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Interview

NOFX-Fronter Fat Mike: „Was der Plan war? Ich wollte im 40. Bandjahr aufhören und ich freue mich darauf“

Der Sänger im Interview zu Telepromptern, Rock am Ring und die letzte Tour.

VON AM 04/12/2022

Wenn es um die Geschichte des Punks geht, dann nehmen NOFX und Fat Mike eine wichtige Rolle ein, die über das rein Musikalische weit hinausgeht. Kein Wunder, dass die beiläufige Ankündigung des Endes der Band nach 40 Jahren Bestehen für ordentlich Wirbel gesorgt hatte. Da gerät der Release der neuen Platte “Double Album” fast in den Hintergrund.

NOFX-Frontmann Fat Mike im Interview

Fat Mike scheint eine lange Nacht oder wahlweise sehr wenig Schlaf hinter sich zu haben, als er zum digitalen Interview erscheint. Er liegt sichtlich müde in seinem Bett, den Laptop neben sich positioniert, die Hände gefaltet, um sich den Fragen zu stellen. Es ist nicht unbedingt das Bild, das man von einem Mann erwartet, der sein Leben lang nur das Gaspedal kennt und so ziemlich jede Seite des Business aktiv mitgestaltet hat. Als Musiker auf der Bühne, als Chef des Punk Rock Labels Fat Wreck Chords oder auch als Veranstalter des Punk in Drublic Festivals. Vielleicht ist es aber eben auch das ungeschönte Gesicht eines Mannes, der nach 40 Jahren beschlossen hat, dass er eine Veränderung braucht.

„Ich habe es satt vor einer Show so viel zu trinken, um eine gute Zeit zu haben.”

“Was der Plan war? Ich wollte im 40. Bandjahr aufhören und ich freue mich darauf”, erklärt Fat Mike, der eigentlich Michael John Burkett heißt. Seinen Spitznamen bekam er zu College Zeiten, nachdem er etwas an Gewicht zugenommen hatte, obwohl er auch dort noch weit weg davon war “fat” zu sein. Ein Gag eben und einer von vielen, die die Band in ihrer Biografie “NOFX: The Hepatitis Bathtub and Other Stories” 2016 beschrieb.

Doch auch die weniger spaßigen Seiten, wie den Drogenkonsum einzelner Mitglieder, sind in dem Buch dokumentiert. Es verwundert daher nicht, dass die vergangenen vier Jahrzehnte sehr kräftezehrend gewesen sein müssen und es einfach nicht mehr so viel Spaß mache, wie Mike beschreibt. Wer daran wie viel Anteil hat, darüber kann natürlich diskutiert werden.

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Ein ordentlicher Abgang scheint Fat Mike dennoch besonders wichtig zu sein. So seien die Shows in Vancouver und Edmonton sehr gut gewesen, auch, weil sich jeder stark darum gekümmert habe, dass die Fans nicht enttäuscht würden. “Es fühlt sich gut an. Ich freue mich sehr auf die letzten Shows, weil es sich nicht nach Arbeit anfühlt”, erklärt Mike und lässt damit auch tief blicken. Nach 39 Jahren sei diese Unbeschwertheit nicht mehr vorhanden, was eben auch zu Problemen führt: “Ich habe es satt, vor einer Show so viel zu trinken, um eine gute Zeit zu haben.”

Mit Teleprompter auf der Bühne

Dennoch können sich Fans auf ein ordentliches Programm freuen, wenn NOFX bis 2024 noch eine ganze Reihe Shows und dabei jedes Album spielen werden. Insgesamt seien pro Abend 40 Songs geplant, in manchen Städten auch an zwei Abenden hintereinander, sodass die Band pro Tourstopp 80 verschiedene Songs auf der Setlist stehen hat. Hierfür würden sie sich aber immer eine Woche vorher Zeit nehmen, um die Songs vernünftig zu proben. Dies würde allerdings nicht verhindern, dass man sich gewisser Hilfsmittel wie Teleprompter auf der Bühne bedienen müsse. “Mein Gedächtnis ist einfach nicht mehr so gut. Ich verliere es und ich kann mich nicht mal an die Songs erinnern, die ich kenne”, gibt Fat Mike schmunzelnd zu.

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Mit “Double Album”, dem Nachfolger zu “Single Album” (2021), fügen NOFX der Liste zu spielender Songs auf ihrer Tour weitere zehn hinzu. Einer davon sorgte zuletzt für eine große Kontroverse: “Punk Rock Cliché”, den Fat Mike mit Matt Skiba 2016 ursprünglich für blink-182 geschrieben hatte. Waren diese anfangs von dem Song begeistert, verwarfen sie den Plan die Single zu veröffentlichen, nachdem sie erfuhren, dass Fat Mike involviert war. Seither besteht Funkstille zwischen den Parteien, was NOFX nicht davon abhält, die Story für die eigene Promo zu nutzen, nachdem es “Punk Rock Cliché” eben auf das eigene neue Album geschafft hatte.

Matt Skiba, der mittlerweile nicht mehr Teil von blink-182 ist, besitzt Credits an dem Song, was zumindest einer Alkaline Trio-Version nicht im Wege stehen würde: “Das ist eine gute Idee”, lacht Mike.

Eröffnung des weltgrößten Punk Rock Museums in Las Vegas

Langweilig dürfte es Fat Mike auch nach NOFX nicht werden. Neben verschiedenen Musikprojekten steht im Januar 2023 auch die Eröffnung des Punk Rock Museums in Las Vegas an, das Mike in Kooperation mit Pat Smear (Germs, Nirvana), Brett Gurewitz (Bad Religion), Kevin Lyman (Warped Tour), Tony Hawk und weiteren Leuten aus der Szene aus dem Boden gestampft hat. Darin zu sehen sind fünf Jahrzehnte der Punk Rock Geschichte mit allerlei Original-Instrumenten, die vor Ort auch gespielt werden können, wie die Amps und Instrumente von Bands wie Sick Of It All, Rise Against oder Pennywise. Geht mal etwas kaputt, wird es eben repariert. 

 

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Eines seiner Lieblingsteile aus den zahlreichen Sammlerstücken sei Henry Rollins’ Shirt, das dieser auf der ersten Black Flag Show in die Menge warf oder eine Postkarte von Dave Grohl, die er einer Band schrieb, als er 15 war. Um die Experience abzurunden, könne man aus verschiedenen “Tour-Guides” wählen, die jeweils sicherlich haufenweise Geschichten zu erzählen haben – darunter Roger Miret (Agnostic Front), Glen Matlock (Sex Pistols), Casey Royer (Adolescents), Don Bolles (The Germs), Louiche Mayorga (Suicidal Tendencies), Brendan Kelly (The Lawrence Arms) oder eben Fat Mike selbst. Und obwohl ihm die Historie sehr am Herzen zu liegen scheint, so reize ihn der gegenwärtige Pop Punk Hype um Artists wie Machine Gun Kelly so gar nicht: “Für mich klingt das alles gleich. Ich kenne die Leute, die das produzieren und ich habe auch schon mit ihnen zusammengearbeitet. Es sind alles dieselben Akkordfolgen.” 

Hiesige Fans werden sich wohl noch etwas gedulden müssen, wenn sie NOFX noch einmal live sehen wollen, denn abseits der Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park wird es wohl erst 2024 soweit sein, dass die Band sich hier wieder blicken lässt. Allerdings stellt Mike klar, dass er gar keine Lust auf die beiden Festival-Shows hat, obwohl es das Debüt der Band dort sein wird. “Die Shows zählen für mich nicht, da sie etwa nur eine Stunde lang sein werden. Ich will vielmehr unsere eigenen Konzerte spielen. Ich mag diese großen Festivals gar nicht”, stellt er klar.

 

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Foto: Susan Moss / Offizielles Pressebild

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