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Interview

Reload Festival-Gründer Andre Jürgens: „Wir haben jedes Jahr einen Pakt mit dem Teufel“

Das Interview zum kultigen Festival in Sulingen.

VON AM 17/08/2023

Am gestrigen Mittwoch begann die Anreise zum Reload Festival 2023 und fand mit der MoreCore Party als Warm Up im Partyzelt bereits seinen ersten Höhepunkt. Seit heute stehen die ersten Bands auf der Bühne und bringen das Festivalgelände in Sulingen wieder ordentlich zum Beben. Wir haben uns vor dem Festivalstart mit Reload Festival-Gründer Andre Jürgens unterhalten und dabei über die Besonderheiten des Festivals, Höhepunkte der letzten Jahre und natürlich über die eine oder andere Herausforderung als Festival-Veranstalter geplaudert.

Ich mag, wenn es nicht den ganzen Tag „durchdonnert“

MC: Das Reload Festival 2023 steht kurz vor der Tür. Auf welche Acts freust du dich persönlich am meisten?

Andre: Skindred, Killswitch Engage, In Flames, Sleep Token, Alligator Fight Club…eigentlich aber auf alle!

MC: Ihr seid für euren besonderen Genre-Mix in euren Line-Ups bekannt und seid damit sehr erfolgreich. Warum ist euch diese Vielfalt so wichtig?

Andre: Weil wir immer noch Fans sind, die gerne zu Festivals fahren oder gefahren sind. Ich kann sagen, dass ich auch zum Reload fahren würde, wenn ich nicht einer der Organisatoren wäre. Ich mag, wenn es nicht den ganzen Tag „durchdonnert“ und es auch zwischendurch mal Entspannung für´s Ohr gibt… aber auch, wenn es mal zur Sache geht!

Manche Bands sind für das Reload Festival außerhalb jeglicher Reichweite

MC: Welche Bands wurden sich von des Festivalbesucher:innen in den letzten Jahren am häufigsten gewünscht? Und welche Künstler:innen möchtest du persönlich unbedingt mal auf eurem Festival sehen?

Andre: Korn und Parkway Drive sind schon sehr oft recht hoch gelistet, aber auch Bands, die wir in unserem Line Up haben oder hatten, wie Parkway Drive ja auch. Manchmal sind die Ergebnisse aber auch überraschend, weil oft auch recht „kleine“ Bands recht hohe Platzierungen erreichen, was mich dann auch oft freut. In der Vergangenheit fanden sich dort auch sehr große Bands, wie System Of A Down, Rammstein oder Metallica wieder, die sind aber für uns aus vielen Gründen natürlich außerhalb jeglicher Reichweite!

MC: Welche besondere Bedeutung hat das Reload Festival in der deutschen Festivalszene?

Andre: Tja, wenn ich das wüsste… ich glaube, wir haben unseren Platz bei den Liebhabern gefunden. Leute, die in gemütlicher und familiärer Atmosphäre gerne gute und recht bekannte Acts sehen wollen, aber keine Lust auf die größeren Mainstream-Festivals haben.

MC: Einige Festivals hatten in diesem Jahr enorme Probleme gegen das schlechte Wetter anzukämpfen. Welche Erweiterungen oder Verbesserungen wurden in den letzten Jahren auf eurem Festivalgelände vorgenommen, um hier gut gewappnet zu sein?

Andre: Wir haben jedes Jahr aufs Neue einen Pakt mit dem Teufel und jeder aus unserer Crew muss sich darauf einstellen, seine Seele irgendwann herzugeben – meine ist z.B. schon länger weg! Nein, mal ernsthaft. Bislang hatten wir immer Glück, obwohl wir natürlich im Hintergrund (hoffentlich) gut gerüstet sind und unsere Hausaufgaben machen. Wir haben aber auch einen recht guten und sandigen Erdboden, der die Wassermassen nicht so lange stehen lässt und das Wasser gut durchsickert.

Beim Reload Festival soll die Musik im Vordergrund stehen

MC: Welche außergewöhnlichen Aktivitäten oder Besonderheiten gab es in den letzten Jahren beim Reload Festival?

Andre: Ich glaube, dass unsere Fans das Reload Festival deshalb so mögen, weil es eben nicht so überladen ist und es nicht an jeder Ecke „Entertainment“ gibt. Wir hatten zwar im letzten Jahr zum ersten Mal einen Kettenflieger, welcher auch gut angenommen wurde und wir planen auch dieses Jahr wieder mit einem Fahrgeschäft oder mit einer Bimmelbahn, aber bei uns soll die Musik im Vordergrund stehen.

Darüber hinaus kann ich aber sagen, dass es uns glaube ich jedes Jahr mehr gelingt, den Platz attraktiver zu gestalten, ohne dass der eigentliche Festivalgedanke leidet. Falls man aber mal was anderes sehen möchte, kann man in die Stadt oder ins nahegelegene Freibad gehen und sich dort „austoben“, aber grundsätzlich bleibt das Reload Festival etwas für Musikbegeisterte und soll kein Jahrmarkt werden.

Über die Jahre sind tolle und enge Freundschaften entstanden

MC: Kannst du uns etwas über die Entstehungsgeschichte des Reload Festivals und seine Entwicklung bis heute erzählen? Welche Highlights sind dir in Erinnerung geblieben?

Andre: Ich bin ja nun das einzige Gründungsmitglied und das Reload Festival ist eigentlich dadurch entstanden, da ich „Schulden“ bei einigen Bands hatte! Ich spielte damals in einer Band, die mehr oder weniger national rumtingelte und von anderen Bands auf deren Events eingeladen wurde. Diese Bands wollten dann aber auch irgendwann mal bei uns in der nordeutschen Tiefebene auftreten und wir mussten uns revanchieren, was hier auf´m Dorf nicht ganz so einfach war! Also, Festival machen! So hast du alle zufrieden gestellt, war damals mein Gedanke! Ich kann mich noch sehr gut an all‘ die Stolpersteine erinnern. Und wenn ich ehrlich bin und ich gewusst hätte, was da alles auf mich oder uns „wartet“, hätte ich mich damals anders entschieden und hätte die Kapellen inne Kneipe gesteckt. 100 € Spritgeld und Tschüss, haha. Wenn man aber erstmal dabei ist und „Blut geleckt“ hat, ist es schwierig, das wieder an den Nagel zu hängen.

Darüber hinaus sind im Laufe der Jahre und mit dem Festival tolle und enge Freundschaften entstanden. Ich kann sagen, dass man Menschen in Drucksituation sehr gut kennenlernt, und in unserem Fall auch sehr zu schätzen weiß! Wie du schon merkst, sind es nicht immer Bands oder andere Meilensteine, die mir besonders im Kopf geblieben oder wichtig für mich sind, aber ich kann mich durchaus an einige Situationen erinnern, z.B. als wir für 2011 zum ersten mal Limp Bizkit verpflichten konnten. Das war wirklich der erste große Act und wir hatten echt etwas „Bammel“ vor Fred Durst, was sich am Ende aber als völlig unbegründet herausstellte.

Oder ein Jahr später Slash (Guns N` Roses), das war auch ne schöne Erfahrung, da er ja zweifelsfrei eines meiner Kinderzimmer-Idole war und ist! Aber es gab auch viele unschöne Erlebnisse, wie z.B. wenn am Ende ein riesiges Loch in der Kasse klafft oder ernsthafte medizinische Notfälle eintreten, aber das gehört leider auch dazu, und da könnte ich sehr gut drauf verzichten!

MC: Euer Werner hat eine ganz besondere Funktion auf eurem Festival und kümmert sich mittlerweile auch um die Pressearbeit. Erzähl uns gerne einmal diese verrückte und tolle Geschichte.

Andre: Werner war ja schon sehr früh, sehr interessiert an dem Reload Festival und es gab schon vor den Zeiten von „Werner trifft…“ Gespräche mit ihm über das Festival. Einer unserer Gesellschafter ist Werners Nachbar und er hat schon öfter mal erwähnt, dass man Werner als musikbegeisterten Typen mehr einbinden müsse. Aber so richtig „klick“ gemacht hat es erst, als ich Werners erste Videos bei YouTube gesehen habe, als er anfing Festivalbesucher durch die Stadt zu „kutschieren“ und sie ausfragte, warum die sich denn hier her verirrt haben! Da dachte ich, das passt perfekt. Und nun hat Werner auch „Blut geleckt“ und einen Pakt mit dem Teufel, wie viele andere aus der Crew auch.

MC: Zum Schluss ein paar Worte an eure Festivalbesucher:innen…

Andre: Schön, dass es euch gibt! Denn ohne euch, gäbe es uns nicht… mehr!

Foto: Jessika Wollstein / Offizielles Pressebild des Reload Festival

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