Review

MetalcorePost-Hardcore

Kritik: Devil Sold His Soul - "Loss"

Neun Jahre dauerte es, bis Devil Sold His Soul ein neues Album vollendeten. Seit der Veröffentlichung von „Empire Of Light“ ...

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Neun Jahre dauerte es, bis Devil Sold His Soul ein neues Album vollendeten. Seit der Veröffentlichung von „Empire Of Light“ im Jahr 2012 erschien neben der EP „Belong / Betray“ lediglich die Single „The Reckoning“. Nun, 2021, sind Devil Sold His Soul vereinter denn je. Ex-Sänger Edward Gibbs ist zurück und teilt sich mit Paul Green (The Arusha Accord) das Mikrofon, was sich auf „Loss“ bezahlt macht.

Ein Wechselspiel beider Sänger

Es sind Pianoklänge, die „Loss“ beginnen lassen. Sanft, fragil und etwas zögerlich tapst sich das Klavier in die anschwellende Atmosphäre, die uns spätestens mit dem Einsetzen aller Instrumente von einer selbstbewussten Sicherheit überrumpelt.

Kaum beginnen die Sänger Ed und Paul ihr Wechselspiel, so ist man in der Welt von Devil Sold His Soul gefangen. „Ardour“ liefert alles, wofür man die Band aus ihren vergangenen Zeiten kannte und wertschätzte. Atmosphärische Gitarrenklänge mischen sich in anmutigenden Emo-Cleangesang, verzweiflungsschreiende Shouts sowie harte Breaks, die den Metalcore-Anschlag im Sound von Devil Sold His Soul offenbaren.

„Ardour“ wechselt nach einem cleanen Zwischenteil in eine Dreiviertel-Taktung, die einen spannenden Twist offenbaren und uns in träumerische Sphären leitet und die Schwere, aber auch die Leichtigkeit innerhalb dieser offenbart.

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Doch wenn es ein Merkmal gibt, an dem man die Musik der Band zweifelsohne wiedererkennen kann, so sind es die melancholischen Melodien, die depressiven Harmonien, die zusammen mit der ätherischen Post-Rock-Komponente im Sound der Briten für ein herzzerreißendes Momentum sorgen. Songs wie „Burdened“ leben durch genau diese Dynamik und gut ausgespielten Kontraste. Sowohl „Burdened“ als auch „Beyond Reach“ liefern wie „Ardour“ ein gut balanciertes Wechselspiel der beiden Sänger.

Der Sound von Devil Sold His Soul lebt durch starke Kontraste

„Witness Marks“ ist ohne Zweifel einer der stärksten Tracks, den die Briten je geschrieben haben. Mit eingängiger Gitarrenmelodie und einem Melodic Hardcore-Anschlag erinnert der Song an Zeiten von „Blessed & Cursed“ und belohnt Hörer nicht nur mit Momenten der Nostalgie, sondern wunderschön ausgespielten und gesungenen Melodien, die sich liebevoll dem Instrumental anschmiegen.

Mit zitternden Violinen eröffnet „Witness Marks“ den ersten richtigen Break des Albums und zeigt, wie Architects hätten klingen können, wenn sie sich nicht einem Pop-Approach hingegeben hätten. Doch auch dieser Break wird mit einem cleanen Post-Rock-Part kontrastiert und langsam aber sicher baut sich die vorher in Destruktion ausgewucherte Energie wieder zu einer farbenfrohen Klanglandschaft auf.

Sicherlich kann die Spielzeit von fast acht Minuten für manche ein Hindernis sein. Devil Sold His Soul gelingt es allerdings, diese nicht in endlosen Repetitionen auszuführen, sondern den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Harte Töne

„The Narcissist“ wurde bereits als Single veröffentlicht und stellt den wohl härtesten Song auf „Loss“ dar. Hart, weil dieser Songs vor Wut und Aggression strotzt, aber auch tiefe Gefühle der Melancholie und Depression vermittelt. Schwermütig und bedrückend ist „The Narcissist“ ein Song, den man als Gewittersturm innerhalb des Albums auffassen könnte.

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Auch „Tateishi“ und „Acrimony“ sprechen eine harte Ansprache, die durch den Hardcore-Unterton treibend und aggressiv wirkt, von den Cleanvocals jedoch zurück in ätherische Sphären gelockt wird. So gelingt es, auch hier eine Balance zwischen poppigen Emo-Aspekten und harten Screamoparts zu kreieren.

Hohe Emotionalität und ausgeklügeltes Songwriting

Auf „Signal Fire“ ist ein klares Leitmotiv zu finden, das sich im Anstieg dreier Töne durch den ganzen Song finden lässt und ihn wie ein roter Faden zusammenhält. Inmitten von Tremologitarren und Akkorden spielt die Melodie einen großen Faktor, der dafür sorgt, dass sich „Signal Fire“ direkt in unser Gehör festsetzt und uns daraufhin mit Ohrwürmern verfolgt. Besonders an diesem Song ist jedoch das kurze Interlude, welches sich nach der ersten Hälfte feststellen lässt.

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Devil Sold His Soul reduzieren ihre Instrumentation auf das absolute Minimum, um langsam aber sicher wieder aufzubauen und mit einer Addition ein Momentum zu erschaffen, das so träumerisch, verzaubernd und einfach schön ist wie ein Regenbogen, der nach einem schweren Sturm durch die Wolken blitzt. Spätestens nach dem kurzen Pianozwischenspiel kulminiert die emotionale Energie von „Signal Fire“ in einen Chorus, der so unfassbar mitreißend und explosiv wirkt, wie es „Loss“ bisher noch nicht getan hat.

Tiefe Emotion

Eine ähnliche Melodie-Komponente, wie auf „Signal Fire“, ist auch auf „But Not Forgotten“ zu finden. Im direkten Vergleich fehlt es dem Track jedoch etwas am nötigen Feuer. Der Track ist vergleichsweise weniger dynamisch, eher balladesk und melodiös gehalten und übermittelt einen poppigen Aspekt, der ihn durch seine Repetition enorm einprägsam werden lässt. Insbesondere aber die Phrase „And I will make this on my own” bleibt im Kopf stecken und bezaubert auf berührende Art und Weise.

Devil Sold His Soul verarbeiten auf ihrem vierten Album tiefemotionale Themen aus ihren persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre und bieten viel Identifikationspotential. Sowohl die klare Aussprache, als auch der überwiegend klare Gesang macht es einfach, die Texte nachzuvollziehen. Diese Clarity lässt sich auch in den Shouts wiederfinden, die ebenfalls gut verständlich sind.

Würde „Loss“ nur aus solchen Tracks wie „But Not Forgotten“, „Witness Marks“ und „Signal Fire“ bestehen – es wäre das Album des Jahres. Doch die etwas schwächeren Tracks dazwischen sorgen höchstens für Abzüge in der B-Note. Mit dem titelgebenden Track findet „Loss“ sein Ende in melancholischer, getragener und sanfter Weise, ohne dass Devil Sold His Soul mit etwas Unbekanntem überraschen. Ein würdiger, nachdenklich stimmender Abschluss, der perfekt umzeichnet, was auf den vorherigen Tracks bereits offenbart wurde.

Foto: Devil Sold His Soul / Offizielles Pressebild

Devil Sold His Soul Loss
8.5
FAZIT
Devil Sold His Soul sind Meister der Kontrastierung und wissen genau, wie sie diese Kontraste ausspielen können. So ist „Loss“ eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die sowohl Höhen als auch Tiefen kennt. Darüber hinaus ist das vierte Full-Length Album der Band das klanglich modernste, was an der lupenreinen Produktion liegt. Der überwiegend Schlagzeug-betonte Mix liefert jede Menge Präzision, die jedoch den organischen Aspekt nicht zerstört.

Klar ist: Devil Sold His Soul klingen auch in ihrer musikalischen Sprache nicht mehr nach dem was sie auf „A Fragile Hope“ gemacht haben. Doch ist genug dieser Essenz im Sound der Briten zu verorten, die mit „Loss“ endlich da weiter machen, wo sie 2014 aufgehört haben. Jedoch mit vereinten Kräften beider Sänger, die das beste aus jeder Ära der Band hervorheben und das Album so zu einer perfekten Symbiose beider Welten werden lässt.
/morecorede
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