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Live bei: Cold Years in Hamburg – Schrödingers Open Air (15.09.2020)

Nach all den Entwicklungen der vergangenen Monate hätte ich definitiv nicht mehr damit gerechnet, 2020 noch ein Konzert besuchen zu ...

VON AM 17/09/2020

Nach all den Entwicklungen der vergangenen Monate hätte ich definitiv nicht mehr damit gerechnet, 2020 noch ein Konzert besuchen zu können. Demnach war die Vorfreude riesig, als feststand, dass die sympathischen Schotten von Cold Years am 15. September 2020 eine der wenigen Shows im Zuge des Schrödinger Open Airs in Hamburg spielen werden.

Hamburg zeigte sich von seiner besten Seite. Bei angenehm sommerlichen Temperaturen wirkte die charmante Bühne auf dem Außenbereich des Schrödinger-Cafés geradezu idyllisch.

Sämtliche Sicherheitsmaßnahmen wurden selbstverständlich eingehalten. So mussten sich die Gäste vor dem Eintritt online registrieren, bekamen einen Platz an den Gruppentischen zugewiesen und auf dem Weg dorthin herrschte eine strikte Maskenpflicht, der an diesem Abend jeder der rund 200 Besucher nachkam.

Joe Astray

Den Support an diesem Abend bildete der Hamburger Singer-Songwriter Joe Astray. Von Beginn an war spürbar, dass eine unglaubliche Freude im Publikum herrschte. Endlich wieder Live-Musik, endlich wieder Open Air!

Dies machte sich zum einen an dem Strahlen auf den Gesichtern bemerkbar, die gleich ab den ersten Gitarrenklängen aufmerksam zuhörten (zumindest im vorderen Teil der Venue), zum anderen waren nahezu alle Plätze bereits bei Astrays Einstimmung auf den Abend belegt.

Die Gesamtstimmung konnte durch die Bank weg als entspannt beschrieben werden. Begünstigt durch die Sitzgelegenheiten und das bestehende Tanzverbot, bestärkt durch die akustischen Klänge des Supports und abgerundet durch die Freude darüber, dass es nun endlich wieder handgemachte Musik direkt auf die Ohren gab.

Da konnte es durchaus auch mal vorkommen, dass die Stimmung so entspannt war, dass sämtliche Animationsversuche, sei es das Mitklatschen oder die Frage „Wer denn hier Bock auf Cold Years hat?“, eher ins Leere gingen.

Die Mischung des Support-Sets aus eher ruhigen und kraftvolleren Songs stellte allerdings eine ausgewogene Mischung dar, die das Publikum ca. 20 Minuten lang auf den Hauptact des Abends einstimmte.

Cold Years

Gegen 19:30 hieß es dann auf dem in das Rot des Sonnenuntergangs getauchten Schrödingers-Platz: Zeit für die Jungs von Cold Years! Die Band hatte in diesem Monat mit „Paradise“ ihr Debüt-Album veröffentlicht und spielte nun ihre erste vollbesetzte Show seit dem Release.

Cold Years, die vollständig in schwarz gekleidet waren, hielten das Bühnenbild ebenfalls sehr schlicht. So waren weder Aussteller noch ein Backdrop vorhanden. Einzige optische Besonderheit war das Drumshield, welches, zur Verbesserung des Sounds, das Schlagzeug vollständig umspannte und sonst eher bei größeren Produktionen, wie beispielsweise bei Accept, oder von Zeit zu Zeit auch bei Linkin Park-Drummer Rob Bourdon oder Travis Barker (Blink-182) zu sehen war.

Cold Years Schrödingers Open Air

Cold Years Schrödingers Open Air

Den Sound unterstützte der Aufbau definitiv, denn dieser war im Rahmen der Möglichkeiten auf einem sehr hohen Niveau. Sämtliche Instrumente und auch der Gesang waren deutlich hörbar und zeigten die musikalische Vielschichtigkeit der Band aus Aberdeen. Lediglich der Background-Gesang sowie die kurzen Scream-Parts von Cold Years-Frontmann und -Gitarrist Ross Gordon, wirkten zu Beginn etwas dünner, verbesserten sich im Laufe des Abends allerdings deutlich.

Mit einem musikalischen Mix, der sich irgendwo zwischen softeren Stücken von Rise Against, The Gaslight Anthem oder Spanish Love Songs wiederfand, traf die Band das optimale Mittelmaß zwischen kraftvollen Stücken und eher ruhigeren Momenten. Das sorgte dafür, dass auch das Publikum deutlich aktiver wurde, mitklatschte und mitsang und der Band, der das Grinsen ebenfalls nicht mehr aus dem Gesicht zu nehmen war, zeigte, dass es sich um einen gelungenen Abend handelte.

Zusätzlich ließ es sich die Band nicht nehmen, sich in den Momenten zwischen den Songs für einen Verbleib Schottlands in der Europäischen Union und gegen Rassismus stark zu machen. Darüber hinaus bekundete Ross seinen Neid darüber, dass die Musikszene in Deutschland deutlich ausgeprägter sei als in ihrer Heimat.

Eines der Highlights von Seiten des Publikums, war ein neugieriger Zuschauer, der anfangs von der anderen Seite des Zauns dem Geschehen auf der Bühne folgte, sich im Laufe der Show allerdings nicht mehr ruhig halten konnte und mitten im Gebüsch tanzend sein abmontiertes Rücklicht des Fahrrads hochhielt und die Musik auf seine ganz eigene Art genoss.

In den rund eineinhalb Stunden schafften es Cold Years nahezu, das komplette Album „Paradise“ zu spielen und hatten darüber hinaus Zeit für einen kurzen Akustik-Part, der neben eigenen Songs auch ein Cover von Bruce Springsteens „I’m On Fire“ beinhaltete.

Während dieser Songs war die Bühne lediglich von Frontmann Ross besetzt und ermöglichte der restlichen Band eine kurze Verschnaufpause. Im Anschluss kam die Kombo für den letzten Song des Abends „31“ noch einmal geschlossen auf die Bühne.

Das Ende kam folglich ein wenig abrupt, wurde der Song doch als Gordons Favorit auf dem Album angekündigt und behandle, nach Angaben der Band, die Beobachtungen der unterschiedlichen Wege, die er und seine Schwester einschlugen. Während sie mit 31 Jahren verheiratet war, befand sich Ross im gleichen Alter geschieden an einem Wendepunkt des eigenen Lebens.

All diese Emotionen, seien es die Gedanken in „31“, die Erinnerungen an den verstorbenen Hund in „Hunter“, oder die überwältigende Kraft in „Night Like This“, sprangen wie ein Funke auf das Publikum über und erzeugten eine einzigartige Stimmung, an die sich die Besucher noch lange erinnern werden und definitiv Vorfreude auf mehr macht.

Foto: Eleanor Freeman / Offizielles Pressefoto

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