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PunkrockRock

Kritik: AOP - "Von wegen Punkrock"

Wenn der Bandname AOP für AndiOliPhilipp steht, dann sollte auch den diesem Genre weniger zugeneigten Leserinnen und Lesern klar werden, ...

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Wenn der Bandname AOP für AndiOliPhilipp steht, dann sollte auch den diesem Genre weniger zugeneigten Leserinnen und Lesern klar werden, dass wir es hier mit einer Deutschpunk-Formation zu tun haben.

Auf deren neuestem Werk – Studioalbum Nr.3 – „Von wegen Punkrock“ haben die drei Herren ihre Fans ganze 10 Jahre warten lassen. Dazwischen lag allerdings zwischen 2013 und 2017 die vorübergehende Trennung der Band, die sich schon Ende der Neunziger in der Schule kennengelernt hatte und bis zu ihrer Trennung nahezu alle großen deutschen Festivalbühnen bespielen durfte.

Punkrock mit Tiefgang?

Das Cover von „Von wegen Punkrock“ ziert ein klassisches, modernes Einfamilienhaus, wie es sie in den Neubaugebieten dieses Landes zuhauf gibt. Die Interpretation dieses Covers bleibt den Hörerinnen und Hören dann aber selbst überlassen.

Zielt die Band auf das eigene Alter und die geänderten Lebensgewohnheiten ab? Oder ist es ein Hinweis, dass man nie genau weiß, was uns einen hinter einer scheinbar langweiligen und einfältigen Fassade erwartet? Ziemlich viel Tiefgang für Deutschpunk.

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Zum Glück sind die ersten Songs von „Von wegen Punkrock“ dann nicht mehr so fordernd. Sowohl „Unsere Lieder“ – ein klassischer Opener, in dem die E- dankend von der Akustikgitarre übernimmt – und „Zum Punk hat’s nicht gereicht“ sind mehr als ohrwurmverdächtig. Da kann man auch getrost darüber hinwegsehen, dass die Lyrics sich doch auf eher überschaubarem Niveau einpendeln. Allein zum Thema von „Zum Punk hat’s nicht gereicht“ – Punkrock-Polizei, Was ist eigentlich noch Punk, Was darf man als Punkband usw. – fallen einem auf der Schnelle zahlreiche weitere Songs anderer Deutschpunk-Bands ein.

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Das Thema ist einfach ausgelutscht und dabei hat es keine Relevanz, denn außerhalb dieser Songs wird nie darüber diskutiert und gestritten, was eigentlich Punk ist. Vielleicht steckt ja eine Punkrock-Verschwörung dahinter? Immer wenn die eine Band über das Thema singt, kann die nächste Band das Thema aufgreifen – sozusagen ein Punkrock-Schneeball. Schon wieder sehr viel Tiefgang für Punk.

Tiefgang haben die Texte in der Mitte des Albums gleichwohl nur selten. Das „Lied für mich“ hätte sich Sänger Oliver Pfleger auch gut weiter alleine vorsingen können – „Ich steh für das ein, woran ich glaube“ hat jedenfalls gute Chancen auf den ersten Platz im berühmt-berüchtigten „Hohle-Phrasen in Songtexten“-Wettbewerb.

AOP liefern unterhaltsame Musik

Wenn man bei den Texten allerdings nicht so ganz genau hinhört, erlebt man auf „Von wegen Punkrock“ vor allem unterhaltsamen Punkrock, der vor allem bei schnellen und energiegeladenen Songs wie „Meine Freude“ seine Stärken ausspielen kann.

Mit „Bei Hitlers brennt noch Licht“ beschließt eines der absoluten Highlights des Albums das zweite Drittel. Mit ihrer Antwort auf das Wiedererstarken der rechten Szene durch den Aufstieg der AfD liefern AOP einen starken, weil nicht platten Song gegen Rechts ab – natürlich darf auch der obligatorische Tagesschau-Einspieler dabei nicht fehlen.

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Im letzten Drittel kann dieses Niveau dann leider nicht ganz gehalten werden. Es bleibt letztlich beim Gesagten: Die schnellen Songs – zum Beispiel „Bis ans Ende der Welt“ oder „Wunderschön“ wissen zu gefallen, ruhigen Nummern wie „Halt mich“ fehlt es ein wenig am Überraschungseffekt.

„Mit Vollgas ins Glück“ beendet das Album ohne Frage sehr versöhnlich und mit viel Energie, die man sich auch schon auf den in gut 45 vorherigen Minuten ein wenig öfter gewünscht hätte.

Foto: Alexander Penndorf / Offizielles Pressebild zu AOP

AOP News

ALBUM
Von wegen Punkrock
Künstler: AOP

Erscheinungsdatum: 18.06.2021
Genre:
Label: I Like My Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Unsere Lieder
  2. Zum Punk hat's nicht gereicht
  3. Ich will es nicht mehr hören
  4. Lied für mich
  5. Wenn ich dich seh
  6. Meine Freude
  7. Spiegel
  8. Prophet
  9. Schwarzweiss
  10. Bei Hitlers brennt noch Licht
  11. Bis ans Ende der Welt
  12. Halt mich
  13. Ganz weit weg
  14. Wunderschön
  15. Mit Vollgas ins Glück
AOP Von wegen Punkrock
AOP Von wegen Punkrock
6.5
FAZIT
Vier Jahre nach der Rückkehr legen AOP nun auch Studioalbum Nr. 3 vor. „Gut Ding braucht Weile“ möchte man sagen – doch das trifft nicht auf alle 15 Songs auf „Von wegen Punkrock“ zu. Musikalisch macht das Album gerade zu Beginn und am Ende durchaus Spaß, doch in der Breite kommt vieles zu einfallslos daher. Dass es auch anders geht, zeigt ein Song wie „Bei Hitlers brennt noch Licht“. Mehr Kreativität und weniger Plattitüden – musikalisch und lyrisch – hätten „Von wegen Punkrock“ sicher gut getan.
/morecorede
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