Review

EmoPost-HardcoreProgressive

Kritik: Capstan - "Separate"

Nach „Relestless Heart, Keep Running“ dürfen wir endlich das nächste Album von Capstan zelebrieren. Es ist die zweite Platte, die ...

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Nach „Relestless Heart, Keep Running“ dürfen wir endlich das nächste Album von Capstan zelebrieren. Es ist die zweite Platte, die die Jungs aus Florida präsentieren. Das Album erscheint am 23. Juli 2021 bei Fearless Records.

Inzwischen kann die fünfköpfige Band mehr als 20 Millionen Streams verzeichnen und von sich behaupten, sich als Progressive Post-Hardcore-Band in der Szene etabliert zu haben. Doch was erwartet uns im zweiten Album von Capstan? „Separate“ heißt das Stück und soll laut der Band dafür stehen, dass es heißt, sich auf die Zukunft zu konzentrieren, sobald man sich von der Vergangenheit löst. Wie kommen sie zu so einer Botschaft?

„The whole journey to the record is personal to us and people who are going through similar circumstances“, erklärt Bassist und Sänger Andrew „Boz“ Bozymowski. „We’re also separating from the last era of the band and making strides forward. We’re growing and reaching higher highs, while maintaining the core of Capstan. We took every necessary step to find who we are.“

Teil dieses Selbstfindungsprozesses ist also das neue Album. Doch wie haben die Musiker um Sänger Anthony DeMario das umgesetzt? Ganze zehn Songs enthält das zweite Album der Band, wovon drei mit anderen Künstlern aufgenommen wurden.

Capstan liefern zehn Songs – tausend Emtotionen

Eröffnet wir „Separate“ mit „Pretext“. Schon mit den ersten Tönen zeigen die Jungs, was sie instrumentalisch draufhaben und bringen die Saiten und Drums in gewohnter Posthardcore-Manier zum Glühen. Direkt zum Einstieg konfrontieren sie mit klaren Ansagen.

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“The whole idea was to make a record with no filler, all bangers“, stellt Gitarrist Joe Marby klar. “We used the time to make a much better body of work. It’s the first time we’ve ever cut almost as many songs as we ended up with. I was going through a lot of emotional shit. I had recently gotten divorced, so a lot of the songs are about the severe depression I experienced during this time during COVID-19. I think the results turned out to be pretty special.”

Weiter geht die musikalische Selbstfindung mit „Shades of Us“. Den Song durften sich Fans bereits vor dem Albumrelease als Single anhören. Er überzeugt mit einem ordentlichen Bass und einer melodischen Hook. Auch hier wird nicht mit den Screams gegeizt.

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Single mit Ohrwurmcharakter

„Take me breath away // noose“ wurde auch im Vorfeld veröffentlicht. Eine klare Bassiline zieht sich durch den gesamten Song und wird von eingängigen, melodischen Strophen begleitet, die fast schon Ohrwurmcharakter haben. Der Refrain setzt sich wie folgt zusammen:

„I said I love you, love you, but that was a lie
Drove a knife in your spine
You put one right back in mine
We cut so deep then we mend
Yeah baby let’s not pretend
I want to watch you eat my fucking heart again“

Große Vorbilder des Genres

Für „alone“ haben sich sich Anthony & Co. keinen Geringeren als Shane Told (Silverstein) ans Mikro geholt. Boz bezeichnete dies stolz als Moment, in dem sich ein Kreis schließt, denn schon immer waren die Bandmitglieder Fans von Silverstein. „Our sixteen-year-old selves would be shitting their pants“, witzelt Joe. Mit diesem Feature haben sich Capstan nicht nur auf eine echte musikalische Größe auf ihr Album geholt, sie machen auch deutlich, dass sie im Metalcore beheimtatet sind und mindestens so viel Anerkennung wie Silverstein, Amity Affliction oder andere Bands des Genres verdient haben.

Ganz andere Töne werden im Song „“blurred around the edges“ angeschalgen. 2It’s extremely introspective“, sagt der Frontmann. „We all go through the same things. We’re creating this music, because we want you to find solace in it—just like we did through our hardships.“ Saxophonspieler Saxl Rose lädt die Hörer mit sanften Klängen zu einer ruhigen Nummer des Albums ein. Die kleine Verschnaufspause der Platte transportiert Emotionen pur und beweist, dass Core auch hervorragend mit klassischen Instrumenten harmoniert.

Zurück in die Szene geht es mit hochkarätigem Core, der am Ende des Songs einsetzt und eine perfekte Überleitung für „Tongue Bitter“ darstellt. Das ist ein Song, der mit kräftigen Drums und einem ausgeglichenem Mix aus cleanen Vocals und Screams gut weggehört werden kann.

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Das nächste Brett von „Seperate“ ist „Abandon“ – ein Track mit wuchtiger Fuck-You-Metalität, der einen echten Ausreißer darstellt. „It’s an outlier“, fügt Joe hinzu. „It’s the only song that’s a classic ‘fuck you’ about someone shitty I knew who really took advantage of me and treated me poorly.“

Auch „Shattered Glass“ ist ein schneller Song, dessen cleane Vocals im Kopf bleiben. Zeilen wie „Break myself down but there`s nothing inside“ oder „Deal with the hate I feel“ bleiben im Kopf. Ein kurzes Gitarrensolo rundet den Song ab.

Doppelt hält besser: Zweistimmiger Song

Nochmal so richtig kuschlig wird es mit „Sway“. Eingeleitet mit einem sanften Gitarrenintro im Singer-Songwriter-Style konzentriert sich alles auf die Lyrics von Anthony, bis sich schließlich die zarte Stimme von Charlene Joan dazugesellt. Dieser Song ist ruhig – bis Anthony mit einem „Eternity“ eine neue Phase einleitet und es heißt „Gravity tears us apart“. Zweistimmige Vocals braucht dieser Song, um die Emotionen zu verstärken, die die Lyrics bereits transportieren. Obwohl solche ruhigeren Töne zunächst ungewohnt scheinen, integrieren sie sich gut in das Gesamtkonzept der Platte.

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Dass Capstan allerdings im Post-Hardcore zuhause sind, beweisen sie erneut mit „Decline“ – dem finalen Song des zweiten Albums der Band. Hier treffen harte Riffs auf Screams und cleane Strophen. „I know it`s better, but I think it gets worse“ heißt es in diesem Track, der ordentlich Spannung abbaut. Ein kurzer Breakdown und ein darauf folgendes „Blegh“ machen „Decline“ zum krönenden Abschluss von „Separate“.

We feel like there’s a little bit of something for everyone on this record“, fasst Boz zusammen. „We hope these choruses get stuck in everyone’s heads. However, it’s also less linear. We sat down as a group and decided to take the next step to actually become your new favorite band.“

Foto: Dieter Unrath / Offizielles Pressebild

ALBUM
Separate
Künstler: Capstan

Erscheinungsdatum: 23.07.2021
Genre: , ,
Label: Fearless Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. pretext
  2. shades of us
  3. take my breath away // noose
  4. alone (feat. Shane Told)
  5. blurred around the edges (feat. Saxl Rose)
  6. tongue-biter
  7. abandon
  8. shattered glass
  9. sway (feat. Charlene Joan)
  10. decline
Capstan Separate
Capstan Separate
9
FAZIT
Letztendlich ist "Separate" ein selbstbewusster Sprung nach vorne und ein Level nach oben für Capstan. Tatsächlich ist auf diesem Album für jeden etwas dabei. Ob klassische Post-Hardcore-Tracks wie „Pretext“ oder „Shattered Glass“, ruhigere Songs wie „Sway“ oder „Blurred Around the Edges“ oder härtere Tracks wie „Decline“, „Abandon“ oder „Alone“ - Capstan haben auf ihrer musikalischen Reise zur Selbstfindung bewiesen, dass sie vor allem extrem vielfältig sind, ihre Wurzeln aber klar im Post-Hardcore liegen.

“Growing up, music was always there for us during our hardest times,” macht Gitarrist Harrison klar. “While these songs may seem dark, it helps to connect with someone going through the same things. That’s what we want people to take away from this.” Wer sich dieses Album anhört, wird sicher den ein oder anderen Song als Balsam für die Seele empfinden. Das Vorhaben ist geglückt!
/morecorede
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