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Interview

„Ich vermisse das Touren so sehr“ – Cold Years-Frontmann Ross Gordon im Interview

Der Sänger über das neue Album, das Tour-Leben und die Bedeutung der Musik für ihn.

VON AM 20/09/2020

Trotz der aktuellen Umstände ist es um die Jungs von Cold Years aktuell alles andere als ruhig. Mit ihrem Anfang September veröffentlichten Debüt-Album „Paradise“ sorgten die Jungs aus Aberdeen, Schottland für Aufsehen. Mit ihrem Konzert am 15. September beim Hamburger Schrödingers Open Air, bei dem sie als eine der ersten nicht-deutschen Bands spielten, setzte die Band um Frontmann und Gitarrist Ross Gordon in aktuellen Corona-Zeiten noch eine Schippe drauf.

Wir hatten die Möglichkeit, direkt vor der Show mit Ross zu sprechen und ihm ein paar Fragen zur Geschichte der Band, zur aktuellen Situation und zur Zukunft der Gruppe zu stellen.

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Hamburg, Germany 15/09/2020. Thank you for the most amazing evening we could have hoped for playing live music to an audience for the first time this year. It seems fitting that we could have played the show in a city that means so much to us as a band, and you didn't disappoint. The whole show was conducted safely and in compliance with all local regulations and procedures to prevent the spread of covid-19. Shows CAN happen safely if local laws allow, and we hope that this can show everyone that this isn't the end for live music. There's a long way to go, but we are lucky to have had one evening to do what we love. Thank you to everyone who contributed to making it happen, special shout outs to @torbenmeyerontour @j_may_es @bob_munro @edved65 @smittensbh9 @ph0ebethegreek and to everyone who sold the show out! 📷 @adina_scharfenberg_photography

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Cold Years-Frontmann Ross Gordon im Interview

Kevin | MC: Ich denke, dass es für alle die, die deine Band bisher noch nicht so gut kennen, ein guter Einstieg wäre, wenn du uns erzählst, wie du eure Musik beschreiben würdest.

Ross: Schottischer Punk-Rock mit einer Prise Seele, die darin mitschwingt. Ich denke, dass es das ganz gut trifft. Als ich aufgewachsen bin, habe ich Punk-Rock gehört und wollte genau das immer machen. Das beschreibt uns daher ganz gut. Ich denke, dass wir weitere Elemente in unserer Musik aufgreifen, aber hauptsächlich ist es der Punk-Rock und das macht wirklich Spaß.

Kevin | MC: Eure Bandengründung 2014 fußt auf einer Kneipentour. Spielt dieses Lockere und die Leichtigkeit, die davon ausgeht, ebenfalls eine Rolle für euch beim Schreibprozess und wie ihr die Band weiterentwickelt?

Ross: Ja, wir haben damals eine ganze Menge gefeiert und getrunken. Wir sind in der Zeit wirklich gewachsen. Wir waren auf Tour mit Dave Hause von The Loved Ones und er hat uns gezeigt, wie man das Leben als Musiker bestmöglich angeht. Also keinen täglichen Alkoholkonsum und nicht jeden Tag bis 5 Uhr am Morgen wach bleiben, man sollte auf sich Acht geben. Es ist ein Job und da ist es wichtig, dass man auf sich aufpasst.

Kevin | MC: Ihr seid da also mit der Zeit hineingewachsen?

Ross: Ja, absolut.

Kevin | MC: Ihr stammt aus Aberdeen, der drittgrößten Stadt Schottlands, die eine große schwerindustrielle Prägung besitzt wie Manchester, Detroit oder auch Hamburg. Würdet ihr behaupten, dass eure Herkunft die Musik beeinflusst, oder seid ihr von Beginn an von anderen Aspekten beeinflusst wurden?

Ross: Aberdeen besitzt leider keinen besonderen Flair, es gibt eben die Öl-Industrie, was wirklich schlecht ist. Ich hasse die Öl-Industrie wegen unseres Planeten. Scheiß auf diese Leute! Es ist ein Ort, an dem du nicht wirklich individuell sein kannst, da es keine wirkliche Kultur gibt, wie es an Orten wie Glasgow, Edinburgh, Manchester oder Liverpool der Fall ist. Es gibt viel mehr Diversität und Kultur dort. Wir leben also dort im Norden in unserer kleinen Blase und es ist manchmal ziemlich hart.

Kevin | MC: Würdest du also sagen, dass es eure Musik beeinflusst?

Ross: Ja, absolut! Der Ort bringt dich in eine Art Isolation und macht es manchmal schwierig. Auch die Umstände dort. Es ist häufig kalt, es regnet und ist tough. Die Musikindustrie dort stirbt gerade, alle Veranstaltungsorte wurden geschlossen, es ist wirklich hart, dort als Band zu bestehen.

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P A R A D I S E. Our debut album is out today. We can't even begin to thank each and every one of you who has listened to the album, got in touch and supported us along the way enough. Every twist in the road has been completely worth it, and we hope it's reflected in the full record you can listen to today. Thanks @smittensbh9 @edved65 and the whole team at @eone_music @eone_heavy, @neildkennedy @kurt.fagan + Dom at @ranchproductions, @robin.schmidt.mastering, @mrkjms at @turnthepageldn, @titobelis at @clarioncallmedia, @oktober_promotion + Chuff Media. And most of all to our manager and constant source of energy, inspiration, encouragement, empathy and everything in between – our manager and amazing friend @j_may_es. Thank you for everything. Hit the link in our bio to listen to Paradise now. 📷 @pirate_photography

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Kevin | MC: Ihr werdet als eine der authentischsten und verheißungsvollsten Rockbands aus UK betitelt. Was denkt ihr über solche Komplimente und was würdet ihr sagen, ist das Besondere an euren Songs?

Ross: Es ist eine Überraschung! Aber es ist definitiv eine schöne Überraschung. Wir sind wirklich dankbar für solche Komplimente. Wir haben eine Menge Arbeit in dieses Album gesteckt und haben auch als Band in den letzten sechs Jahren hart gearbeitet und jetzt an diesem Punkt zu stehen, ist wirklich unglaublich. Alleine die Tatsache, dass wir unter diesen Bedingungen heute eine Show spielen können, ist unfassbar.

Kevin | MC: Ihr habt in diesem Monat euer erstes Album „Paradise“ veröffentlicht. Wie habt ihr die Aufnahmen wahrgenommen und wie war die Erfahrung, den nächsten großen Schritt zu machen?

Ross: Wir haben das Album im The Ranch in Southampton aufgenommen, mit dem gleichen Engineer, der die Creepers seit ihren Beginnen produziert und außerdem auch Departures und Landscapes und all diesen Hardcore-Kram, was echt cool ist. Es ist wirklich ein toller Ort, ein mega Studio, ein kleines Farmhaus irgendwo im Nirgendwo, das dich dazu bringt, dich wirklich auf die Musik zu fokussieren, lange zu arbeiten… es war wirklich toll.

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Kevin | MC: Würdet ihr sagen, dass „Paradise“ ein übergeordnetes Thema besitzt?

Ross: Es ist ein Wortspiel, denn es kommt von einem Ort, der alles andere als ein Paradies ist. Es geht also darum, ein Paradies zu wollen und danach zu streben. Wir hatten aber auch das Gefühl, etwas zu all den Dingen sagen zu müssen, die momentan in der Welt vor sich gehen. Es passiert so viel und wir sind nicht glücklich mit dem Verlauf. Es geht also darum, wie das Leben besser werden könnte.

Kevin | MC: In “31” heißt es “My sister got married, she walked so easily down the aisle” – keine andere Textzeile hat sich so schnell eingeprägt. Spricht aus dem Text auch ein wenig der Neid auf die Leute, die in ihren “normalen, langweiligen” Leben ankommen und dort glücklich sind?

Ross: Nein, absolut nicht. Es geht wirklich um meine Schwester, die mit 31 Jahren heiratete und ich habe ihr dabei zugesehen. Und hier bin ich, 31 Jahre alt, geschieden, und mein Leben zerbricht langsam. Es war einfach die Perspektive, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte.

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Kevin | MC: Texte und Songs auf “Paradise” hören sich insgesamt sehr stimmig an – sind alle Songs erst in den letzten Monaten entstanden oder sind auch Songs bzw. Songideen dabei, die schon jahrelang in der Schublade lagen?

Ross: Nein, wir haben das Album in den letzten Jahren geschrieben, das hat die Vielseitigkeit mit hineingebracht. Wir haben eine Menge durchgemacht und haben das alles aufgenommen.

Kevin | MC: Mit welchen drei weiteren Bands (aktiv oder nicht) würdet ihr gerne einmal touren?

Ross: The Interrupters, The Menzingers und Green Day. Das wäre es.

Kevin | MC: Wie frustrierend ist es, so lange auf das Debüt-Album hinzuarbeiten und es dann nicht live spielen zu können? Habt ihr Sorge, dass ihr dadurch weniger dieses gewisse Momentum verpasst?

Ross: ICH VERMISSE DAS TOUREN SO SEHR! Ich will zurück in einen Van! Es ist echt hart, aber jeder Musiker muss aktuell das gleiche Problem bewältigen und wir sind froh, wenigstens zwei Shows spielen zu können, viele Künstler können das nicht. Wir sind also sehr dankbar, das machen zu können. Es ist hart, aber es wird besser.

Kevin | MC: Wir sind nun kurz vor eurer Show, hier in Hamburg und ihr seid eine der ersten nicht-deutschen Bands, die während COVID hier spielen. Wie verliefen eure Vorbereitungen und was hat sich alles geändert?

Ross: Die Proben waren schwierig. Wir hatten nur ein paar Tage, um uns vorzubereiten, da wir uns nicht alle im gleichen Raum aufhalten durften. Die Sicht auf die Dinge hat sich definitiv geändert. Auch das Reisen war schwieriger. Es ist ungewohnt, Menschen nicht umarmen zu können. Deutschland ist ein so freundlicher Ort und so passioniert, wenn es um Musik geht. Es ist also schwierig, diese Nähe herzustellen. Heute Abend werden alle auf den Bänken sitzen und ich werde ihnen sagen, sich auf die Bänke zu stellen. Das wird mein Job sein. Es wird aber seltsam sein, eine Show zu spielen, wenn die Menschen nicht direkt vor deiner Nase sind.

Kevin | MC: Was können die Fans für die heutige Show erwarten?

Ross: Energie! Freude! Wir sind alle so glücklich hier zu sein! Schweiß! Es ist wirklich heiß heute. Und Bier.

Kevin | MC: Wenn wir einmal in die Zukunft schauen, was wünschst du dir für deine Band?

Ross: Die größte Band in der Welt zu werden. Wenn dir eine Band sagt, dass sie das nicht will, dann lügt sie. Das ist das, was alle Bands wollen. Ich hab mich doch nicht mit fünf Jahren vor den Spiegel gestellt und versucht, Queen nachzuahmen und gehofft, dass ich für immer in meinem Schlafzimmer bleiben werde. Ich möchte etwas Großes schaffen, und wir haben die Chance dazu.

Foto: Eleanor Freeman / Offizielles Pressebild

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