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MathcoreProgressive

Kritik: Circuit Of Suns - "Night Sister EP"

Vielen werden Circuit Of Suns aus New York City wohl noch kein Begriff sein. Die wenigen, die sie kennen, sind ...

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Vielen werden Circuit Of Suns aus New York City wohl noch kein Begriff sein. Die wenigen, die sie kennen, sind wohl viel im Internet unterwegs oder waren auf ihrer letzten Europatour vor zwei Jahren zusammen mit Car Bomb zugegen. Circuit Of Suns und Car Bomb sind nicht nur gute Freunde und waren deshalb zusammen auf Tour unterwegs; auch musikalisch lassen sich die beiden Bands vergleichen. Ähnlich abgefucked und vertrackt ist die Musik der beiden, wie auch die brandneue EP „Night Sister“ unter Beweis stellt. Wir haben den Tag mit ihr gestartet und berichten.

Circuit of Suns starten holprig…

Den dreiminütigen Titeltrack, der die EP eröffnet, hätte es eigentlich nicht gebraucht. Außer Synthesizer Geplänkel passiert hier nämlich nicht sonderlich viel. Natürlich baut „Night Sister“ irgendwie Spannung auf, aber sobald „Diminishing Returns“ beginnt, wird klar, worum es Circuit Of Suns eigentlich wirklich geht. Mit anspruchsvollen rhythmischen Strukturen verketten sich die New Yorker in ähnlicher Manier wie Meshuggah, nur um im nächsten Moment mit der nächsten Windung kurz ihr Treiben zu unterbrechen.

Diese rhythmischen Elemente sind neben vielen Glitch-Effekten ein stilprägendes Element von „Night Sister“. Dazu kommt der staccatohaft gesetzte Gesang des Sängers, der mit dieser rhythmischen Akzentuierung sicher nicht den leichtesten Job der Band hat. Harte Breaks im Stile von Circle Of Contempt lassen etwas den Fokus verlieren, hauen aber dabei so verdammt hart rein, dass es mehr zu faszinieren scheint, als in Verwirrung zu enden.

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… fangen sich aber schnell.

Die Synthesizer sind zurück und leiten „22“ ähnlich ein, wie bereits das Intro im Bezug auf „Diminishing Returns“. „22“ genießt aber den Flow des kurzen Interludes und bleibt zunächst ruhig mit cleanen Gitarren und ätherischem Cleangesang, der einen überraschend großen Kontrast zu dem vorherigen Track aufweist. An einigen Stellen ist „22“ sogar catchy und fast schon poppig, wobei ‚eingängig‘ definitiv ein Wort ist, das ich im Bezug auf Circuit Of Suns mit Vorsicht wähle.

Denn nach circa zwei Minuten kommen, völlig unverhofft, die rhythmischen Elemente der Band zurück, die diese nun mit der atmosphärischen Komponente verbindet und durch wilde Synthesizer ausschmückt. Diese Synthesizer sind es, die den Sound von Bands wie Car Bomb, Gojira oder Meshuggah abheben. Doch auch der folgende Cleanpart beweist, dass Circuit Of Suns eine schizophrene Seite haben, die ihnen unfassbar gut steht und auch in Kombination mit den komplexen Rhythmen eine gewisse Genießbarkeit mit sich bringt.

Ein Problem, das „Night Sister“ mit sich bringt, ist, dass „22“, „Insidious Apathy“ und „Purge“ jeweils mit Interludes anfangen, die man sich eigentlich hätte sparen können. Ein richtiger Flow wird damit jedenfalls nicht kreiert. Vielleicht fungieren sie nur als Momente der Ruhe, aber die Blast Beats die mit dem Riffing von „Insidious Apathy“ einhergehen, überraschen erneut mit jeder Menge Boshaftigkeit und einem fiesen Sound, der nun noch Death Metal-lastiger ist als zuvor. Dissonantes Mathcore-Tapping gibt es aber auch noch obendrauf und spätestens dadurch wird „Insidious Apathy“ zum absoluten Mindfuck, der entweder begeistert, oder abschreckt.

Jede Menge überraschendes Chaos

Ähnlich verhält es sich auch mit „Purge“, das wundern lässt wie schnell die Band auf ihren Instrumenten agieren kann. Noch mehr Chaos reiht sich in dissonante Riffs, Blast Beats, rhythmische Ketten und Bassdrumgewitter. „Purge“ besser zu beschreiben fällt schwer, da sich quasi alle 4 Takte irgendetwas ändert, oder einschiebt. Circuit Of Suns vermeiden es, ihre Riffs zu wiederholen und führen lieber neue an, um ein wahres Shredfest zu zelebrieren. Kurz und knapp, zwischenzeitlich wird „Purge“ zum absoluten Wahnsinn der Gitarrenmusik, ist im nächsten Moment wieder in gängigen 4/4 Takten beheimatet und haut einen cleanen Refrain ein. Keine Ahnung wie, aber es gelingt der Band hierbei kohäsiv zu bleiben und diese unerwarteten Wendungen machen die Musik von „Night Sister“ so verdammt spannend.

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„Eulugy“ beendet das Album und beginnt ähnlich wie „22“ ganz ruhig, ätherisch und mit sehr viel Atmosphäre. Zusammen mit dem Gesang fällt „Eulugy“ so sehr aus den bisherigen Strukturen, dass es für Circuit Of Suns keine Schublade geben kann. Elegant leitet der Song in einen Tech Death-beeinflussten Part, der zusammen mit dem Refrain des Songs verdammt episch wird. Kein Song auf „Night Sister“ gleicht dem anderen, während die Band so verdammt viele Einflüsse darlegt, aus denen sie ihr eigenes Repertoire zu schöpfen vermag. Melodisch, klar strukturiert, dennoch hart und voller Inbrunst beenden Circuit Of Suns ihr 25-minütiges Treiben und hinterlassen einen tiefen Eindruck.

Circuit of Suns auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Circuit of Suns. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Night Sister EP
Künstler: Circuit of Suns

Erscheinungsdatum: 19.07.2019
Genre: ,
Label: Self-Released
Medium: CD

Tracklist:
  1. Night Sister
  2. Diminishing Returns
  3. 22
  4. Insidious Apathy
  5. Purge
  6. Eulugy
Circuit of Suns Night Sister EP
Circuit of Suns Night Sister EP
8.5
FAZIT
„Night Sister“ ist sicher keine Musik für jeden. Es benötigt eine gewisse musikalische Sozialisierung in den härteren Genres und damit ist kein Deathcore gemeint. Wer mit Car Bomb oder Meshuggah schon nichts anfangen kann, wird es mit Circuit Of Suns sicherlich nicht leicht haben. Wer aber nach „abgefucktem Shit“ sucht, der ist mit „Night Sister“ bestens bedient und kann damit raushängen lassen, wie cool er ist, denn was Circuit Of Suns hier geschaffen haben, ist frisch, gut umgesetzt und ballert bis zum geht nicht mehr!