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Interview

Imminence im Interview: Zwischen Weltherrschaft und Kindheitshelden

Sänger Eddie und Gitarrist Harald über das Ende der „The Black“-Ära.

VON AM 17/01/2026

Man kann es nicht anders sagen: 2025 war das Jahr von Imminence. Seit dem Release von „The Black“ (2024) und der Erweiterung „The Return of The Black“ im März 2025 scheint die Band kein Halten mehr zu kennen. Wir haben uns mit Sänger Eddie Berg und Gitarrist Harald Barrett getroffen, um über ihren steilen Aufstieg und die Inspiration hinter ihrem neuen Sound zu quatschen.

Für die Jungs markiert das Album einen Wendepunkt, auf den sie lange hingearbeitet haben. Auch wenn sie schon lange dabei sind, fühlte es sich diesmal einfach anders an – größer. Eddie bringt es auf den Punkt: „Wenn es jemals ein Release gab, das unser Durchbruch war, dann dieses.“ Der Erfolg blieb dabei nicht nur auf Europa beschränkt, sondern wurde zu einem weltweiten Phänomen. „Wir haben quasi die Welt für uns erschlossen, sind zum ersten Mal rüber nach Amerika und dann auf neue Kontinente. Es war eine unglaubliche Reise für uns als Band, sowohl was den Erfolg angeht, als auch kreativ“, ergänzt er.

Full Circle: Von den Support-Slots in die ausverkauften Arenen

​Der Kontrast zu früher ist krass, aber genau diese Zeit war der Zündfunke für alles, was danach kam. Dass sie jetzt als Headliner zurückkehren, ist für die Schweden ein absoluter „Full Circle“-Moment. „Dass wir damals mit In Flames, unseren Kindheitshelden, auf Tour gehen durften, war so etwas wie der Funke für den kreativen Prozess von ‚The Black‘, erinnert sich die Band. Dabei ging es ihnen gar nicht darum, denselben kommerziellen Erfolg zu erzwingen, sondern die Inspiration floss direkt in die Songs: „Es ist nicht so, dass wir gesagt haben: ‚Das wollen wir auch‘. Die Musik hat sich einfach von selbst in diese Richtung entwickelt.“

Kein Masterplan, sondern purer Flow

Interessanterweise planen Imminence ihren Sound nicht am Reißbrett. Alles beginnt eher mit einem unbestimmten Bauchgefühl. Eddie erinnert sich an den Startschuss: „Wir reden eigentlich nie darüber, wie ein Album werden soll. Aber am Anfang stand der Song ‚Come Hell or High Water‘. Ich schickte ihn Harald und meinte: ‚Ich sage nicht, dass das ganze Album so klingen muss, aber der Song hat einen ganz bestimmten Nerv getroffen, den wir vorher noch nie berührt hatten.‘“

​Dieser eine Track war der Kompass für alles, was folgte. Harald verstand sofort, was Eddie meinte und schrieb als Antwort direkt „Desolation“. Von da an war es ein organischer Prozess: „Wir haben dieses Gefühl einfach gejagt und geschaut, wo es uns musikalisch hinführt. Es ist wie ein Flow – man hat keinen festen Plan, man lässt es einfach kommen“, erklären sie.

Die Trademarks von Imminence

Für die Band fühlt es sich so an, als hätten die letzten zwei Jahre alles geschärft, wofür sie stehen. „Ich denke, das Album hat unterstrichen, was Imminence eigentlich ist. Es hat unsere größten Stärken und Trademarks hervorgebracht“, reflektiert die Band. Mehr als jedes andere Album zuvor zeigt es ihre wahre Essenz: „Es rückt diese Mischung aus Härte, Verletzlichkeit und natürlich den Streicherelementen mit der Violine voll ins Rampenlicht.“

​Dabei sehen sie den aktuellen Sound nicht als starres Korsett für die Zukunft, sondern als eine Momentaufnahme, die durch den Austausch mit den Fans gefestigt wurde: „Das soll nicht heißen, dass jedes Album ab jetzt genau so klingen wird. Aber die zwei Jahre, in denen wir mit ‚The Black‘ getourt sind und mit den Fans darüber gesprochen haben, haben einfach den Spot darauf gerichtet, wer wir als Band wirklich sind.“

​Wie beim Songwriting lassen sich die Jungs auch bei den Lyrics eher treiben. Eddie erklärt uns, dass da kein Masterplan dahintersteckt: „Wenn ich Texte schreibe, gehe ich da genauso ran wie an die Musik. Es gibt am Anfang keine klare Richtung, ich schreibe einfach, was ich fühle.“ Erst mit der Zeit ergab sich das große Ganze: „Bei diesem Album gab es viele Rückbezüge zwischen den Songs. Ich habe irgendwann ein Muster erkannt und gemerkt, dass wir bestimmte Dinge wiederholen können, um sie als konstante Themen im Album zu betonen.“

Mehr als nur ein Gimmick: Die Violine als Lead-Instrument

Man mag es kaum glauben, aber dass die Geige heute so eine Hauptrolle spielt, war fast ein Zufall. Eddie spielt zwar schon seit seinem fünften Lebensjahr, aber bei Imminence war sie lange eher im Hintergrund: „Anfangs waren die Streicher eher Background-Arrangements. Erst bei unserem dritten Album wurde die Violine zum Lead-Instrument – und das war eigentlich ein total spontaner Gedanke.“

​Der Moment, der alles veränderte, war der Song „Infectious“. Harald hatte das Instrumental geschrieben und ich habe mich sofort verliebt. Es gab diese Stellen im Song, an denen ich dachte: Vielleicht sollte ich hier einfach mal Geige spielen, weil ich diese Melodie im Kopf hatte.“ Richtig Klick gemacht hat es dann bei einer Live-Session mit einem Streichquartett. „Da merkten wir: Wir haben gar nicht genug Arrangements in den Original-Songs, um ein ganzes Quartett zu beschäftigen! Also mussten wir nachlegen. Mit diesem Hintergedanken sind wir dann an ‚The Black‘ rangegangen: Wie können wir das Streichquartett quasi das komplette Album über nutzen?“

Ausverkauft in 48 Stunden: Der globale Wahnsinn

Auch gab es einige Meilensteine für die Band. Besonders ein Ort in Frankreich ist den Jungs im Gedächtnis geblieben: „Paris letztes Jahr war so ein Moment. Wir waren dort früher als Support für In Flames und plötzlich stehen wir als Headliner in der ausverkauften Hütte. Die Show war einfach unglaublich“, erinnert sich Harald. „Es gibt immer wieder diese Momente, die dich wachrütteln und dich darüber nachdenken lassen, wo du gerade stehst.“

Überhaupt scheint der gesamte „The Black“-Zyklus eine einzige Aneinanderreihung von Erfolgserlebnissen gewesen zu sein – und das fing schon vor dem eigentlichen Album-Release an. „Ende 2023 sind wir zum ersten Mal als Headliner rüber nach Amerika. Es war nur eine kurze Woche zum Testen, aber die Tour war innerhalb von 48 Stunden ausverkauft! Wir mussten in größere Hallen hochstufen und selbst die waren sofort voll. Fast jede Tour in diesem Zyklus hat uns diesen ‚Was passiert hier eigentlich gerade?‘-Vibe gegeben.“

Zwischen Moshpit und Tränen: Das Black Finale

Das Ganze war ein Mammutprojekt, wie die Jungs zugeben. Es ging darum, den Songs für das Quartett neues Leben einzuhauchen und einen roten Faden zu finden. „Wir sind ja eigentlich eine ziemlich harte Band. Die Herausforderung war: Wie schlagen wir die Brücke, damit es für das Publikum eine runde Erfahrung wird? Wir nehmen sie mit auf eine Reise – von unseren härtesten Sachen bis hin zu sehr intimen Momenten.“

​Und das spiegelt sich auch in der Crowd wider, was selbst für Imminence eine neue Erfahrung ist: „Man sieht Reaktionen, die man sonst auf Metalcore-Gigs eher selten hat. Es gibt Leute, die im Moshpit komplett durchdrehen und Crowdsurfen und im nächsten Moment siehst du Menschen, die bei den Akustik-Sektionen weinen und sich emotional völlig öffnen.“ Für die Band schließt sich damit auch ein Kreis zu ihrer eigenen Geschichte: „Akustik-Sachen gehören seit Anfang an zu uns. Auf dieser Tour zeigen wir einfach alles, wozu Imminence fähig ist.“

Abschied von einer Ära – und der nächste Paukenschlag

Es herrscht eine Mischung aus Stolz und Vorfreude beim Beenden dieser Ära. „Es fühlt sich gut an. Die letzten zwei Jahre waren extrem busy, wir haben es geliebt, aber wir freuen uns riesig auf das nächste Kapitel“, gesteht Eddie. Trotzdem schwingt Wehmut mit: „Es ist bittersüß, weil wir mit ‚The Black‘ so viele erste Male erlebt haben. Wir haben Visionen verwirklicht und Orte erreicht, von denen wir nie dachten, dass wir dort mal spielen würden. Aber das Timing für den nächsten Schritt fühlt sich jetzt einfach richtig an.“

​Und wer denkt, dass die Jungs jetzt erst mal die Füße hochlegen, hat sich geschnitten. Auf die Frage nach einer Pause nach der Tour gibt es eine fette Überraschung: „Das neue Album ist bereits fertig!“ Ganz ohne Hektik, aber eben auch ohne Stillstand. „Wir werden zwar erst mal nicht touren, aber wir hören nie auf zu arbeiten. Es wird nur nicht ganz so hektisch wie zuletzt.“

Nach diesem intensiven Ritt durch die Dunkelheit von „The Black“ scheint der Hunger von Imminence noch lange nicht gestillt zu sein. Wenn das neue Material nur halb so intensiv wird wie die letzten zwei Jahre, steht uns Großes bevor. Wir halten die Augen offen.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Oedekoven (@jen.oe.jpg)

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