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Kritik: Dirty Honey - "Dirty Honey"

Wenn man heutzutage an Classic- und Blues-Rock denkt, dann schießen den meisten Menschen vermutlich nur die alten Hasen aus den ...

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Wenn man heutzutage an Classic- und Blues-Rock denkt, dann schießen den meisten Menschen vermutlich nur die alten Hasen aus den 70er und 80er Jahren in den Kopf. Dabei hat das Genre eigentlich viel mehr zu bieten und erlebt aktuell wieder einen leichten Aufwind. Nicht ganz unschuldig daran sind vor allem aufsteigende Newcomer wie beispielsweise Dirty Honey, die frischen Wind in die Bude bringen.

Genau diese Band hat nun ihr Selftitelt-Debüt auf die Welt losgelassen. Für ihr erstes Studioalbum greifen sie auf altbewährte Mittel ihrer (in die Jahre gekommenen) Wegbereiter zurück und verleihen ihnen ein frisches Gewand.

Ohne Label und selbstproduziert wirft das Quartett nun also ihr ersten Studioalbum auf den Markt. Seit sich die Newcomer aus Los Angeles 2017 als Dirty Honey zusammenschlossen, ließen sie 2018 zum ersten Mal mit ihrer Single „Fire Away“ von sich hören. Es folgte eine Selftitelt-EP im Jahr 2019, eine weitere Single („Last Child“) im Februar 2021 und bereits einen Monat später auch schon die erste Single ihres aktuellen Longplayers.

Dirty Honey auf den Spuren des Blues-Rock

„California Dreamin'“ heißt das gute Stück und platziert sich auf der Platte auch direkt als erster Song. Mit dem besten Song der Platte einzusteigen ist nicht verkehrt. Mit der catchy Melodie ist der Ohrwurm damit direkt eingepflanzt und man kriegt Lust auf mehr.

Wenn es im Laufe der acht Songs auch immer wieder zu kleineren Abzügen kommt, so kann man ihnen zumindest nicht absprechen, dass ihre Songs Spaß machen und positive Vibes ausstrahlen. Der gelegentliche Einsatz von Gospelchören, die im Hintergrund fröhlich vor sich hin trällern, tun ihr Übriges („Tired Up“).

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Auch die übrigen zwei Singles „Tired Up“ und „Gypsy“ sind strategisch gut im Album platziert. Mit jeweils einem schwächeren Track dazwischen, lassen sich die etwas eintönigen Songstrukturen, aber leider trotzdem nicht so ganz kaschieren. Da hilft auch kein finaler Tempowechsel, wie in „Take My Hand“. Netter Versuch, aber so ganz reicht es nicht.

Auch die technisch starken Gitarrensoli sind schön in die Songs integriert, nur leider bekommt man auch hier bald den Eindruck von copy und paste.

Ein bisschen aus dem Rahmen fällt der letzte Song „Another Last Time“. Der Song sticht vor allem deshalb so hervor, da er tatsächlich auch mal eine andere Seite der Band aufweist als der Rest der Liste. Die entspannte Blues-Ballade mit harmonischen Background Chor macht das Album am Ende noch einmal schön rund.

Solide Grundlage mit Luft nach oben

Mit ihrem Debüt-Album liefern Dirty Honey definitiv kein schlechtes Album. Ein paar Abzüge gibt es allerdings trotzdem. Und diese sind in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ihren Erstling handelt, durchaus zu verschmerzen.

Die Palette der Band ist durchweg solide. Leider schöpfen die Jungs das Potential ihrer Songs aber nicht vollends aus. Es fehlt an Tiefe und Vielschichtigkeit. Die Songstrukturen und Dynamik der einzelnen Songs wiederholen sich unverschämt oft.

Man bekommt den Eindruck, „California Dreamin'“ ist die ultimative Blaupause, an der sich alle anderen Songs orientieren. Melodien, Strukturen, Akkordfolgen – all das klingt in anderen Songs so ähnlich, dass man sich an mancher Stelle fragen könnte, ob man aus Versehen die Repeat-Taste aktiviert hat. Bestes Beispiel dafür ist „The Morning“, der fast eins zu eins übernommen zu sein scheint.

Dass trotzdem keine Langeweile aufkommt, liegt dann einzig und allein an der fröhlichen Stimmung, die Dirty Honey mit ihren Songs versprühen. Denn trotz der ganzen Mängel macht die Platte trotzdem Spaß und ist vor allem eine willkommene Abwechslung zu dem, was sonst so auf dem internationalen Musikmarkt los ist.

Auch Sänger Marc Labelles kratzig kreischende Stimme ist zwar ausdrucksstark, aber nicht außergewöhnlich individuell. Um den Songs das gewisse Etwas zu verleihen und den typischen Blues-Rock-Vibe einzufangen ist sie aber perfekt.

Letztendlich bleibt abzuwarten, was die Jungs von Dirty Honey in den nächsten Jahren noch so alles zu bieten haben. Talent und Potential ist definitiv vorhanden und Spaß macht ihre Musik allemal.

Foto: Daniel Prakopcyk / Offizielles Pressebild

ALBUM
Dirty Honey
Künstler: Dirty Honey

Erscheinungsdatum: 23.04.2021
Genre:
Label: Dirt Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. California Dreamin'
  2. The Wire
  3. Tied Up
  4. Take My Hand
  5. Gipsy
  6. No Warning
  7. The Morning
  8. Another Last Time
Dirty Honey
Dirty Honey
6
FAZIT
Mit Dirty Honey erfreut sich der zurückgezogene Classic-Rock einer neuen aufstrebenden jungen Band, die sich der Aufgabe angenommen hat, das eingerosteten Genre in den Rollstuhl zu setzten und zurück auf die Straße zu schieben. Mit ihrem Selftitelt-Album liefern die Newcomer einen soliden Erstling, der massig Luft nach oben lässt. Zwar fällt das Album mit acht Songs und insgesamt knapp 30 Minuten, eher kurz aus, dafür gibt es in der halben Stunde einen fröhlichen Soundtrack für den nächsten Roadtrip.

Solange man über die vielen kleinen Patzer hinwegschauen kann, machen Dirty Honey aber definitv Spaß und ganz sicher Lust auf mehr. Das nötige Talent ist auf jeden Fall vorhanden. Wir dürfen gespannt sein, was die Jungs in den nächsten Jahren noch von sich hören lassen.
/morecorede
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