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Before The Hype: Scene Queen und ihr polarisierend pinker „Bimbocore“

Humorvoll, hot und heavy.

VON AM 29/11/2023

Knalliges Pink, empowernd sexuell aufgeladene Texte und satte, aggressive Breakdowns: Seit jeher bastelt sich Scene Queen ihre ganz eigene künstlerische Nische, die liebevoll den eigens auserkorenen Titel „Bimbocore“ trägt. Doch zwischen TikTok-Viralität, hyperfemininen Looks und unzensierter Gesellschaftskritik verbirgt sich weitaus mehr als glitzernder Lipgloss und Schock-Value.

Scene Queen: Internetsensation und feministische Ikone

Schließlich sorgte die US-amerikanische Metalcore-Barbie mit ihrem Track „18+“, der auf kathartisch wutentbrannte Weise sexuellen Missbrauch in der alternativen Szene ankreidet, Anfang des Jahres für hitzige Diskussionen im Netz. „Eighteen plus, eighteen plus, get those children off your bus” heißt es in dem bewusst sehr kontroversen Song, in dem sie ihren Frust auslässt und damit für viele Fans in der Szene einen wichtigen Nerv trifft. Was für die Sängerin, die unter bürgerlichem Namen Hannah Collins heißt, 2015 ein Grund war, sich vom Alternative weg und hin zu Pop- und Rap-Songwriting zu wenden, nutzte sie somit, um einer ganzen Community eine Stimme zu verleihen. Ganz schön badass würden wir sagen.

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In ihrer Jugend flüchtete sie als Alternative-Alleingängerin aus dem Vorort regelmäßig alleine für Live-Shows in die Großstadt. Da ihre Erfolgsgeschichte dazu führte, dass sie nun selbst Konzerthallen rund um den Globus füllt, bleiben Gemeinschaft und Safe Spaces auch weiterhin Kerntreiber ihrer Kunst. Zu ihrer Verantwortung als Artist erläutert sie in einem Interview mit Kerrang:

„Scene Queen helps me personally because it helps me come out of my shell in my day-to-day life. But with 18+, I’m now able to see what people want out of Scene Queen… I’m able to look at issues they have within the world or within their specific communities and write about those. Because of [that song], Scene Queen’s become more of a community project.“

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Humorvoll, hot und heavy

Während ihre Single „Pink Rover” Catcallern eine Lektion verpasst und „Pink Push-Up Bra“ sexuelle Übergriffe kritisiert, stellt ihr aktuellster Release „MILF“ einen provokativen Streich an konservative Gatekeeper dar. Zu ihrem chaotischen Signature-Mix aus Metal, Hardcore und quietschigem Pop fügt sie hier prompt eine Portion Country-Flair hinzu – Yeehaw!

Denn neben ermutigenden und politischen Messages soll stets auch Platz für Songs sein, die schlicht und einfach Spaß machen (und dabei den ein oder anderen Hater verärgern). Auch das amüsante und zugleich schaurig-schöne Feature „Barbie & Ken“ mit den Kollegen von Set It Off schlug ordentlich Wellen auf Social Media.

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Ob auf ihrer 2022 erschienenen Erstlings-EP „Bimbocore”, der Nachfolge-Platte „BIMBOCORE VOL. 2” desselben Jahres oder den Vorboten ihres anstehenden Albums: Wer hier reinhört, muss sich auf viel sexuelles Vokabular einstellen. Mit Lyrics wie „Gettin‘ pussy like pink panther“ („Pink Panther”), „Bling-bling, gettin‘ fucked in every time zone“ („Pink G-String”) oder „Tickle me pink, smack my ass ‚til it’s blushing“ („MILF”) bringt sie die sexuelle Emanzipation à la „WAP“ der Hip-Hop Baddies Cardi B und Megan Thee Stallion in den Alternative-Kosmos.

Das persönliche Wachstum, das für die Musikerin unter anderem durch das Entdecken und Ausleben ihrer eigenen Sexualität einherging, ist und bleibt ein zentrales Thema ihrer Werke. Tabus gibt es eben in ihrer Welt nicht, denn hier sind die „Bimbos“ an der Macht. Dabei wurde übrigens einem üblicherweise negativ konnotierten Begriff, der gewisse Frauen oberflächlich als naiv und dumm abstempelt, in Powermove-Manier eine neue, ermächtigende Bedeutung zugeteilt. Hannahs Idole (darunter nennt sie Ikonen wie Paris Hilton, Kesha und Maria Brink von In This Moment) wären stolz!

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Debütalbum, Headliner-Shows und große Festivalbühnen: Die Queen ist bereit zu erobern

Alles in allem eine auf den ersten Blick recht wilde Kombination von Elementen, doch die Musikerin liebt es, scheinbare Gegensätze aufeinandertreffen zu lassen und somit vermeintliche Grenzen für nichtig zu erklären. Man kann kein „girly” Metalhead sein? Niemand würde jemals einen „Twerkle Pit“ starten, in anderen Worten im Circle Pit twerken? Fehlanzeige!

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Nicht umsonst landete sie 2021 einen Plattendeal bei Hopeless Records – eben jenem Label, bei dem sie sich vor Jahren noch selbst mehrfach für ein Praktikum bewarb und nur davon träumte, Teil davon zu sein. Nur wenige Jahre später sprechen ein Heavy Music Award als „Best International Breakout Artist“, eine restlos ausverkaufte UK Headliner-Tour, die in Gänze hochverlegt werden musste, sowie Slots auf den prestigeträchtigsten Festivals weltweit für sich. Dabei wird sie 2024 unter anderem auf den hiesigen Bühnen von Rock am Ring und Rock im Park hierzulande und dem Download Festival in der UK zu sehen sein.

Nun mit ihrem Debütalbum „Hot Singles In Your Area“ (get it?) für kommendes Frühjahr im Gepäck, sieht die Zukunft für Scene Queen nicht nur rosig, sondern knallpink aus.

Foto: Paige Margulies / Offizielles Pressebild

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