Review

FolkPunkrock

Kritik: The Real McKenzies - "Beer And Loathing"

Mit „Beer And Loathing“ erwartet uns in dieser Woche kein trauriger Abklatsch eines Filmklassikers. Es handelt sich um den Titel ...

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Mit „Beer And Loathing“ erwartet uns in dieser Woche kein trauriger Abklatsch eines Filmklassikers. Es handelt sich um den Titel des neuen Albums von The Real McKenzies.

Die kanadischen Folk-Punker um Frontmann Paul McKenzie nehmen den Hörer auch dieses Mal mit auf eine musikalische Reise in die Tiefen Schottlands. Wir haben uns den neuen Longplayer schon einmal anhören können und präsentieren euch unsere Eindrücke.

The Real McKenzies nehmen uns auf „Beer And Loathing“ mit auf eine musikalische Reise durch Schottland

Bereits mit dem instrumentalen Intro-Song „A Widow’s Watch“ wird gleich klar, dass die Band ihre schottischen Wurzeln in keiner Weise vergessen hat. So beginnt das Stück gleich mit den monotonen Klängen der Dudelsäcke, die durch das Schlagzeug ergänzt werden und so die Atmosphäre stetig aufbauen.

Der stampfende Beat, der an prall gefüllte Krüge erinnert, die auf hölzerne Tische prallen, würde sich auch live als Konzert-Intro eignen und zum Mitklatschen animieren.

Dass sich die Band mit der Auswahl und Positionierung ihrer Songs Gedanken gemacht hat, wird auch beim letzten Track des Albums deutlich. Mit „A Seafarer’s Return“ gibt es nämlich noch einen weiteren instrumentalen Song auf „Beer and Loathing“. Somit kann ein Bogen um die gesamte Platte gesponnen werden.

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Das keltische Herz wird in vielerlei Hinsicht bedient. Beispielsweise durch die eher ruhigen, akustischen Klänge im 3/4-Takt in „Overtoun Bridge“, die sich bestens zum Schunkeln eignen und durch den Männerchor im Background sowohl an Fülle, als auch an Wehmut gewinnen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Whose Child Is This“. Auffällig ist, dass der Folk-Sound der Band hauptsächlich durch die Dudelsäcke und den Verzicht von elektrischen Gitarren hervorgerufen wird. Dieser Song ist allerdings deutlich treibender und schneller, wodurch eine Varianz hervorgerufen wird.

Abseits der musikalischen Verwirklichung des traditionell-schottischen Themas gelingt es den Real McKenzies auch durch die lyrischen Inhalte, themenbezogene Akzente zu setzen. Eines der Highlights stellt „Cock up Your Beaver“ dar.

Musikalisch erinnert der Song zu Teilen an ein Kinderlied, das im Intro von einer Flöte getragen wird, die in der Strophe den Gesang unterstützt. Dieser zitiert das gleichnamige Gedicht von Robert Burns aus dem Jahre 1792. Verfasst wurde das Gedicht in schottischem Dialekt. Inhaltlich behandelt es die damaligen Männer-Hüte, die zumeist aus Filz bestanden, welches aus Biberfell hergestellt wurde.

Wer glaubt, dass sich „Beer and Loathing“ lediglich mit Folklore-Klängen und historischen Gedichten beschäftigt, der liegt allerdings falsch. Gut die Hälfte des Albums besteht aus knackigen Punkrock-Songs, die vor Kraft nur so strotzen.

Hierzu gehört auch der Titeltrack des Albums, der einen sehr roughen Punk-Sound besitzt, wie man ihn Anfang der 2000er in Skatevideos zu hören bekam.

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Auch „Nary Do Gooder“ ist ab dem ersten Ton sofort da und stellt eine punkige Ode an den Alkohol und das wilde Partyleben dar, inklusive der eingängigen Refrain-Zeile: „This is your weekend but this is my life“.

Mit diesem Song gelangen The Real McKenzies zum Hauptgrund ihrer Gründung zurück. Dieser zielt auf das schottische Wort „Ceilidh“ ab, welches für eine ausgelassene Party steht, die mehrere Tage andauert.

„The Cremation of Sam McGee“ stellt zum Ende des Albums hin eine weitere musikalische Facette dar. Auffallend ist zum einen die eher ruhig gehaltenen Strophen, die immer wieder von elektrischen Gitarren unterbrochen werden, zum anderen der Gesamtsound des Tracks, der in seiner Art und Weise eher an Rock mit einem starken Country-Einschlag erinnert.

Zum Gesamtmix der Songs ist zu sagen, dass das roughe Flair der Songs besonders durch den Klang des Schlagzeugs und die eindringlichen Becken hervorgerufen wird. Diese könnten bei anderen Produktionen negativ auffallen, runden auf „Beer and Loathing“ allerdings den Sound ab.

Foto: Cat Ashbee / Offizielles Pressebild

The Real McKenzies auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für The Real McKenzies. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Beer And Loathing
Künstler: The Real McKenzies

Erscheinungsdatum: 03.07.2020
Genre: ,
Label: Fat Wreck Records
Medium: CD, Vinyl

Tracklist:
  1. A Widow's Match
  2. Overtoun Bridge
  3. Big Foot Steps
  4. Beer And Loathing
  5. Cock Up Your Beaver
  6. Nary Do Gooder
  7. Death Of The Winnipeg Scene
  8. 36 Barrels
  9. Whose Child Is This
  10. The Ballad Of Cpl. Hornburg
  11. The Cremation Of Sam Mcgee
  12. A Seafarer's Return
The Real McKenzies Beer And Loathing
The Real McKenzies Beer And Loathing
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FAZIT
Mit ihrem neuen Album „Beer and Loathing“ zeigen The Real McKenzies, dass der Folk-Punk der Band auch nach 28 Jahren immer noch lebt. Die Dudelsäcke, die folkigen Gitarren und die besungenen Themen sind authentisch, allerdings in ihrer Art und Weise speziell und daher sicherlich nicht für jeden Hörer etwas.

Wird auf diese Elemente allerdings verzichtet, so besitzt das Album vielfältige Punk- und Rock-Songs, die in ihrer Variabilität herausstechen und auch für Hörer abseits der Folk-Punk-Szene interessant sein dürften. Auf „Beer and Loathing“ ist daher für jeden etwas dabei, der im entferntesten Spaß an Punkrock und/oder folkigem, traditionellem Sound hat.