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Grammy Awards: Die größte Nacht der Musik – auch für Rock und Metal?
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Kolumne

Grammy Awards: Die größte Nacht der Musik – auch für Rock und Metal?

Ein Kommentar über Mainstream-Denken, fehlende Genre-Kompetenz und systematische Ausgrenzung.

Helene Oelerich/6. Feb.· Aktualisiert 7. April/4 Min.Foto: Julia Strücker / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer
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Helene Oelerich


Anfang Februar richten sich alle Augen nach Los Angeles: Die Grammys werden verliehen – selbstbewusst beworben als die „größte Nacht der Musik“. Die Recording Academy verspricht, das Beste auszuzeichnen, was die Musikwelt zu bieten hat. Doch ein genauer Blick offenbart: Nicht alle Genres genießen die gleiche Aufmerksamkeit. Jazz, Country, Klassik, EDM oder Indie geraten oft ins Abseits. Auch Rock und Metal – seit Jahrzehnten Säulen der Musikgeschichte – werden oft nur am Rande beachtet. Und das, obwohl diese Genre über eine der loyalsten und aktivsten Fangemeinden verfügen.

Grammy: Ein Blick in die Geschichte

Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht, wie schwer es Rock und Metal lange hatten, um überhaupt von der Recording Academy ernst genommen zu werden. Erst bei der 31. Verleihung der Grammys 1989 wurde erstmals ein eigener Preis für den Bereich Metal und Hard Rock vergeben. Durch den damaligen massiven Aufschwung des Genres in den 1980er-Jahren nur ein konsequenter Schritt.

Wichtig und richtig, werden sich jetzt die meisten denken. Doch der Skandal ließ nicht lange auf sich warten. Nominiert waren damals folgende Acts und Songs:

  1. Blow Up Your Video – AC/DC
  2. Nothing’s Shocking – Jane’s Addiction
  3. …And Justice for All – Metallica
  4. Crest of a Knave – Jethrol Tull
  5. Cold Metal – Iggy Pop

Der Grammy ging damals ausgerechnet an Jethrol Tull – eine Band, die laut Fans und Journalist:innen nicht in den Bereich Hard Rock oder Heavy Metal gehörte. Für einen Musikpreis, der Genrekompetenz für sich beansprucht, war das ein ziemlich peinlicher Moment.

Im Folgejahr richtete die National Academy of Recording Arts and Sciences die beiden Kategorien Best Hard Rock Performance und Best Metal Performance ein, die seit den 32. Verleihungen 1990 getrennt vergeben werden, nachdem unter anderem das Billboard-Magazine massiv Kritik an der Verleihung ausübte.

Metal, Rock und Co. – alles dasselbe?

Gelernt haben die Grammys davon offensichtlich kaum etwas: Die Genre-Grenzen und verschiedenen Richtungen, die Musik so einzigartig und vielseitig machen, werden nach wie vor nicht ernst genommen oder schlichtweg ignoriert. So wurden in der Kategorie „Best Metal Performance” im Jahr 2023 neben Ozzy Osbourne, Megadeth und Ghost auch Turnstile und Muse nominiert. Bands, die man eher in die Genre Hardcore und Alternative-Rock einsortieren würde. Dieses Jahr, 2026, war es bei Turnstile übrigens wieder das Selbe.

Es scheint, als würden die Grammys ein Raster nutzen, das primär für Pop und Mainstream entworfen wurde. Was eine konstruktive Bewertung musikalischer Leistung nahezu unmöglich macht.

„Big four“ bleiben unerreichbar für alternative Musik

Wirkliche Anerkennung erfahren bei den Grammys fast nur die Acts, die für den Mainstream gut verdaulich sind. In den sogenannten „Big Four”: Album of the Year, Record of the Year, Song of the Year und Best New Artist tauchen Rock und Metal so gut wie nie auf. Selbst ikonische und international kommerziell erfolgreiche Bands wie Metallica, Iron Maiden oder Slipknot haben es bislang – wenn überhaupt – in die Nominierung geschafft.

Damit wird signalisiert: Wer wirklich nach ganz oben möchte, muss massentauglich sein. Musikalische Leistung, Innovationskraft und genreinterne Relevanz scheinen da grundlegend egal zu sein.

An diesem Punkt tut sich eine andere Frage auf…

Braucht man diese Art von Popkultur überhaupt?

Wenn musikalische Maßstäbe anscheinend so egal sind und es letztendlich nur um Kommerz und Mainstream geht – brauchen Rock und Metal diese Art von Popkultur? Die Antwort lautet: eher nicht. Rock, Metal und die verschiedenen Genre, die diese Szene mitbringt, haben schon immer ohne popkulturelle Auszeichnungen gelebt. Ausverkaufte Tourneen, riesige Festivals und eine treue Fanbase sprechen Bände.

Und mal ganz nebenbei: Rock und Metal sind Genres, die sich historisch bewusst gegen Popkultur, Kommerzialisierung und massentaugliche Ästhetik positionieren.

Fortschritt, aber bei weitem nicht genug

Fairerweise muss man aber festhalten, dass Rock und Metal inzwischen mehr Sichtbarkeit bekommen – durch eigene Kategorien, ebenso wie durch vereinzelte Bühnenauftritte.

Doch echte Wertschätzung fühlt sich anders an. Vielmehr wirkt es wie eine symbolische Abfertigung der Szene, nicht wie eine ernsthafte, konstruktive Auseinandersetzung mit musikalischer Leistung. Solange die „Big Four“ auch heute noch nahezu unerreichbar bleiben, bleibt Rock und Metal der Zugang zur höchsten Anerkennung verwehrt. Ob man dem Konstrukt „Grammy“ nun etwas abgewinnen kann oder nicht: Ein Award, der ganze Genres systematisch aus der Gesamtbewertung ausschließt, darf sich kaum als Maßstab für „die beste Musik“ bezeichnen.

Foto: Foto im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel / Foto im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer


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