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AlternativeEmo

Live bei: Turnover & Shybits in Köln (04.03.2020)

Turnover bitten zum Tanz.

VON AM 10/03/2020

Kehrwoche in Köln. Quasi. Nachdem am 03. März Turnstile für ordentlich Alarm im Gebäude 9 sorgten, geht’s nur einen Tag später bei Turnover vermutlich etwas entspannter zu. Mit ihrem aktuellen Album „All Together“ macht das Trio, bestehend aus Keyboarder Austin Getz, dessen Bruder Casey Getz am Schlagzeug sowie Bassist Danny Dempsey, ergänzt um die Tourgitarristen Nick Rayfield und einen namentlich nirgends genannten zweiten Rhythmusgitarristen, unweit der Kölner Messe Halt.

Turnover kehren zurück ins Gebäude 9

Zuletzt war die Band aus Virginia Beach 2016 bereits in selbiger Location und 2017 in Köln im Blue Shell zu Gast, das gerade mal Platz für 200 Gäste bietet. Zurück in alter Wirkungsstätte, das nach umfangreicher Renovierung in neuem Glanz erscheint, konnten heute mehr als das Doppelte an Gästen den feinen Klängen der Band lauschen. Am Merch-Stand der Band wird ein „Weed?!“-Schild später ein logischer Spiegel der entspannten Stimmung des Abends sein.

Shybits eröffnen die Show

Nachdem sich die (neuen) Türen der Venue zeitig um kurz nach 19:30 Uhr öffnen, geht’s wie üblich erst einmal ins Foyer der Halle, um vorab die Merchandise-Artikel zu begutachten und sich ein Kaltgetränk zu besorgen. Neben auffallend bunten Motiven auf den Shirts des Headliners gibt es für den geneigten Vinyl-Sammler auch ausreichend der begehrten Scheiben, ebenfalls in farbigen Editionen.

Kurz nach 20:00 werden die ersten Konzertbesucher dann in die Haupthalle gelassen und die Anzahl derer ist noch überschaubar. Ob sich einige noch die Wunden vom Vorabend lecken mögen? Der Support Shybits betritt um 20:30 Uhr die Bühne und begrüßt die vielleicht bis dato 60 bis 80 Anwesenden mit einem schüchternen „Hi„. Der Name ist also Programm. Das Trio aus Berlin, das seinen Stil als „wonky-oddball-surf-pop“ (Quelle: Facebook) beschreibt, besteht aus dem Gitarristen und Sänger Liam aus Brighton, Piero aus Italien am Bass und zuständig für den Backgroundgesang sowie Meg aus Südafrika am Schlagzeug.

Shybits

Shybits

Fotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

Der Funke will nicht ganz überspringen

Die recht simplen Powerchord-Songs der Drei, die rhythmisch von klassischen Drumpatterns mit auffällig wenig Drumfills untermauert werden, frönen frühen Garage-Tagen und spiegeln darüber hinaus auch Post Punk-Elemente wider. Mich erinnert ihr Sound ein wenig an die 90er Indie Rock-Koryphäen Pavement, oder die aktuell durch die Clubs getriebenen Muncie Girls, die einige der Gäste sicher von ihrem Supportslot der Basement-Show in der Kölner Kantine kennen werden. Neben überwiegend durch Gesang begleitete Songs, die mal aus vokalen Lauten bestehen können oder echte Inhalte wiedergeben, wird auch mindestens ein Instrumental-Song zum Besten gegeben.

Fotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

Auch wenn das Publikum der zurückhaltenden Show des Openers mit Respekt zu begegnen scheint, springt der Funke nicht ganz über. Spätestens, als Liam ins Publikum prostet und nur eine Reaktion erhält, wird dies‘ recht deutlich. Spaß scheinen Shybits dennoch zu haben und neben zustimmendem Nicken bewegen einige der Gäste auch beschwingt ihre Hüfte. Shybits nehmen’s mit Humor. So witzeln sie kurz vor dem Ende noch „We’ve got a few more left for you. Or do you want us to leave? We’ve got 15 more songs. They’re all one minute.“. Damit liegen sie gar nicht so falsch, denn manche Nummern haben eher Interlude-Charakter oder wirken wie Fragmente, die eigentlich Teile eines größeren Songs hätten sein sollen. Man bedankt sich noch beim Headliner dafür, dass sie die Tour mitspielen können und würdigen ihr musikalisches Können. Ca. 45 Min. später machen Shybits dann Platz für Turnover.

Shybits

ShybitsFotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

So klingt das Ganze dann:

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Turnover drehen den Abend

Nach guten 15 Minuten Umbaupause beziehen Turnover ihre Plätze auf der Bühne. Durch den fehlenden Presse- und Sicherheitsgraben kann man den Herrschaften quasi die Hand schütteln – und muss sich speziell bei Sänger Austin gar nicht mal lang machen. Dieser hat nämlich sein Keyboard mittig auf der Bühne verkabelt und sitzt entspannt beinahe auf Augenhöhe der Gäste vor dem Mikro. Und persönlich bin ich immens überrascht, wie das doch recht physisch solide Auftreten des Frontmanns zum zerbrechlichen Gesang passt. Man soll Menschen ja nunmal nicht nach ihrem Äußeren bewerten und das hier ist heute Abend ein ziemlich gutes Beispiel für die Richtigkeit der Aussage.

Direkt bei den ersten Takten des Quintetts merkt man, dass uns hier eine ganz andere musikalische Liga erwartet. So unaufgeregt die Turnover-Songs hier und da auch klingen mögen, so musikalisch versiert werden sie dargeboten. Hier sitzt jede Note und jeder (An)Schlag. Was mit leichtem Fußwippen und Kopfnicken im Publikum anfangs beginnt, entwickelt sich zu zufriedenem Schunkeln und leichten Tanzbewegungen im Publikumsbereich.

Turnover

Fotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

Lächelnde Gesichter allerorts auch ohne Kalauer

Turnover treten ähnlich wortkarg wie der Supportact auf, wissen aber dennoch durch Sympathie zu überzeugen. „I think tonight was the best show we ever played here.„, lobt Sänger Austin die Menge, die mittlerweile die gesamte Halle einnimmt und den Eindruck vermittelt, als seien auch die letzten Tickets an der Abendkasse noch über den Tresen gewandert. Auch werden Corona-Witze oder weitere Gags an diesem Abend ausgespart, was dem Auftreten der Band im Allgemeinen einen lakonischen, reservierten und beinahe ernsten Charakter verleiht.

Die Band schöpft nahezu ihr volles Album-Repertoire aus, wobei das 2013er Album „Magnolia“ – wenn ich mich nicht täusche – nicht berücksichtigt wird, was einfach am stilistischen Wechsel Turnovers vom Pop-Punk-ähnlichen Emo zum Indie/Dream-Pop liegen könnte. Generell kommen Songs des grandiosen Turnover-Albums „Periphal Vision“ (noch) besser an, als die des aktuellen Albums „All Together“. Bei „Dizzy On The Comedown“ singt auch gefühlt jeder zweite Gast in der Halle die Zeilen „And you ask me ‚How do you feel when you’re away?‘ | And you ask me ‚How do you pass the days?'“ mit und filmende Smartphones prägen das Bild während des Songs. Was für ein herrlicher Moment.

Turnover

Turnover

Fotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

Übernatürlich schöner Cabana Core

Mit den Worten „Thank you for dancing with us. The next one is a dancier one.“ kündigen Turnover „Sending Me Right Back“ an und das gut gemischte Publikum tanzt, das heute gefühlt zwischen 18 und 58 rangiert, bestehend aus modebewusstem Hipster mit bis zum Limit hochgerollter Strickmütze und fachmännisch mit der Schere gekürzter Karottenjeans hin zu unauffälligen Personen mit weniger komplexen Persönlichkeitsstatuten. Auch „Supernatural“ kommt erwartet gut an und scheint die Halle zu verzücken. Interessanterweise scheint einem Gast die Nummer nicht lebhaft genug zu klingen, weshalb er kurzerhand den eigentlich sensibel interpretierten Refrain im Stile der tags zuvor aufgetretenen Turnstile lautstark interpretiert. Vielleicht hat er sich auch bloß im Datum geirrt.

Nach einer guten Stunde dann verabschieden sich Turnover unter lautstarkem Applaus in die Nacht und ich bedanke mich bei einer musikalisch hochklassigen Band, die es geschafft hat, ein entspanntes, beschwingtes Underground-Konzert ohne Pop-Allüren abzuliefern, ohne unnötiges Rumgeschubse oder Gewaltexzesse im Publikum – einfach schöne unkommerzielle Fahrstuhlmusik oder wem das zu negativ klingt: Cabana Core.

Positiv und unabhängig von der Show sei auch noch der Sicherheitsangestellte am Eingang des Gebäudes zu erwähnen. Nicht nur, weil viel zu oft vergessen wird, dass ohne die Hilfe dieser Herren und Damen so einiges auf Konzerten schiefgehen kann, sondern auch weil ich mich über die leider eher seltene, sehr persönliche, freundliche und höfliche Unterhaltung wirklich gefreut habe. Dankeschön.

Turnover

Fotos im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist


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Beitragsfoto im Auftrag für MoreCore.de: Quinten Quist

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