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Rock

Kritik: Eastwood - "It Never Gets Easy"

Während wir alle uns so langsam in die Fänge des Herbstes begeben, möchten uns die Jungs von Eastwood mit dem ...

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Während wir alle uns so langsam in die Fänge des Herbstes begeben, möchten uns die Jungs von Eastwood mit dem passenden Soundtrack dazu beliefern. Via Pure Noise Records veröffentlicht das Rock-Projekt von Knocked Loose-Gitarrist Cole Crutchfield sein 11 Song starkes Debüt-Album „It Never Gets Easy“.

Eastwood überzeugen auf „It Never Gets Easy“ mit einer Menge Persönlichkeit

Beginnen wir in unserer Rezension, in der wir mit euch den Sommer verabschieden wollen, von vorne. Das Cover von „It Never Gets Easy“ zeigt eine verschwommene Frauen-Silhouette, die sich durch ein Blumenfeld bewegt. Das Ganze in eher ungesättigten Farbtönen gehalten, erinnert es an schwindende Erinnerungen einer vergangenen Zeit. Genau darauf zielt das Album auch in musikalischer Hinsicht ab.

Der breite, crunchige Sound des ersten Songs „Fair-Weather Friends“ gibt hierzu den passenden musikalischen Einstieg in das Album. Der rockige Gesang rundet den musikalischen Gesamteindruck zusätzlich ab und versprüht eine Mischung aus Skater-Punk-Gefühlen und Roadtrip-Ambiente, nicht ohne dabei einen melancholischen Unterton zu verbreiten.

„False Start“ ist einer der Songs, die bereits vor Release des Albums veröffentlicht wurden und zusätzlich mit einem Video versehen wurde. Die cleanen Sounds, gepaart mit dem ruhigen, humorvollen Video, das die Band im Wald musizierend zeigt, nimmt sich nicht zu ernst und versprüht die letzten Sonnenstrahlen des Sommers.

Von musikalischer Seite aus bricht es mit dem Klischee, dass es nicht möglich sei, andere Musik zu hören, wenn man im Death- oder Hardcore zu Hause ist. Nach Angaben von Crutchfield ist es genau das, was die Songs, die in einer Zeitperiode von mehr als vier Jahren geschrieben wurden, aussagen sollen. Darüber hinaus wurden die Songs größtenteils seitens des Knocked Loose-Members verfasst.

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Auch wenn Eastwood bereits zwei EPs, darunter ein Weezer-Cover zu „The World Has Turned And Left Me Here“ veröffentlicht haben, so ist es laut Crutchfield das erste Release, auf das er wirklich stolz ist.

Darüber hinaus seien es auch genau die Songs, zu denen die bisher stärkste Connection bestünde.

Der persönliche Touch der Stücke, besonders in den Lyrics, wird in Songs, wie „Never Age“ und „I (Don’t) Need You“ besonders deutlich, in denen Eastwood zum einen das Erwachsenwerden des Frontmanns thematisieren und auch die Schwierigkeiten des Loslassens von geliebten und vertrauten Menschen eine besondere Rolle spielt.

Das Ganze wird verpackt in einem groovigen Vibe, der im Falle von „I (Don’t) Need You“ sogar durch einen mehrstimmigen Gesang überzeugen kann und dadurch an musikalischer Tiefe weiter gewinnt.

Vielseitigkeit ist ein Merkmal, welches definitiv mit „It Never Gets Easy“ in Verbindung gebracht werden sollte. Eastwood spielen in „Two Dollar Hamm’s“ mit der Dynamik, experimentieren zwischen akustischen Klängen und treibender Eskalation, die besonders durch Beckenschläge hervorgerufen wird. Dabei wirkt der schwingende C-Teil verträumt und vergrößert die Vielfalt des Songs, ohne dabei zu überladen zu wirken.

„Fine“ hingegen schlägt deutlich düsterere Töne an. Dies wird gleich mit der ersten Zeile „I’ve been feeling alone“ deutlich. Der Hall, der auf dem Gesang liegt und eine Akustik hervorruft, die wirkt, als ob Crutchfield alleine in einem Raum stehen würde, weckt eine tiefgehende Melancholie und Schwere, die sicher jeder nur zu gut kennt. Das Ganze in einem musikalischen Stil, der eher ruhig und langsam ist und am ehesten mit Stücken von Movements verglichen werden kann.

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Der eher klassisch-moderne Rocksound in Songs wie „Living the Dream“ oder „Hate to Hurt“ steht der Band darüber hinaus ebenfalls gut und sorgt mit den tiefen Gitarrenriffs und dem treibenden Beat für tanzbare und eingängige Songs, die alles andere als 08/15 klingen. Es ist der Spagat zwischen tiergehenden Lyrics und tanzbarer Melancholie (alleine das klingt paradox), der den Sound von Eastwood ausmacht und das Alleinstellungsmerkmal der Band ist.

Und dann gibt es doch diese einzelnen, versteckten Momente, in denen die Kombo auch leicht härtere Töne anspielt. Seien es die Groupshouts in „Two Story Window“, die ein wenig einen Hardcore-Vibe in einem sonst sehr persönlichen und emotionalen Song verbreiten, oder die Shouts in „Blood of Jesus“, die einen sonst eher melodisch-eingängigen Song aufwerten und ihm eine ganz neue, interessante Note verleihen.

Eastwood zeigen ihre vielfältigen Einflüsse, kombinieren diese munter und kreieren damit ein Album, das die unterschiedlichsten Facetten aufweist, ohne damit aus dem Rahmen zu fallen. Es ist so, als würde ein kunterbuntes Gemälde geschaffen werden, in dem sich die einzelnen Farbtöne einander anpassen und ineinanderfließen.

Das bereitet sowohl dem Schöpfer als auch dem Publikum Freude.

Bild: Eastwood / Offizielles Pressefoto

Eastwood auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Eastwood. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
It Never Gets Easy
Künstler: Eastwood

Erscheinungsdatum: 18.09.2020
Genre:
Label: Pure Noise Records
Medium: CD

Tracklist:
  1. Fair-Weather Friends
  2. False Start
  3. Two Dollar Hamm's
  4. Fine
  5. Hate To Hurt
  6. Two Story Window
  7. Never Age
  8. Blood Of Jesus
  9. I (Don't) Need You
  10. Living The Dream
  11. Waves
Eastwood It Never Gets Easy
Eastwood It Never Gets Easy
9.5
FAZIT
„It Never Gets Easy“ von Eastwood ist besonders eins: Persönlich! Cole Crutchfield lässt seinen musikalischen Einflüssen sowie seinen tiefsten Gedanken und Empfindungen freien Lauf und schafft dadurch die unterschiedlichsten Songs, die zusätzlich im Rahmen des Albums ein harmonisches Bild ergeben.

Die Songreihenfolge sorgt darüber hinaus für eine Berg- und Talfahrt, die keineswegs langweilig wird und für die unterschiedlichsten Stunden geeignet ist. Der einzige Punkt, der dem ein oder anderen missfallen könnte, sind die Wiederholungen an einzelnen Stellen, die sich ab und zu etwas ziehen könnten, dem Ganzen aber weder die Stimmung zerstören, noch zu stark zu Lasten fallen. Harmonie, Intensität und Vielseitigkeit sind die Attribute, die dem Album am ehesten gerecht werden. Ganz große Empfehlung!