Live

AlternativeMelodic HardcorePost-Hardcore

Live bei: Alexisonfire in Köln (31.10.2022)

Welcome back.

VON AM 01/11/2022

Alexisonfire im Palladium. Diese Ankündigung war schon eine Hausnummer. Und tatsächlich, die Location im Kölner Stadtteil Mülheim ist an diesem Abend dann auch keineswegs ausverkauft. Gründe? Davon wird es einige geben. Halloween, Corona-Vorsicht, Sorge vor der nächsten Gasrechnung und nicht zuletzt wohl auch die Tatsache, dass sich Alexisonfire seit ihrem Comeback 2015 generell, aber vor allem in Deutschland doch eher rar machen. So liegt die letzte Show in Köln inzwischen fast auf den Tag genau zwölf Jahre zurück. Seinerzeit war es übrigens noch die deutlich kleinere Essigfabrik. Diese war dann allerdings auch ausverkauft. Aber das Wichtigste ist ja, dass die Show stattfindet. Ausverkauft oder nicht.

Higher Power

In Sachen Supportbands haben sich Alexisonfire für diese Tour nicht lumpen lassen. Und so ist die Halle dann auch schon verhältnismäßig gut gefüllt, als Higher Power um Punkt 19.30 Uhr den Abend eröffnen. Wer zu dieser Zeit schon vor Ort ist, wird nicht nur mit dem gefälligen Hardcore Punk-Sound der Band aus Leeds belohnt. Nein, Higher Power haben sich für die Halloween-Show auch optisch in Schale geworfen. Das sieht zwar äußerst interessant aus, hat für die Band aber durchaus Nachteile, wie Sänger Jimmy Wizard, der sich als Horrorclown verkleidet hat, zugibt. Er könne gar nicht verstehen, wie Slipknot es seit Jahren aushielten, kostümiert auf die Bühne zu gehen. In Sachen Sound ist bei Higher Power noch etwas Luft nach oben. Davon abgesehen eignet sich die etwa 25-minütige Show aber sehr gut, um warm zu werden.

Higher Power Higher Power

Higher PowerFotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Boston Manor

Was ist besser als eine Supportband aus dem UK? Richtig, zwei Supportbands aus dem UK. Und deshalb haben Alexisonfire auch noch Boston Manor ins Boot geholt. Die Herren aus Blackpool, die erst vor wenigen Wochen ihr neues Album Datura veröffentlicht haben, sind nicht zuletzt aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes auf Shows und Festivals wie Rock am Ring oder dem Vainstream Rockfest in diesem Jahr eine deutlich größere Nummer als Higher Power. So mischen sich um 20.20 Uhr auch einige Fans mit Boston Manor-Shirts nach ganz vorne. Sänger Henry Cox hat dann auch wenig Probleme, die Menge anzuheizen. Die Setlist, die einen starken Akzent auf Datura und die im vergangenen Jahr erschienene EP Desperate Times, Desperate Pleasures legt, lässt im Publikum wenig Wünsche übrig. Dass Boston Manor das Set mit ihrem Überhit „Halo“ beenden, versteht sich von selbst. Auch an diesem Abend dürfte die Band wieder einige neue Fans gewonnen haben. Wenn es so weitergeht, ist die Zeit für eine eigene Headliner-Tour definitiv reif. Es muss ja nicht sofort das Palladium sein.

Boston Manor Boston Manor Boston Manor Boston Manor

Boston ManorFotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Alexisonfire

Alexisonfire gönnen sich schließlich den Luxus, ihr Set mit etwa zehnminütigen sphärischen Klängen einzuläuten. In dieser Zeit wird es zumindest in der vorderen Hälfte der Halle auch noch einmal deutlich voller. Und spätestens als die Kanadier mit „Drunks, Lovers, Sinners and Saints“ vom Album Crisis einsteigen, setzt sich die Masse auch in Bewegung. Das Publikum ist gewohnt textsicher und ist auch beim folgenden Song „Boiled Frogs“ voll dabei. Die Band präsentiert sich – obwohl die Zeit optisch nicht ganz spurlos an ihnen vorbeigegangen ist – genau so energisch und motiviert wie eh und je. Auch der Sound stimmt von Anfang an. Gleichwohl fällt früh auf, dass es im Hause Alexisonfire inzwischen etwas ruhiger und gefühlvoller zugeht als vor der ursprünglichen Trennung 2012.

So schaffen es neben einem Song wie „Sans Soleil“ vom jüngsten Album Otherness auch weitere eher ruhige ältere Tracks wie „The Northern“ und „Rough Hands“ auf die Setlist. Der positiven Stimmung im Publikum tut das aber keinen Abbruch. Denn die Band kann gerade bei diesen Songs zeigen, dass ihr größter Trumpf neben der überaus tighten Spielweise die einerseits sehr verschiedenen, sich andererseits aber auch perfekt ergänzenden Stimmen von Fronter George Petit und den ohnehin überaus talentierten Gitarristen Wade McNeil und Dallas Green sind.

Alexisonfire Alexisonfire Alexisonfire Alexisonfire Alexisonfire Titelbild Alexisonfire Alexisonfire

AlexisonfireFotos im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

Eine Setlist, die von vorne bis hinten passt

Neben so viel Gefühl hat die Band aber auch diejenigen nicht vergessen, die ihre dancing shoes mit ins Palladium gebracht haben. So spielt die Band passend zum 20-jährigen Jubiläum ihre Debütalbums „Alexisonfire“ auch „.44 Caliber Love Letter“ und innerhalb der drei Songs umfassenden Zugabe gibt es dann selbstverständlich auch noch „This Could Be Anywhere In The World“. So ist für alle etwas dabei. Dieser Abend wird keine Wünsche übrig gelassen haben. Bis zu den nächsten Headliner-Shows in Deutschland können sich Alexisonfire gerne etwas weniger Zeit lassen und wieder ein so überzeugendes Support-Package mitbringen. Ob ins Palladium oder eine kleinere Location? Das wird den Fans egal sein. Hauptsache Alexisonfire.

Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)

More

Feature

NOFX

Wenn es um die Geschichte des Punks geht, dann nehmen NOFX und Fat Mike eine wichtige Rolle ein, die über …

von