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Interview

Antiheld-Sänger Luca Opifanti im Interview zum neuen Album „Disturbia“

Der Musiker im Interview über Umbrüche, kontroverse Songs und den Einfluss von Comic-Helden.

VON AM 06/04/2021

Am Freitag bescheren uns Antiheld mit „Disturbia“ ihr nunmehr drittes Album. Der letzte Longplayer „Goldener Schuss“ erschien bereits 2019. Für die Kombo war es nun an der Zeit für neue Musik.

Zur Feier des Releases hatten wir die Möglichkeit, Antiheld auf ein Interview zu treffen. Unser Kevin hat sich mit Sänger Luca über die neue Platte unterhalten und darüber, was der Joker mit den neuen Songs zu tun hat.

Antiheld-Sänger Luca Opifanti im Interview

Kevin | MC: Wie gehts dir, jetzt wo der Release der Platte kurz bevor steht?

Luca: Es sind das erste Mal auch gemischte Gefühlte. Sowohl positive, als auch negative. Normalerweise ist es ja so, wenn man eine neue Platte raus bringt, das mann denkt: WOW! Völlig gehyped und man weiß gar nicht, wohin mit sich selbst. Grade im Moment ist es schon so, dass alles unwirklich wirkt. Man bringt eine Platte heraus in einer Zeit, in der es keine wirklich funktionierende Kultur gibt. Wir können nicht touren, alle Termine sind auf 2022 verschoben und alles ist irgendwie unwirklich.

Man hat natürlich schon ein paar Bedenken, weil man nicht ganz weiß, wie das jetzt alles funktioniert. Als Band bist du da ja drauf angewiesen – man bringt ein Album raus, geht auf Tour und versucht, das Ding dann irgendwie unter die Leute zu bringen. Da weiß man jetzt gerade nicht ganz, wie es funktioniert und trotzdem ist es ein Befreiungsschlag. Ich freue mich jetzt total darauf. Ich weiß nicht, ob das jede Band immer bei jeder Platte sagt, aber bei uns ist es jetzt definitiv so, dass es die wichtigste Platte ist, die wir je gemacht haben. Es ist eine ganz klare Kante zu allem, was wir vorher gemacht haben, es ist ein ganz klarer Bruch und ich freue mich da sehr darauf.

Ich bin auch sehr gespannt, wie die Leute damit umgehen werden. Ich weiß, dass wir einige unserer eingefleischten Pop-Anhänger natürlich verlieren werden, darauf sind wir irgendwie eingestellt. Ich freue mich aber auch besonders darauf, diese ganzen neuen Facetten kennenzulernen und mit neuen Leuten in Berührung zu kommen. Ich merke es ja jetzt grade, was für Magazine Bock haben, Interviews zu machen, was für Feature-Anfragen von anderen Künstlern kommen und das ist schon sehr sehr geil! Zu sehen, dass das alles dort ankommt, wo es hin soll.

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Kevin | MC: Ist jetzt der Moment angekommen, wo man die eigenen Songs nicht mehr hören mag, nachdem man sie während der Aufnahmen wieder und wieder gehört hat?

Luca: Es ist tatsächlich das erste Mal in meiner eigenen Musikkarriere, dass es mir nicht so geht. Jeder, der Musik macht kennt das: Normalerweise war das immer so, dass man sich immer ganz schnell selbst überholt, weil es doch sehr lange bis zum endgültigen Produkt dauert, bis es endlich rauskommt vergeht dann doch sehr viel Zeit und man schreibt schon weiter und überholt sich ganz gerne selbst. Bei „Disturbia“ ist es so, dass das Album ja ziemlich jung ist. Ich habe das komplett während des ersten Lockdown geschrieben. Es ist nicht so, dass wir da lange dran gearbeitet haben. Es kam dieser erste Lockdown und ich habe recht schnell für mich entschieden, dass es für mich keine Option ist, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern dass ich meine Energie und Zeit, die ich jetzt habe und die ich sonst nicht habe, in eine Platte stecken will.

So habe ich innerhalb von vier bis sechs Wochen eine Platte geschrieben. Und so kommt es, dass „Disturbia“ für mich noch nicht tot ist, emotional, aber auch davon abgesehen ist es das erste Mal so, dass wir Mukke machen, die ich selbst total gerne höre und mich umso mehr drauf freue, dass sie raus kommt. Nicht damit sie endlich weg ist, sondern damit die Platte endlich draußen ist. Das ist einfach für die Band und die Bandentwicklung irre wichtig, dieses Album zu machen und sich da zu positionieren. Sowohl soundtechnisch, als auch inhaltlich sowie vom Style her. Es ist einfach wichtig gerade.

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Kevin | MC: Das Album wurde während der Pandemie geschrieben. Das wird einen Einfluss haben, wenn man deutlich weniger erlebt als vor der Pandemie, oder?

Luca: Das war eigentlich für mich das spannendste, was ich bisher im Songwriting gemacht habe, weil es ist genau so, wie du sagst – normalerweise sind die Einflüsse für Songs aus dem Leben heraus. Das was man tagtäglich erlebt, das inspiriert einen und die Inspiration für diese Platte war einfach nur ich. Das war einfach nur ich, hier in meiner 30qm-Wohnung in Stuttgart, ich war hier so wie alle anderen auch irre lange alleine und mit mir selbst beschäftigt. Darum ist diese Platte wahrscheinlich auch so düster geworden.

Stellenweise wahrscheinlich auch fast manisch-depressiv, weil es die Emotionen waren, die man irgendwann herauskristalisiert, wenn man sich sehr sehr lange in sich rein begibt. Man kommt immer an den Punkt, an dem es anfängt, weh zu tun. Das ist der Moment, in dem viele dann irgendwann nach links oder rechts abbiegen, weil sie sich denken, dass das doch zu heftig ist. Das war der Punkt an dem ich noch tiefer gegangen bin und darum klingt diese Platte, wie sie klingt.

„Die Kids in Afrika verhungern immer noch, ob wir Corona haben oder nicht“

Kevin | MC: Ist das dann jetzt etwas Befreiendes nach so einem Prozess?

Luca: Absolut! Alleine schon die Themen! Auf dieser Platte ist definitiv der letzte Song, den ich für meine Ex geschrieben habe. Ich habe sehr lange gebraucht um davon so wirklich weg zu kommen. Das ist dieser Song „Oh bitte mach mich ein letztes Mal kaputt“. Das ist die letzte Nummer, die ich für meine Ex geschrieben habe, das weiß ich, das Kapitel ist zu.

Ich habe das erste Mal geschafft, einen Song über die Umwelt- und Klimapolitik zu schreiben, nicht weil ich mich hingesetzt und gedacht habe: „So, jetzt schreibst du da ’nen Song drüber“, sondern weil ich mich damit auseinander gesetzt habe. Mir fiel es sehr lange sehr schwer, da einen Song drüber zu schreiben, der nicht nur mit dem Zeigefinger auf andere zeigt und trotzdem einen gewissen Coolnessfaktor hat. Das hat mich krass rumgetrieben in der Zeit. „Sommer unseres Lebens“, dieses Ding, dass wir aktuell von einer Pandemie gebeutelt werden, die dafür aber auch sorgt, dass wir nicht mehr nach links und rechts schauen. Die Kids in Afrika verhungern immer noch, ob wir Corona haben oder nicht. Viele Menschen interessiert es aktuell einfach nicht.

Und dann noch die Verarbeitung des Todes unseres eigenen Managers. Der ist im Jahre 2019 verstorben. Das war auch etwas, was die ganze Band beschäftigt hat und tut es noch heute. Ich glaube, hätte ich nicht diese Zeit und diese Isolation gehabt, mich selbst so sehr auf mich einzulassen, dann weiß ich nicht, ob ich bis heute diesen Song geschrieben hätte.

Von daher ist dieses ganze Album in sehr sehr vielen Dingen eine totale Befreiung. Ich muss auch sagen, dass ich durch dieses Album den ersten Lockdown überhaupt nicht mitbekommen habe. Ich habe von all meinen Freunden gehört, dass sie das alles ankotzt und dass sie so viel machen wollen würden, und ich dachte die ganze Zeit nur: „Was ist denn euer Problem?! Ich sitze von morgens bis nachts da und schreibe und bin total aufgeräumt“, weißt du? Ich bin total zufrieden mit der Situation. Den ersten Lockdown habe ich wirklich so wahrgenommen, als ob man von außen einen Film schaut, weil der mich selbst gefühlt überhaupt nicht tangiert hat. Das war schon sehr sehr spannend, diese Zeit.

Kevin | MC: Auch wenn die Tracks vom Namen her recht positiv klingen, wie „Himmelblau“, oder „Sommer unseres Lebens“, so steckt darin trotzdem etwas Drückendes. Spielt ihr mit diesen Erwartungen an Songs?

Luca: Ich wollte auf jeden Fall eine Platte machen, die provoziert. Ich wollte kein Album schreiben, das man einfach so weghören kann. Es gibt ja ganz viel Musik, bei der man immer das Gefühl hat, dass es von den gleichen Leuten genau gleich produziert ist. Es geht da rein und da raus. Es hinterlässt vielleicht ein gutes Gefühl, aber es macht nicht sonderlich viel mit einem. Ich wollte eine Platte schreiben unabhängig von allen Erwartungen und kommerziellem Erfolg. Das war mir an der Stelle scheißegal.

Ich wollte eine Platte schreiben, die man sich abends anhört, das Licht ausmacht und sich einen Rotwein aufmacht. Das war mir wichtig. Die Titel „Himmelblau“ und „Sommer unseres Lebens“ sind natürlich kontrovers und vielleicht ist das auch mit einem gewissen Kalkül so gewählt, aber ansonsten war es nicht so, dass ich in den Leuten die Erwartungen auf eine Pop-Platte schüren wollte, um sie im Anschluss zu enttäuschen. Das war nicht meine Mission bei der ganzen Sache.

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Kevin | MC: Der Song „Chaos“ hat ein eigenes Intro bekommen. Wie ist es dazu gekommen?

Luca: Das ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte. Ich habe während der Lockdown-Zeit, als das alles anfing und sich an der Situation nicht viel geändert hat, viel Zeit gehabt. Ich bin sehr comicaffin, ich bin damit erzogen worden, habe auch den ganzen Arm mit Comic-Helden tätowiert und das begleitet mich einfach seit ich ein Kind bin.

Da leben wir in der aktuellen Zeit, mit den ganzen Comic-Verfilmungen, im Paradies. Ich weiß noch genau, wie ich als kleiner Junge da saß, und mir irgendein Justice League Comic durchgelesen habe und mir gedacht habe: „Boah! Wie krass es wäre, wenn es davon einen Film gäbe“, aber das ging ja damals noch garn icht, aber jetzt gibt’s das. Ich habe das die Jahre über hinweg konsumiert. Als ich jetzt so viel Zeit hatte habe ich mir das Ziel gesetzt, das alles noch einmal von A bis Z durchzusehen. Ich habe mir wirklich alles auf Netflix und Co. angesehen, was es gibt.

Ich habe sämtliche Marvel-Filme, sämtliche DC-Filme, alles noch einmal chronologisch reingezogen. Da bin ich natürlich wieder an dieser Batman-Trilogie hängengeblieben. Unter anderem auch an Heath Ledger als Joker. Da habe ich angefangen, auf einer Ebene, die ein bisschen abseits der Comics war, mit der Figur des Jokers zu beschäftigen und habe mir auch angesehen, wie der sich auch in den Jahren verändert hat. Nicht nur in den Filmen, auch in den Comics.

Da gibt es so viele unterschiedliche Interpretationen,.Jack Nicholson war in seiner Art genial, Heath Ledger war genial, jetzt Joaquin Phoenix, ist der absolute Wahnsinn. Mich hat diese Figur des Jokers so getriggert, dass ich einen schizophrenen Moment mit mir selbst hatte und nicht mehr verstanden habe, warum er eigentlich der Böse sein soll. Das war ein ganz komischer Moment und das war auch ein ganz komisches Gefühl für mich selbst. Das hat mich so umgetrieben, dass ich angefangen habe Zeilen aufzuschreiben.

Da habe ich gemerkt, dass der Joker so unfassbar viele geile Sachen sagt! Sowohl im Comic als auch in den Filmen. Nicht nur Heath Ledger, sondern alle sind auf ihre Art so krass melodramatisch und tiefgehend, dass ich die Idee hatte, einen Song zu schreiben, der zur Hälfte aus Joker-Zitaten besteht, die ich dann mit meinen eigenen Worten fertig schreibe. Genau das ist der Text dieses Songs. Jede einzelne Zeile dieses Songs wird genau so vom Joker gesagt und ist nur von mir fertig geschrieben worden, aus meiner eigenen Sicht.

Ein maßgebliches Ding war der legendäre Dialog von Heath Ledger, in dem er eigentlich sinnbildlich genau das sagt, was ich in diesem Intro sage. Meine Ursprungsidee war eigentlich, genau diesen Dialog zu nehmen, für diesen Song. Damit die Rolle noch etwas klarer wird, das ist dann aber an Rechten gescheitert. Dann sagte ich mir: „Scheiß drauf! ich nehme mir jetzt dieses Zitat, schreibe es um, transferiere es in meine eigene Perspektive, ändere ein paar Sachen und spreche es selbst ein.“ Das war eigentlich nur ein Versuch. Das, was du da als Intro hörst, das ist eine originale Voicemail-Datei aus meinem Handy. Ich wollte es einfach ausprobieren und ich bin leider nicht so der Ton-Mensch. Ich habe das dann einfach mal für meinen Produzenten in mein Handy reingesprochen und letztendlich ist genau diese Datei auf der Platte gelandet.

Kevin | MC: Und was denkst du – wie viel Joker ist da noch in dir drin?

Luca: Also vor ein oder zwei Jahren hätte ich gesagt, dass auf keinen Fall etwas in mir steckt. Ich bin doch einer von den Guten. Ich steh zwar auf diese Antihelden-Typen und diese düsteren Typen, auch jemand wie Batman ist eine sehr düstere Figur, aber ich stehe auf jeden Fall auf der guten Seite.

Darum hatte ich auch immer nur den linken Arm mit den Helden tätowiert, jetzt bin ich immer mir am Überlegen, ob ich mir den rechten Arm nicht mit den Bösen voll machen will. Ich glaube, dass das einfach nur menschlich ist. Wir dürfen uns nicht besser machen, als wir sind. In jedem von uns steckt ein kleines bisschen Psychopath. Das kam in der „Disturbia“-Platte bei mir auf jeden Fall raus. [lacht]

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Kevin | MC: Es gibt Songs, die sehr persönlich klingen, sodass man als Hörer eine Anteilnahme verspürt. Hat man als Musiker Respekt davor, sich so ehrlich und direkt zu öffnen? Andere Musiker verwenden Metaphern und unterschiedliche Ebenen, um sich noch ein Stück abzugrenzen.

Luca: Ich habe das irgendwann gelernt, dass es neben all den Fans, für die ich natürlich sehr sehr dankbar bin, unter dem Strich beim Musikmachen auch ganz egozentrisch um mich geht. Das es um mein eigenes Seelenheil und meine Selbst-Therapie geht und wenn ich damit dann anderen Leuten auch noch etwas Gutes tun kann, dann ist das schön, das ist für mich aber nicht der Anspruch. Ich durch die Songs, die ich schreibe, nicht die Welt retten. Ich will mich selbst retten. Das ist, glaube ich, der Punkt. Ich habe da einfach gemerkt, je schonungsloser ich mit mir selbst umgehe, desto krasser werden die Songs, desto emotionaler werden sie und desto mehr Emotionen kommen auch beim Hörer an.

Das hat dann wiederum einen positiven Aspekt für mich. Das musste ich lernen und mein Songwriting hat sich im Laufe der Zeit auch verändert. Das macht auch viel mit seinem eigenen Selbstvertrauen. Man schämt sich nicht mehr für das, was man ist. Wenn man sich dann in Stuttgart vor 2.000 Leute stellt und sowas singt, dann ist das einfach gesagt. Da brauchst du hinterher nicht mehr viel mit irgendjemandem reden. Das ist eine sehr schöne Facette an dieser Musik.

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Kevin | MC: Wenn man die bisherigen Releases betrachtet fällt auf, dass schon einige Songs veröffentlicht wurden. Was hat euch zu diesem Schritt gebracht?

Luca:Ich glaube generell ist es der Wandel des Marktes. Das wirst du auch selbst wissen, es ist immer schwieriger, dieses physische Produkt auf den Markt zu bringen, das bringen wir für Liebhaber und Fans raus. Ich habe in meiner Wohnung kein einziges Medium, um CDs abzuspielen, außer meine Playstation und in meiner Playstation ist die ganze Zeit FIFA drin. Ich finde es schön, dass die Vinyl ein Revival erlebt und dass das alles so geil ist. Letztendlich ist aber dieses digitale Zeitalter der Musik angebrochen, da sprechen wir auch nicht mehr von einem Wandel. Das ist da.

Dementsprechend war die Strategie recht schnell klar, dass wir viele Singles droppen wollen, dass es so viele werden, hatte vorher niemand geplant. Das lag daran, dass wir auch Corona-bedingt einfach Probleme mit dem Album hatten. Man konnte dann mal nicht weiterarbeiten, dann gab es Probleme mit dem Presswerk, auch die Plattenfirmen hatten zu strugglen, diese Pandemie hat ja nicht nur uns als Band gefickt. Das merkt man natürlich irgendwann auch und dann werden Arbeitsprozesse schwierig. Dann verschiebst du deine Platte das erste Mal, da sind alle Fans noch easy drauf und dann verschiebst du sie nochmal.

Die Platte kommt jetzt im Endeffekt ein halbes Jahr später. Da fühlt man sich dann irgendwann in der Bringschuld und denkt sich, dass man doch lieber noch ein oder zwei Videos drehen sollte, um da nochmal etwas rausbringen zu können und den Leuten auch ein bisschen Respekt zu zollen. Wenigstens eine ordentliche Entschuldigung mit einem Song.

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Kevin | MC: Wie sehen die letzten Tage vor Release jetzt noch für euch aus?

Luca: Was die ganze Arbeit an der Platte angeht, da ist der Drops tatsächlich gelutscht. Es ist sehr sehr entspannt und angenehm, dass alles fertig ist. Die Box ist produziert und sieht geil aus. Ich bin echt happy. Es kommen jetzt natürlich noch einige Interviews, auf die ich mich sehr freue. Finde das super spannend, weil uns ja jeder noch aus einem anderen Kontext auf dem Schirm hat. Da bin ich sehr gespannt, wie das Album dann auch in den Reviews ankommt.

Es gibt schon noch einen Haufen Arbeit, aber es sind alles total schöne Aufgaben. Ich lieb’s auch total, mich mit Leuten auseinanderzusetzen, bei denen ich weiß, dass sie sich mit der Platte beschäftigt haben. Das ist so eine schöne Bestätigung. Selbst wenn jemand sagt, dass er das Album gehört hat und komplett scheiße findet, das ist auch okay, aber die Hauptsache ist, dass er sich damit auseinandergesetzt hat. Das ist für mich als Musiker die schönste Form der Anerkennung. Es kommen also echt nur noch Aufgaben, die wirklich Spaß machen.

Kevin | MC: Was wünschst du dir, wie soll 2021 für Antiheld weitergehen?

Luca: In aller erster Linie wünsche ich mir das nicht nur für uns, sondern für die komplette Branche und ganz unabhängig von allen Szenen und Genres: Ich wünsche mir, dass wir alle durchhalten, weil es alles beschissen ist. Ich war bis vor Kurzem selbst noch an einem Punkt, an dem ich gesagt hab: „Leute! Haltet den Ball flach! Wir kriegen das alles hin“ Jetzt stellt sich schon auch eine gewisse Frustration ein. Als ich das letzte Mal auf einer Bühne stand, war ich 27. Wenn ich das nächste Mal auf einer Bühne stehe, dann bin ich wahrscheinlich 30. Das ist echt hart.

Alles wurde von 2020 auf 2021 verschoben und jetzt auf 2022. Wir hätten einen so krassen Festivalsommer gehabt, wir hätten zwei Touren gespielt, eine Arenatour durch Deutschland, Österreich, Schweiz und Tschechien. Das wären richtig dicke Dinger gewesen. Deswegen wünsche ich mir vor allem, dass wir durchhalten, dass wir durchziehen und dass jeder Musiker auch die Chance ha,t jetzt umzudenken und zumindest kurzfristig eine andere Chance hat, sein Geld zu verdienen. Dass man nicht in irgendeine Depression verfällt. Das erlebe ich bei vielen Leuten in meinem Umfeld, auch Leute, die aus der Branche stammen und keine Musiker sind.

Anmerkung der Redaktion: Solltest du selbst das Gefühl haben, dass du dich in einer belastenden Situation befindest, dann kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du anonym Hilfe von Beratern, die mit dir Auswege aus schwierigen Situationen finden und eine tolle Stütze sein können. Danke, dass du es versuchst!

Ich kann immer noch Merch verkaufen, auf Social Media präsent sein und einfach einen Bruchteil von dem machen, was ich normalerweise mache. Unser Tontechniker ist einfach am Arsch. Der kann gar nichts machen. Unsere Fotografen, die sind einfach am Arsch. Das sind Leute, um die ich mir wesentlich mehr Sorgen mache. Ansonsten haben wir, auf uns bezogen, ein paar geile Projekte vor der Brust, auf die ich mich sehr freue. Ganz verrückte Ideen, vielleicht einen Film zu machen. Mal schauen, das ist alles noch Zukunftsmusik.

Das sind natürlich auch Projekte, an die man sich in einem normalen Tour-Alltag nicht unbedingt heran wagen würde. Dementsprechend habe ich da schon Bock drauf. Nebenher habe ich für mich begonnen, ein Kinder- und Jugendbuch zu schreiben. Da hab ich jetzt wenigstens 20 Seiten geschrieben. Mal schauen, ob ich es zu Ende schreibe. Es ist schön, einfach mal umdenken zu können und aus seinem Hamsterrad heraus zu kommen.

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Kevin | MC: Also gibt es schon genügend kreativen Output?

Luca: Ja! Ich habe jetzt schon wieder drei, vier, fünf neue Songs fertig für die nächste Scheibe, obwohl man natürlich aufpassen muss, dass man sich nicht selbst überholt und sich dann selbst ins Knie schießt. An Output und Kreativität mangelt es mir aber nicht.

Kevin | MC: Ihr seid als Support für Saltatio Mortis unterwegs. Wie kam diese Kombination zu Stande? Diese Kombination hat man vielleicht nicht sofort auf dem Zettel.

Luca: Das hat man definitiv nicht auf dem Zettel. Das ist eine ganz verrückte Geschichte. So richtig kam das dadurch, dass die Freundin eines der Saltatio Mortis-Mitglieder ein riesiger Antiheld-Fan ist. Ein so großer Fan, dass sie zu sehr vielen Konzerten fährt und ihren Mann dann immer dementsprechend mitschleppt. Ich glaube, dass das so zu Stande gekommen ist. Der hat uns dann zwei oder drei mal auf der Bühne gesehen und dachte sich wohl: „Boah! Killer! Die Jungs haben so eine Energie auf der Bühne, das ballert wie Sau. Die wollen wir auf Tour mitnehmen“. Dann kam von heute auf morgen die Anfrage, ob wir Bock haben, eine komplette Arena-Tour mitzunehmen.

Wir waren da am Anfang auch etwas skeptisch, weil das natürlich ein ganz anderes Genre ist, ein ganz anderer Style. Wir haben auch mit dieser ganzen Mittelalter-Ecke, aus der die Band ja eigentlich kommt, nichts zu tun und nie etwas zu tun gehabt. Dann dachten wir uns aber: „Scheiß drauf! Das sind 14 Termine, à 2.000 bis 6.000 Menschen, die alle rockaffin sind und Bock auf Rockmusik haben, etwas mit deutschen Texten anfangen können – lass das machen!“ Mehr als dass sie uns von der Bühne pfeifen kann nicht passieren. Das ist eine sehr coole und sehr ehrliche Beziehung mit dieser Band. Die haben auch ein Jubiläumsalbum herausgebracht, das ist voll mit Feature-Tracks. Da wollten sie auch, dass wir einen davon machen.

Wir haben uns dann dagegen entschieden, weil wir uns als noch nicht groß genug sehen, dass wir das verkraften können. Das würde, aufgrund der Reichweite von Saltatio Mortis, bedeuten, dass der Track, den wir covern würden immer der meistgehörte Track auf Spotify wäre. Wir würden dann eine Band über einen Song definieren, der gar nicht von uns ist. Deshalb haben wir das abgelehnt. Die Band war dann nicht angepisst, wir hatten nämlich Angst, dass dann die Tour ins Wankeln gerät oder so. Die haben das aber total sportlich genommen und alles war cool. Dementsprechend freue ich mich riesig auf diese Tour.

Kevin | MC: Mit welchen drei Bands, würdest du gerne einmal auf Tour gehen?

Luca: Drei darf ich mitnehmen? Punkt eins, steht völlig außer Frage, ist Queen. Ich würde auf jeden Fall die alte Queen-Band mit Freddy Mercury auf Tour nehmen, weil es für mich das krasseste Musik-Epos ist, was es jemals gegeben hat. Ich würde mir einen Arm abhacken lassen, um mit Freddy ein Glas Wein trinken zu können und ihn einfach ein paar Sachen zu fragen.

Nummer zwei: Ich bin momentan wahnsinnig verliebt in Highly Suspect. Eine unfassbar krasse Band. Bei der dritten Band wäre ich hin und her gerissen zwischen Thrice, weil es mich musikalisch einfach total inspiriert und die diese krass energiegeladene Melancholie einfach haben, oder, was ich tatsächlich nie für möglich gehalten hätte — ich schiebe momentan einen ganz schlimmen Slipknot-Film.

Aus irgendeinem Grund hat mich das gepackt und ich höre das den ganzen Tag. Je länger ich die Band höre, desto sicherer bin ich mir, dass Corey Taylor nach Freddy Mercury einfach der Beste aller Zeiten ist. Der macht mich wahnsinnig. Ich finde ihn stellenweise so gut, dass ich anfange ihn zu hassen! Das ist vielleicht wieder dieses Psychopathen-Ding.

Aber warte! Ich revidiere mich! Um es für das Publikum interessanter zu machen, nehme ich Queen, Slipknot und dann packen wir dazwischen noch Eminem. Ich glaube dann ist das perfekte Festival-Line-up fertig.

Foto: Robella Art Photography / Offizielles Pressebild

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