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CrossoverNu-Metal

Kritik: Hacktivist - "Hyperdialect"

Beim aktuellen Zustand der Welt will man manchmal seinem Ärger Luft machen und seine Unzufriedenheit einfach nur hinausschreien. Hacktivist machen ...

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Beim aktuellen Zustand der Welt will man manchmal seinem Ärger Luft machen und seine Unzufriedenheit einfach nur hinausschreien. Hacktivist machen genau das und liefern uns mit ihrem neuen Album einen explosiven musikalischen Molotov-Cocktail.

„Hyperdialect“ wird am 18. Juni 2021 via UNFD veröffentlicht und beläuft sich auf insgesamt zwölf Titel. Es handelt sich um den zweiten Longplayer der Briten. Ihr Debut „Outside The Box“ veröffentlichten sie 2016.

Obwohl seitdem ganze fünf Jahre vergangen sind, hat sich die Wut der Band über manche Dinge wohl kaum gelegt. Sie haben ihren Ärger aus dem ersten Album aufgegriffen und wollen vor allem eines zeigen: Es ist Zeit, zu handeln – und zwar jetzt!

Frontmann Jot kommentiert „Hyperdialect“ wie folgt:

“Hacktivist identified all targets on the first album and that burning anger still stands. With this album we’re coming through and we’re attacking. We’re coming for politics, certain aspects of the music industry, the way society thinks and our ingrained ideas and stereotypes. The media, the system, politics, adverts… everything. Everything is being fired at.”

Wie das neue Album von Hacktivist klingt? Wir haben reingehört!

Das Album startet auch gleich mit seinem längsten Track „Anti Emcees“. Der ruhige Beginn, gefolgt von lauten, kräftigen Vocals überzeugt sofort und setzt gleich einen hohen Maßstab für den Rest des Albums. Dadurch gelingt der Band ein idealer Einstieg in die allgemeine Stimmung der Platte. Diese Stimmung greift auch „Luminosity“ umgehend auf zeigt einmal mehr, warum Hacktivist mit ihrem besonderen Stil immer wieder überzeugen.

Spätestens bei dem folgenden Song-Trio ist der Hörer dann vollkommen angekommen in der Atmosphäre des Albums. Von den beiden Anfangssongs weicht Titel Nr. 3 „Lifeform“ ein wenig ab, aber keinesfalls auf eine negative Art und Weise. Der Song sticht hervor und vor allem der ruhige, beinahe akustisch angehauchte Mittelpart bleibt im Gedächtnis. Dabei hat er aber trotzdem noch den unverkennbaren Stil der Briten und gehört auch gleich zu einem der besten der Platte.

Als nächstes folgt ein Feature mit Kid Bookie, den der ein oder andere sicherlich von seinem Titel „Stuck in My Ways“ mit Slipknot-Frontmann Corey Taylor wiedererkennen wird.

Bei dem Sound „Armoured Core“ handelt es sich um einen absoluten Hacktivist-Klassiker, der sich, obwohl er zwischen zwei der besten Songs auf „Hyperdialect“ platziert wurde, wohl kaum vor diesen verstecken muss. Laut, kräftig und lyrisch ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie bereits angedeutet, folgt mit „Turning Tables“ ein weiterer sehr guter Titel. Vor allem die extrem guten Rap-Parts fallen sofort auf und werden vor allem die Herzen von Fans dieser Seite von Hacktivist höherschlagen lassen. Der Song macht Spaß und reiht sich ebenfalls in die Liste der Toptracks des Albums ein.

„Currency“ bildet zusammen damit ein gutes Mittelfeld, kann aber nicht ganz mit dem Vorgänger-Trio mithalten. Aus persönlicher Sicht hat Titel Nr. 6 leider nur wenig Wiedererkennungswert. Hier wäre nochmal etwas mehr Abwechslung vom bisherigen Sound schön gewesen, damit ein eigentlich keinesfalls schlechter Song nicht untergeht.

„Hyperdialect“ als Titeltrack lässt diese kritischen Aspekte allerdings schnell vergessen. Erst letzte Woche hat die Band ihn uns stolz als Single-Release mit dazugehörigem Musikvideo präsentiert. Jot Maxi kommentierte den Song wie folgt: „This single is about trying to describe our signature sound and how we use it. […] But rather than brute force we use ‘Hyperdialect’ to strike back.“.

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Das ist Hacktivist hier sehr gut gelungen und der Song als Vertreter des Albumnamens hat diesen Titel auf jeden Fall verdient. Das Feature mit Aaron Matts (Ex-Betraying The Martyrs), der erst vor kurzem seine neue Band Ten56 vorstellte, macht extrem Stimmung und Stillhalten ist hier schwer bis unmöglich.

Gemeinsam mit dem nachfolgenden „Dogs of War“ wird die zweite Hälfte des Albums ideal eingeleitet und die beiden Titel in Kombination holen den Hörer direkt ab. Letzterer dürfte Fans bereits seit längerem bekannt sein, erschien das Video dazu bereits im August 2019.

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Mit „Ultima Dies“ bekommen wir nun mit knapp zwei Minuten den kürzesten Song des Albums zu hören. Die ruhige, gedämpfte Stimme fühlt sich hierbei für Hacktivist-Verhältnisse zwischendurch beinahe sanft an, bevor es wieder härter wird. Dies wirkt aber keinesfalls unpassend, im Gegenteil.

Die gewisse fehlende Härte zu Beginn tut der Albumstruktur sehr gut und ist eine angenehme Abwechslung, die die bisherigen Songs musikalisch nur begrenzt zugelassen hatten. Dadurch gelingt der Band ein gutes Einstimmen auf die finalen Lieder der Platte.

Ebenfalls bereits als Single mit Video bekannt, macht „Planet Zero“ den Anfang eines starken letzten Trios. Will man jemandem, der sie noch nicht kennt, die Gruppe zeigen, ist dieser Track ideal. Knallhart und energiegeladen eignet sich dieser Song perfekt, um zu sagen: „Das ist Hacktivist!“

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„How Dare You Exist“ reiht sich super dahinter ein und nimmt die Energie von „Planet Zero“ auf. Ein Ohrwurmtrack, der Kopf an Kopf mit „Lifeform“ um den Titel „Bester Song des Albums“ kämpft. Der Chorus überzeugt sofort und „HDYE“ sticht stilistisch noch einmal sehr vom Rest von „Hyperdialect“ hervor. Er macht Lust auf mehr Hacktivist-Musik dieser Art und man ist fast enttäuscht, wenn er vorbei ist.

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Zum Abschluss gibt es nochmal einen weiteren Altbekannten zu hören: „Reprogram“, ursprünglich bereits vor zwei Jahren veröffentlicht, wurde für die Albumaufnahme neu aufgerollt. Dabei macht er Stimmung und rundet die Platte perfekt ab.

Mit „Hyperdialect“ treffen Hacktivist genau den Nerv, auf den sie abgezielt haben. Sie geben ihrer Unzufriedenheit über den Zustand der Welt eine deutliche, laute Stimme und nehmen bei ihren Texten auch absolut kein Blatt vor den Mund. Dabei ist es ihnen egal, wem sie mit ihrer lyrischen Kritik eventuell auf die Füße treten könnten. Dies gepaart mit ihrem eindringlichen, unverkennbaren Sound macht „Hyperdialect“ zu einem mehr als würdigen Nachfolger ihres Debüts.

Zwischendurch hat man allerdings leider das Gefühl, einen einzigen langen Song zu hören, da die Stücke durch ihre große Ähnlichkeit zum Teil miteinander verschmelzen.

Die Tracks, auf denen sich Hacktivist etwas getraut haben, ein wenig von dieser Ähnlichkeit abzuweichen und auszubrechen, stechen hierbei dann aber positiv hervor und zeigen, dass die Band sogar noch mehr Potential besitzt und gerne mehr musikalische Risiken eingehen könnte.

Foto: Hacktivist / Offizielles Pressebild

ALBUM
Hyperdialect
Künstler: Hacktivist

Erscheinungsdatum: 18.06.2021
Genre: , ,
Label: UNFD
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Anti Emcees
  2. Luminosity
  3. Lifeform
  4. Armoured Core
  5. Turning The Tables
  6. Currency
  7. Hyperdialect
  8. Dogs Of War
  9. Ultima Dies
  10. Planet Zero
  11. How Dare You Exist
  12. Reprogram
Hacktivist Hyperdialect
Hacktivist Hyperdialect
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FAZIT
Insgesamt hat die Gruppe um Jot Maxi, Jermaine „J“ Hurley, Josh Gurner, Richard Hawking und James Hewitt mit "Hyperdialect" ein Album erschaffen, dessen angestrebte Message und Wirkung zweifellos ankommen und das den ein oder anderen zum Nachdenken anregen wird.
/morecorede
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