „Sad“

Keine Sorge: Auf „Sad“ erwartet euch kein großes Trauer-Theater, sondern die logische Weiterführung des „Sweet“-Sounds – nur ruhiger, introspektiver und passend für den anstehenden Schmuddelherbst.

Der Auftakt im Frühjahr setzte auf unmittelbare Energie und schnelle Pop-Punk-Refrains: Schon der Opener „By The Way“ legte ohne Anlauf zu nehmen los, das Knuckle-Puck-Feature „Who’s Laughing Now“ lieferte den punkigsten Moment und selbst die sanfteren Songs wie „Pretty Good To Feel Something“ gingen noch geradewegs nach vorne.

„Sad“ hingegen bleibt überwiegend im Midtempo, die Songs setzen stärker auf Stimmung und geben Derek Sanders’ Stimme deutlich mehr Raum.

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Herbst is coming

Als würden Mayday Parade den Übergang von „Sweet“ zu „Sad“ möglichst smooth gestalten wollen, startet der Opener „It’s Not All Bad“ noch mit hartem Stakkato-Riffing, bevor sich vorsichtig glowy 80s-Synths sowie glasklare Vocals dazugesellen und alles in einer sehnsüchtig klingenden Pop-Punk-Midtempo-Hook aufgeht. Kein Instant-Hit, der sich sofort als Ohrwurm aufdrängt – aber ein stimmungsvoller Einstieg, der Lust auf mehr macht und von Durchlauf zu Durchlauf wächst.

Das als erste Single veröffentlichte „Under My Sweater“ ist dann im Anschluss bezeichnend für „Sad“ als Ganzes: Irgendwo zwischen Pop-Punk und 2000er-Emo – nicht anbiedernd nostalgisch, aber dennoch wohlig vertraut. Der Track wechselt dynamisch zwischen zurückgenommenen Strophen und einem sich öffnenden, eingängigen Refrain. Dazu singt Derek Sanders mit Hilfe von herbstlichen Metaphern wie dem warmen Sweater und Halloweenkostümen über kaschierten Schmerz und Nähe, die einen Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückholt.

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Bei „Promises“ fällt auf, dass die Platte bisher von Song zu Song noch sanfter, noch gefühlvoller wird. Ganz deutlich zeigt das der Kontrast zum Opener „It’s Not All Bad“: Wo da die E-Gitarre in den Song reinriffte, sind es nun zarte Akustikklampfenklänge, die den Anfang machen. Der Song will sich im Refrain zu einer großen Herzschmerz-Hymne erheben – sorgt aber nie für die ganz große Gänsehaut, weil das Songwriting einfach nicht mitreißend genug ist.

Ähnliches gilt für „I Miss The 90s“. Textlich werden Erinnerungen an einfachere Zeiten geweckt und warme Pianoschläge sowie ein sich – wie könnte es anders sein – weit öffnender Refrain lullt ein, doch auf den letzten Metern in Richtung Hit geht dem Track die Puste aus.

„One Day At A Time“ erwärmt das Herz

Aber dann: „One Day At A Time“. Der Song startet reduziert mit Derek Sanders’ Stimme und dezenter Instrumentierung, baut sich behutsam auf und wird immer hymnischer. Dabei explodiert die Nummer nie auf klassische Weise – klebt aber dennoch sofort im Ohr.

Thematisch erwärmt der Track das Herz mit tröstlichen Themen wie Heilung, Wachstum und Selbstakzeptanz. Eine klassische 00er-Jahre-Emo-Ballade, die so auch problemlos auf dem Debüt „A Lesson In Romantics“ (2007) hätte stehen können.

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„Breakup Song“ kontrastiert den hymnischen Vorgänger anschließend mit fröhlich-beschwingtem Saiten-Gezupfe und poppig-süßer Melodieführung – und überschreitet die Nervgrenze so das ein oder andere Mal. Ein Aussetzer, der immerhin vom nächsten klassischen Pop-Punk-Track abgelöst wird. „In Every Way, Shape Or Form“ ist nicht spektakulär, bewegt sich routiniert in den bewährten Genregrenzen – weckt aber ein weiteres Mal nostalgische Glückseligkeit.

Mayday Parades Rock-Oper

Den „Oha“-Moment der Platte haben sich Mayday Parade für das große Finale aufgespart. „I Must Obey The Inscrutable Exhortations Of My Soul“ ist eine vielschichtige Nummer, die mit gekonntem Spannungsaufbau und Tempowechseln aus dem Strophe-Refrain-Strophe-Muster ausbricht.

Der Album-Closer baut sich stetig auf und gipfelt schließlich in einem mitreißenden, E-Gitarren-lastigen Finale. So nah waren Mayday Parade noch nie an einer Rock-Oper!

Foto: Eli Ritter / Offizielles Pressebild

ALBUM
Sad
Künstler: Mayday Parade

Erscheinungsdatum: 03.10.2025
Genre: , ,
Label: Many Hats Endeavors
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. It’s Not All Bad
  2. Under My Sweater
  3. Promises
  4. I Miss The 90s
  5. One Day At A Time
  6. In Every Way, Shape or Form
  7. Breakup Song
  8. I Must Obey The Inscrutable Exhortations Of My Soul
Mayday Parade Sad
Mayday Parade Sad
6.5
FAZIT
Auf „Sad“, dem Mittelteil ihrer Album-Trilogie zum 20-jährigen Bandbestehen, trimmen Mayday Parade den Sound von „Sweet“ konsequent auf Herbst. Die Songs gehen weniger direkt nach vorne, bekommen dafür mehr Raum zur Entfaltung, sind introspektiver, melancholischer. Mit „Under My Sweater“, „One Day At A Time“ und dem mutigen Finale gibt es starke Fixpunkte, dazwischen hauptsächlich solides Midtempo mit Hang zu 2000er-Nostalgie. Ein gutes Album, das noch besser im direkten Zusammenspiel mit dem Vorgänger funktioniert – und Lust auf den Abschluss der Jubiläumstrilogie macht.