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Interview

Melrose Avenue im Interview zu ihrer ersten Europa-Tour: „Auf der Bühne haben wir bis jetzt die besten Momente als Band erlebt“

Erste Tour und direkt restlos ausverkauft.

VON AM 02/02/2026

Die Newcomer Melrose Avenue legen gerade einen nahezu kometenhaften Aufstieg hin. Auf ihrer ersten (und restlos ausverkauften) Europa-Tour haben die Australier im November 2025 auch in Köln Halt gemacht. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns mit Gitarrist Shawn Mayer und Schlagzeuger Jed McIntosh unterhalten.

Auch wenn es hier ihrem Empfinden nach viel zu kalt ist, sind sie von der Reaktion der Fans in Europa überwältigt. Gerade Deutschland hat sie dabei überrascht:

„Deutschland ist viel reaktionsfreudiger und steht total auf Live-Musik. Es scheint auch eine echt große Kultur rund um harte Musik zu geben, was echt cool ist. Obwohl es in Australien auch eine Szene für harte Musik gibt, fühlt es sich hier einfach viel authentischer an. Es ist sehr motivierend und alle sind total begeistert, zu einem Live-Konzert zu kommen und die lokale Band zu unterstützen“, schwärmt Shawn.

Die Metal-Kultur sei hierzulande nochmal ganz anders verankert als in ihrer Heimat, auch wenn hier Größen wie Parkway Drive, The Amity Affliction oder Northlane herkommen. Viele dieser Bands sind ein Vorbild für Melrose Avenue.

Mit einigen Bands, wie beispielsweise Polaris, stehen sie in gutem Kontakt und vor allem Northlane haben ebenfalls zum Sound der Band beigetragen. So beschreibt Shawn, dass viele seine Gitarrenparts von ihrer Schwere und ihrem „Larger than Life-Sound“ inspiriert wurden.

Generell freuen sich Melrose Avenue darüber, dass sie und ihre Musik in der australischen Metalcore-Familie mit offenen Armen begrüßt wurden.

Ein musikalisches Rezept mit vielen Geschmacksrichtungen

Aber ihr Sound ist nicht nur von ihren australischen Kollegen geprägt, sondern setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Eine ihrer großen Leidenschaften ist es, verschiedene Genres miteinander zu kombinieren. Laut Shawn und Jed ist das Besondere der Band, dass jeder seinen eigenen Stil einbringt und alles am Ende perfekt miteinander harmoniert. So ist Jed vor allem inspiriert durch Gospel, HipHop und Jazz und Shawn beschreibt seinen Einfluss als eine Kombination von modernem Metalcore und Nickelback. Obendrauf kommt dann noch die teils pop-lastige Stimme von Sänger Vlado Saric.

Auf eine Definition ihres Sounds angesprochen, kommt dabei folgendes heraus:

„Wenn es eine Party wäre, würde Nickelback am Grill stehen, während Justin Bieber kocht, Bullet For My Valentine die Drinks mitbringen und Sleep Token den Nachtisch servieren.“

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Eine ganz schön interessante Mischung, die aber trotzdem irgendwie passt. Dass das Projekt Melrose Avenue etwas Besonderes ist, haben sie schnell gespürt.

Während sich zuerst Vlado und Shawn kennengelernt haben und nachher der zweite Gitarrist Mitchell und Schlagzeuger Jed dazugekommen sind, haben sie alle im Hinterkopf „so ein Gefühl“ gehabt. Einen besonderen Funken, den sie in vorherigen Bands nicht gespürt haben.

„Wir waren nicht so überheblich und dachten: ‚Wir werden die größte Band der Welt.‘ Aber es war einfach ein besonderes Gefühl, zusammen zu spielen, und ich glaube, die Leute haben das auch gespürt.“

Nicht überheblich zu werden ist gerade Jed besonders wichtig:

„Ich hoffe, wir bleiben immer so, dass wir nicht irgendwie arrogant oder so sind. Ich glaube auch nicht, dass wir das jermals werden, aber ich finde es gut, dass es uns manchmal schwer fällt, an die guten Dinge zu glauben – nicht weil wir uns selbst nicht wertschätzen, sondern weil wir es einfach nicht fassen können, dass unsere Träume wahr werden.“

Seiner Meinung nach ist es wichtig, sich hin und wieder einem gewissen inneren Druck auszusetzen, um über sich hinauszuwachsen – und genau das ist seiner Meinung nach derzeit für alle der Fall:

„Wir wollen uns von unserer besten Seite zeigen. Weil unser Erfolg ziemlich schnell gekommen ist, müssen wir auch ziemlich schnell besser werden.“

Vlado hat einfach diese Rockstar-Energy

Einfluss auf den rasanten Zuwachs an Bekanntheit, den die Band aktuell erfährt, hat vor allem auch Frontsänger Vlado Saric, der mit fast zwei Millionen Follower:innen auf TikTok in den letzten Jahren zu einer echten Internetberühmtheit geworden ist. Wie geht die Band damit um? Entsteht hier und da mal Eifersucht? Im Gegenteil! Jed beschreibt, wie dankbar er ist, einen Frontman wie Vlado an seiner Seite zu haben, der ohne große Anstrengung eine gewisse Rockstar-Energy vermittelt:

„Wir als Band sind echt dankbar, einen Frontmann zu haben, der so beliebt ist, denn das ist genau das, was man braucht. Der Frontmann ist immer der Kapitän des Schiffes. Und als Bandmitglieder wissen wir alle, wo unser Platz ist. Das heißt nicht, dass einer besser ist als der andere, aber so wie Bands funktionieren müssen, muss der Frontmann der Rockstar sein. Er muss im Mittelpunkt stehen. Wir versuchen im Grunde genommen nicht, uns vor ihn zu drängen, sondern stehen hinter ihm und pushen ihn, damit er der beste Frontmann ist, der er sein kann.“

@melroseavenue_ Oh hellllll no…….. (who else is like this) #fyp #explorepage✨ #mytype #attraction #publicreaction #noway #rizz ♬ Inside Your Mind – Melrose Avenue

Zudem würde Vlado ihnen die Möglichkeit einer Plattform geben, auf der sie zeigen dürfen, wer sie sind und wozu sie im Stande sind, ergänzt Shawn. Dass Gefühl, dass es den Fans nur um den ehemaligen X-Factor-Finalisten gehen würde, haben sie dabei nicht.

„Was die Fans angeht, fühlt es sich echt persönlich an, weil sie zu mir kommen und sogar meiner Freundin Geschenke geben. Sie kennen uns alle viel besser, als ich es jemals erwartet hätte“, sagt Jed.

Und dass es den Fans am Ende des Tages vor allem um die Musik geht, merken sie spätestens, wenn Hunderte von ihnen, die nicht einmal ihre Sprache sprechen, die Songs aus vollem Halse mitsingen.

Das Ziel ist es, aus jedem Song das Beste rauszuholen

Apropos Musik: Mit dieser haben uns Melrose Avenue vor Kurzem erst wieder versorgt. Der Track „This is the End“ zeigt eine neue, vulnerablere Facette der vierköpfigen Gruppe. Auch diese Seite mal zu vorzustellen, war der Band sehr wichtig.

„Wir lieben es, als Band in Bewegung zu bleiben. Und ich denke, auch wenn wir noch nicht da sind, wollen wir, wenn es um ein größeres Gesamtwerk geht, das als eine Reise sehen“, erzählt Jed.

Auch wenn ihre anderen Lieder in gewissem Maße eine Story verfolgen, wollten sie dies bei „This is the End“ noch einmal mehr zum Vorschein bringen.

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Zudem wollen sie jeden Song zu seinem vollen Potential bringen – auch wenn das bedeutet, Gitarren und Drums mal ein bisschen ruhiger werden zu lassen.

Shawn berichtet: „Als Vlado uns den Track zeigte und nur er mit seiner Akustikgitarre da saß, hatte das was – und ich meine das echt positiv. Es war sehr aufwühlend und herzergreifend und es fühlte sich einfach richtig an. Besonders am Ende des Songs, wo ich mit unserem Produzenten Eric Emery gesprochen habe, war nur Vlados Gesang mit dieser Gitarre zu hören, und ich dachte mir, man könnte sie in eine Art Höhlenklang einbauen. Und irgendwie hat das den Sound so viel näher an das gebracht, was wir im Kopf hatten.“

Nicht nur sie sind glücklich mit dem Track, sondern nach der Reaktion zu schließen auch ihre Fans. Es fühlt sich für Shawn und Jed befreiend an, selbst persönliche Emotionen in ihrer Musik zum Ausdruck bringen zu können.

„Wir haben echt Glück als Musiker, dass wir unsere Gefühle auf der Bühne rauslassen können und die Leute das genießen und drauf reagieren. 99 % der Leute können das nicht. Sie erleben den gleichen Herzschmerz, müssen aber damit fertig werden, meistens ganz allein. Hoffentlich haben sie Freunde und Familie um sich herum. Aber wir haben diese tolle Chance, verschiedene Phasen in unserem Leben zu durchlaufen und die Leute direkt vor unseren Augen daran teilhaben zu lassen. Ich denke also, je ehrlicher wir sein können, desto besser ist es, weil wir die Möglichkeit haben, bestimmte Dinge viel leichter zu verarbeiten als andere Menschen“, findet Jed.

Auf die Frage, ob wir bald auch ein Album erwarten können, reagieren beide zögerlich. Bis dato hat die Band nämlich nur Singles und EPs veröffentlicht. Eine Weile wird es wohl auch noch so bleiben, wie Jed durchblicken lässt:

„Die Gespräche kommen auf, aber das ist momentan nicht unser Fokus. Ich denke, wir müssen den Leuten noch ein paar weitere Geschmacksrichtungen zeigen, bevor wir ihnen das ganze Rezept verraten. Wir entwickeln uns als Band mit unserem Sound also noch weiter, und ich denke, sobald wir noch mehr Songs mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen veröffentlicht haben, können wir entscheiden, dass wir bereit sind, ein Gesamtwerk zusammenzustellen.“

Deutsche Fans sind „die lautesten“

Um den Menschen zu zeigen, wer sie sind, haben sie jetzt noch mehr als genug Möglichkeiten. Nach der Europa-Tour geht es direkt weiter nach Amerika und auch Festivals sind für den Sommer 2026 geplant. Ob wir in den Genuss ein paar neuer Tourtermine in Deutschland kommen?

„Wenn wir diese besonderen Gelegenheiten bekommen, dann organisieren wir normalerweise Touren drumherum, wodurch wir hierherkommen können“, so Jed.

So oder so, sie werden oft hierher zurückkommen, da ist Shawn sich sicher. Denn nach ihrer bis jetzt schönste Erinnerung hierzulande gefragt, müssen beide nicht lange zögern. So erzählt Jed:

„Ich würde sagen, auf der Bühne haben wir hier bisher die besten Momente als Band erlebt. Die Fans sind so laut, ich hab gemerkt, dass sie die lautesten sind, die ich je in meinem Leben gehört hab. Die Reaktion auf die Songs fühlt sich an, als gäbe es einfach diese neue Ebene von Konzerten. Für mich jedenfalls, im Vergleich zu allem anderen.“

Wir freuen uns auf jeden Fall, zukünftig mehr von Melrose Avenue zu hören und zu sehen – und vielleicht bekommen Fans, die auf der vergangenen Tour keine Tickets ergattern konnten, noch dieses Jahr die Gelegenheit dazu.

Foto: Melrose Avenue / Offizielles Pressebild

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