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US-Musikszene reagiert mit Protest-Songs gegen ICE
NOFX, Waterparks, Ice-T und weitere Artists positionieren sich musikalisch gegen US-Einwanderungsbehörde.
VON
Vanessa Wobb
AM 30/01/2026
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Die eskalierende Situation rund um die US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) schlägt derzeit auch in der Musikszene hohe Wellen. Mehrere Artists aus Punk, Hardcore, Metal und Alternative haben in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten neue Songs veröffentlicht, bestehende Texte umgeschrieben oder ihre Plattformen genutzt, um öffentlich Protest zu formulieren. Anlass sind mehrere tödlich verlaufene ICE-Einsätze in Minneapolis im Januar. Laut dem Guardian starben 2026 mindestens acht Menschen durch ICE-Agenten oder in ICE-Haft.
NOFX schreiben „Huntington Beach Nazis“ um
Die kalifornischen Punk-Veteranen NOFX veröffentlichten am 28. Januar 2026 die digitale Single „Minnesota Nazis“. Der Song ist eine umgeschriebene Version ihres 2022 erschienenen Tracks „Huntington Beach Nazis“ und bezieht sich laut Band direkt auf die Tötung von Renee Good (7. Januar) und Alex Pretti (24. Januar) durch ICE-Agenten in Minneapolis.
Fat Mike erklärt die Entstehungsgeschichte:
„Ich habe 2022 einen Song namens „Huntington Beach Nazis“ geschrieben, als ich dort sechs Wochen nüchtern war. Es gibt dort tatsächlich eine Kreuzung von Rhein- und Heil-Straße. Ziemlich seltsam… Jedenfalls habe ich nach all den Enttäuschungen in Minnesota beschlossen, den Text etwas zu ändern und den Song digital zu veröffentlichen. Ich habe ihn sogar in „Minnesota Nazis“ umbenannt. Ich finde, das passt. Dieser Song wird den ganzen Wahnsinn nicht aufhalten… aber man kann tun, was man kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Lasst uns so gut wie möglich aufeinander achten. Liebe > Hass… auch wenn es im Moment nicht so aussieht…“
Im überarbeiteten Text heißt es: „If those Minnesota nazis / Are so sure they’re part of a master race / Why do they cover their white faces when they’re shooting / Friendly white, unarmed lesbians in the face.“
Waterparks mit Spontan-Release „ICE“
Waterparks überraschten hingegen mit dem Standalone-Track „ICE“. Der Song wurde laut Band nur rund 24 Stunden vor dem Release aufgenommen.
Inhaltlich richtet sich der Song unmissverständlich gegen ICE und deren Vorgehen bei Razzien und Abschiebungen. Die Band erklärte, man arbeite aktuell daran, den Song auch auf weiteren Streaming-Plattformen verfügbar zu machen und prüfe Möglichkeiten, die Erlöse zu spenden.
Ice-T ändert „Cop Killer“ live zu „ICE Killer“
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch Ice-T. Der Rapper und Body-Count-Frontmann hatte bereits im Juli 2025 bei einem Auftritt auf der Warped Tour in Long Beach die Hook seines Songs „Cop Killer“ (1992) spontan in „ICE Killer“ abgeändert. Die Performance verbreitete sich im Januar 2026 viral, nachdem die Todesfälle in Minneapolis öffentlich diskutiert wurden.
In einem Interview mit The Breakfast Club erklärte Ice-T, er habe das Gefühl, die USA bewegten sich auf „extrem unschönes Terrain“ zu: „ICE war vor Ort aktiv, ich war also mitten in ICE-Razzien und all dem, stand vor einem Publikum in L.A. – und dann kam das einfach raus.“
Tom Morello: Song und „Fuck ICE“-Playlist
Ebenfalls bereits im Juli 2025 hatte Rage Against The Machine–Gitarrist Tom Morello den Song „Pretend You Remember Me“ veröffentlicht. Der Track entstand als direkte Reaktion auf ICE-Razzien in Los Angeles und wurde in Zusammenarbeit mit der Coalition For Humane Immigrant Rights of Los Angeles umgesetzt.
Es folgte außerdem eine Spotify-Playlist mit dem Titel „Fuck ICE“, die 67 Songs umfasst – darunter Musik von Rage Against The Machine, Bruce Springsteen, IDLES oder Led Zeppelin. Morello kommentierte die Sammlung als „kleinen Soundtrack“, um sich der Behörde entgegenzustellen.
Dropkick Murphys: „Citizen C.I.A.“ wird zu „Citizen I.C.E.“
Die Dropkick Murphys überarbeitete ihren 2005er Song „Citizen C.I.A.“ zu „Citizen I.C.E.“.
Die Band veröffentlichte am 8. Januar 2026 ein Video mit Footage des tödlichen Einsatzes gegen Renee Good und widmete ihr den Song. Live spielten Dropkick Murphys die neue Version bereits im Herbst 2025 auf ihrer Europa-Tour.
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Weitere Künstler:innen solidarisieren sich
Neben den genannten Artists meldeten sich weitere Musiker:innen zu Wort. Fever 333 teilten einen Aufruf zum „National Day of Action“ auf ihren Socials, einem Aktionstag gegen die anhaltenden ICE-Operationen. Die Organisatoren rufen dazu auf, nicht zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen zu gehen. Auch z.B. Epitaph Records beteiligten sich an daran.
Bruce Springsteen veröffentlichte am 28. Januar den Protestsong „Streets of Minneapolis“, den er innerhalb weniger Tage schrieb und aufnahm. Rise Against und Tom Morello organisierten für den 30. Januar ein Benefizkonzert zugunsten der Familien von Good und Pretti.
Auch Pop-Artists wie Olivia Rodrigo oder Katy Perry äußerten sich über Social Media solidarisch mit den Protesten.
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