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Evanescence: Ein Rückblick auf das monumentale Debüt-Album „Fallen“
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Feature

Evanescence: Ein Rückblick auf das monumentale Debüt-Album „Fallen“

Zum 20-jährigen Jubiläum wagen wir einen Blick zurück.

Maik Krause/11. Nov. 2023· Aktualisiert 2. April/5 Min.Foto: Evanescence / Offizielles Artwork zu "Fallen"
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Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.


Es hätte auch anders kommen können: Mit “Bring Me To Life” spielten sich Evanescence 2003 ins Radio und Musikfernsehen weltweit und legten damit den Grundstein für eine steile Karriere. Bis heute, 20 Jahre nach dem Erscheinen, zählt die zugehörige Platte “Fallen” zu den meistverkauften Alben des Jahrtausends. Doch der Weg dahin war durchaus kompliziert.

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„A chick and a piano? Are you kidding? On rock radio?“ soll damals ein Radio-Programmverantwortlicher gesagt haben, als man ihm “Bring Me To Life” pitchen wollte. Dass dieser Unrecht behalten sollte, zeigte der Erfolg, den Evanescence noch im selben Jahr feiern sollten.

Und das, obwohl oder vielleicht gerade weil sie sich in vielerlei Hinsicht von dem abhoben, was 2003 an (Nu) Metal bei MTV lief. Keine Rap-Parts wie Linkin Park und Limp Bizkit, griffiger als System Of A Down und auch weniger wütend als Slipknot und Korn.

Dafür mit einer spannenden Symbiose aus orchestralen Elementen und, eine Seltenheit Anfang der 2000er, einer weiblichen Stimme über einen Sound, der früh in die Nu Metal-Schublade gesteckt, aber eher als Alternative Metal mit einem Hang zum Goth bezeichnet werden konnte. Das brachte eine ganz neue Note in den überwiegend männlich geprägten Rock und Metal der damaligen Zeit, aber auch eine Alternative zu den teils stark sexualisierten Pop-Künstlerinnen wie Britney Spears und Christina Aguilera.

Evanescence: Der schwierige Entstehungsprozess von „Fallen“

Das (damalige) Duo hinter Evanescence, Amy Lee und Ben Moody, lernte sich 1994 in einem christlichen Jugendcamp kennen und beschloss, gemeinsame Sache zu machen. Schon damals hatte Lee die Vision für den Sound, für den die Band später bekannt wurde. Es fehlten allerdings die Mittel und Wege, sodass man sich mit einem Mehrspurrekorder und Pro Tools behelfen musste, damit aber schnell an die Grenzen geriet.

Jahre später gelangen die beiden an das Label Wind-up, deren Head of A&R Diana Meltzer unter anderem die Demo zu “My Immortal” hörte und sich sicher war, einen Hit an der Hand zu haben. 2001 unterschrieben Evanescence beim Label, das sie im Anschluss für zwei Jahre von ihrer Heimatstadt Little Rock, Arkansas nach Los Angeles, Kalifornien umzog, damit die Band “ungestört” an ihrem Material arbeiten konnte, was Lee und Moody allerdings auf Dauer frustrieren sollte. Als die Plattenfirma eine männliche Zweitstimme für die Band forderte, drohte der Deal zu platzen, denn Lee und Moody ließen sich nicht erpressen und verließen letztendlich sogar L.A..

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Obwohl zunächst angedroht, knickte das Label doch ein und entschied sich “Fallen” doch zu veröffentlichen, aber nur unter der Bedingung, dass es ein Feature in “Bring Me To Life” geben würde – mit einem männlichen Rapper. Widerwillig stimmten Evanescence zu und beugten sich damit dem Schicksal, dass man sie nun als Nu Metal-Band abstempeln würde, denn der Song inklusive Rap-Part von 12 Stones-Sänger Paul McCoy wurde schnell zum Hit und fügte sich noch am ehesten in den damalig vorherrschenden Crossover-Sound ein. Dies hatte allerdings auch zur Folge, dass viele McCoy als Mitglied von Evanescence wahrnahmen – zum Unmut von Amy Lee.

Große Konflikte zwischen Amy Lee und Ben Moody

Auch das fälschlicherweise als christliche Band angepriesene Image, um den zugehörigen Markt anzugreifen, stieß der Sängerin auf, denn sie wollte sich weder missverstanden fühlen, noch Leuten ein “Produkt unterjubeln”, das mit diesem Gedanken gar nicht geschrieben wurde. Insgesamt war der Entstehungsprozess von “Fallen” kein einfacher für das Duo, da es auch intern zu vielen Konflikten kam, die später zum Ausstieg von Moody führen sollte – während der Europa-Tour im Herbst 2003 mit Korn.

Lee und Moody, die zeitweise auch ein Paar gewesen waren, hatten sich über die Jahre zu reinen Geschäftspartner:innen entwickelt. Moody soll Lee sogar misshandelt haben, was sie zunächst unbewusst auf dem Album in Songs wie im Opener “Going Under” verarbeitete. Als Moody dann die Band verließ, sei dies eine regelrechte Befreiung für Lee und ihre Bandkollegen gewesen.

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Obwohl es hinter den Kulissen rumpelte, wurde “Fallen” ein weltweiter Erfolg und landete in diversen Ländern auf Platz 1 der jeweiligen Album-Charts. Bis heute verkaufte sich die Platte mehr als 17 Millionen Mal und zählt damit zu den meistverkauften Alben des 21. Jahrhunderts. Das sicherlich auch Dank “Bring Me To Life” und “My Immortal”, die beide zunächst auf dem Soundtrack zu “Daredevil” mit Ben Affleck und Jennifer Garner zu finden waren (u.a. mit Seether, Nickelback, Chevelle, Boysetsfire u.v.m.) und später neben “Going Under” und “Everybody’s Fool” als Singles veröffentlicht wurden. 2004 erhielten Evanescence den Grammy für Best Hard Rock Performance und Best New Artist und wurden sogar als Headliner für Rock am Ring und Rock im Park verpflichtet. Den Slot gaben sie allerdings freiwillig an Korn weiter.

20-jähriges Jubiläum von „Fallen“

Es gibt viele Beispiele für One Hit Wonder in der Musikgeschichte und es hätte durchaus die Chance gegeben, dass auch Evanescence in diese Kategorie gefallen wären. Falsches Marketing, das Anbiedern an den Nu Metal bei “Bring Me To Life” und eine damit einhergehende Verwirrung um den eigentlichen Sound der Band. Dass Amy Lee und Co. aber keine Eintagsfliegen sein würden, bewiesen sie mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen Nachfolger “The Open Door” (2006), das ebenfalls an die Spitze der Charts klettern sollte.

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Doch ein Blick auf die Streaming-Zahlen genügt, um die anhaltende Strahlkraft ihres Debüt-Albums zu verstehen. Zum 20-jährigen Jubiläum erscheint nun eine remasterte Deluxe-Variante des Albums inklusive Bonus-Material auf wahlweise 2 CDs, 2 LPs und auch digital. In ihrem handgeschriebenen Vorwort, das den physischen Re-Releases beiliegen wird, sagt Amy Lee: „Fallen war der Soundtrack zu ersten Lieben, epischem Herzschmerz, Selbstverwirklichung, Hochzeitstagen, letzten Abschieden, Freundschaften und zahllosen anderen Momenten in so vielen Leben … ganz zu schweigen von meinem eigenen. Ich bin für immer bescheiden und dankbar, ein Teil davon zu sein.“ Nicht wenige von uns werden sich in den Worten beim Gedanken an das Album sicherlich wiederfinden.

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Bild: Evanescence / Offizielles Artwork zu „Fallen“

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