Live

Alternative

Live bei: The Midnight & Violet Days in Köln (04.11.2019)

Manchmal darf es auch Synthwave sein.

VON AM 10/11/2019

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau im letzten Jahr mir mein Freund Tilo The Midnight zum ersten Mal gezeigt hat. Wie das Ganze aber damals abgelaufen ist, daran kann ich mich noch genau erinnern. „Ey Jungs, ich muss euch da mal unbedingt was zeigen!“ Ein ganz normaler Abend unter Freunden mit laufender Musik nebenbei, am Ende inklusive der Musik des Synthwave-Duos aus Kalifornien in Dauerschleife, das mich seitdem nicht mehr so richtig losgelassen hat.

Ok, normalerweise höre ich eher nicht solche Musik, The Midnight haben mich aber mit dem ersten Song, damals war es „Sunset“, sofort gepackt. Die Mischung aus Synthwave und Pop, gepaart mit E-Drums und Saxophon-Parts sowie der glasklaren Stimme von Sänger Tyler Lyle. Das passt, und zwar in Perfektion. Durch die Band aus Los Angeles ist Retro-Synthie-Sound endlich wieder präsenter. Singer/Songwriter Tyler Lyle und der dänischstämmige Produzent Tim McEwan verschmelzen in ihrer Musik elektronische Instrumente in einer wahrlich unwiderstehlich dunklen Ausstrahlung, das sogar der vermeintliche Genre-Kritiker nochmal genauer hinhört.

Natürlich erinnert die Musik an alte Zeiten und Filmstreifen aus den 80ern, und das soll sie auch, nutzt die Band in ihren Musikvideos doch immer wieder Szenen dieser. Das Thema Reminiszenz, also das Erinnern an etwas Vergangenes, spielt bei dem Duo aus den Staaten sowieso eine große Rolle, geht es bei der Musik doch um die unbeschwert freien Momente der Kindheit und Jugend.

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Nachdem Lyle und McEwan 2012 zusammen den US-Thriller „Drive“ gesehen hatten, war der zukünftige Sound der Band klar und diese umgehend gegründet. Zwei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlichte die Band ihr erstes Album „Days of Thunder“, zwei Jahre später folgte mit „Endless Summer“ die zweite Auskopplung, welche unter anderem ein Duett mit der US-amerikanischen Sängerin Nikki Flores beinhaltete.

Im Oktober 2017 erblickte schließlich Album Nr. 3 „Nocturnal“ das Licht der Welt. Im Sommer davor spielte das Duo übrigens erst seine erste Live-Show, seitdem hält die Band immer größere Shows mit Künstlern aus dem Genre ab. Im September 2018 erschien dann mit „Kids“ das vierte Album der Band. Nach einer ausverkauften Show im Berliner Festsaal im Februar dieses Jahres, war es nun am vergangenen Montag endlich soweit, die Band aus den Staaten im ausverkauften Luxor endlich das erste Mal live zu sehen.

Wie die Show ablief, lest ihr in den kommenden Zeilen. Kleiner Fun Fact vorab: Selbst entdeckt hatte mein Freund Tilo die Band übrigens nicht, sondern kam über einen Insta-Story-Post von Tobias Rische von Alazka auf die Band. Soll nochmal jemand vermuten, Core-Sänger würden nur ihre eigene Musik hören.

Das Publikum im Luxor ist an diesem Abend im Durchschnitt 25+ Jahre alt. Ein Verweis darauf, dass hier zumindest noch einige Leute mit der Musik der 80er aufgewachsen sind. Auch wir sind gekommen, um zu tanzen, zu singen und um uns entführen zu lassen, in eine längst vergangene Ära aus Kassettenrekordern, Neontanktops, Klettverschlüssen und Kaugummis für 10 Pfennig aus dem Automaten.





Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Violet Days

Doch bevor die Gäste des ausverkauften Luxors in den Genuss der Hauptprotagonisten des Abends kommen, heißt es erstmal Violet Days (kein n, nicht Violent) eine Chance zu geben. Das Trio aus Schweden wird zunächst mit eher skeptischem Applaus empfangen. Schnell wird aber klar: Die Dame, die da vorne auf der Bühne steht, sieht nicht nur hübsch aus, die kann auch was. Und zwar singen. Aber wie. Und auch der Sound, der im Luxor gerne mal mehr als eine Autolänge daneben liegt, ist „on point“. Tut sich das Publikum anfänglich noch schwer, so scheint es lediglich die Skepsis einer 9-5 Generation zu sein, die alles schon einmal gesehen oder gehört hat.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Spätestens beim dritten Song ist allen Gästen aber aufgefallen: Dieser Opener ist nicht zu unterschätzen. Gekonnt ins lila-pink-blaue LED-Licht der Venue gesetzt, tänzelt die gut gelaunte Frontfrau über die Bühne, lacht, kommuniziert mit dem Publikum und vor allem, singt, als gäbe es keinen Morgen mehr. Musikalisch reiten Violet Days nicht ganz auf der Synth-Wave mit, eher wirken sie modern, poppig und tauglich für große Clubs und Radios, obgleich auch sie sich elektronischer Elemente bedienen. Bei „Forever Young“ (Cover) kann dann wirklich jeder mitsingen und tut dies auch. Nur selten habe ich mich so sehr über ein langes Set einer mir unbekannten Vorband gefreut. Ganze 45 Minuten lang kommen wir in den Genuss von Violet Days und ich bin mir ganz sicher, von den drei sympathischen Künstlern schon bald wieder etwas zu hören.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

The Midnight

Die allseits unbeliebte Umbaupause zieht sich im Folgenden ins Unendliche. Das Luxor ist nun brechend voll, die Luft flirrt vor angespannter Erwartung. Dann gehen die Lichter endlich alle aus und die ersten Töne von Keyboard-Samples erklingen. Der Prolog „The Years“ erklingt mit einer klimpernden, kleinen Melodie. Erstaunlicherweise bleibt das Publikum jedoch fast unbeweglich. Schon ein sachtes Kopfnicken scheint vielen zu viel abzuverlangen. Trotzdem kleben sie an den Lippen von Tyler Lyle und säuseln scheinbar doch wenigstens ein wenig die Songtexte mit. Richtig getanzt wird jedoch nicht. Aber jeder erlebt bekanntlich ein Konzert anders und auch ich genieße mit geschlossenen Augen Songs wie „Jason“ oder „Days Of Thunder“, die bereits zum Einstieg des Abends performt werden.




Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

The Midnight ist eine grundsympatische Ausstrahlung nicht abzusprechen, auf der Bühne herrscht Bewegung und besonders die Tanzmoves erwecken große Emotionen in meinem Gesicht. Rockstar-Posen gibt es inklusive, aber das ganz ohne überheblich zu wirken. „Vampires“ und „Monsters“ werden gespielt und zur Freude vieler ein Track, mit dem anscheinend nicht jeder gerechnet hat, wenn man denn die Jubelrufe wertet: „Crystalline“. Bei „America 2“ erklärt Fronter Tyler, dass dies der Song für all diejenigen ist, die oft unbemerkt und ungesehen durchs Leben gehen, aber nie aufgeben.

The Midnight
The Midnight
The Midnight
The Midnight
The Midnight

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

In den vorderen Reihen der Menge lässt anschließend jemand eine Amerika-Flagge wehen. Spätesten beim darauffolgenden Song „Los Angeles“ kommt in mir das „California Dreaming“ auf. The Midnight schaffen es mit ihrem Set, das Luxor auf Zeitreise zu schicken, auch wenn sie neu, frisch und unverbraucht daher kommen. Ein Konzept was nahtlos aufgeht und dies auch ohne wildes Tanzen vor der Bühne.

The Midnight

The Midnight
The Midnight

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Die Band verabschiedet sich zur obligatorischen Pause und die Zugabe-Rufe lassen nicht lange auf sich warten. Anders als in anderen Städten zuvor, muss Köln heute Abend leider auf den Track „Brooklyn“ verzichten. The Midnight beschließen schließlich nach nicht ganz 1,5 Stunden ihren Auftritt, nein vielmehr ihre Performance-Darbietung, mit „Sunset“. Wie sollte es auch anders sein. Der Teenie in mir und auch die „erwachsene Person“ sind heute Abend beide auf ihre Kosten gekommen. Ein durchaus rundes Konzert, mit emotionalen Höhen und Tiefen. Es bleibt zu vermuten, dass dies der letzte Abend war, an dem man The Midnight in einer so kleinen Venue erleben durfte. Es sei ihnen gegönnt.

The Midnight
The Midnight
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Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

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Possibly my favorite picture of this week's show by @themidnightofficial in Cologne at the sold-out Luxor club. I've been excited for months to witness this experience and I wasn't disappointed 😍. The review by my colleague @cateyephotography with a lot more pictures by yours truly also of @violetdaysofficial will see the light of day soon at MoreCore.de. Picture taken for @morecore.de. _________________________ #themidnight #timmcewan #luxorköln #luxor #luxorcologne #htbarp #concertphotography #concertphotographer #musicphotography #musicphotographer #zeisscameralenses #sonyzeisssonnar55mmf18 #audioloveofficial #sonyalpha7iii #sonydeutschland #sonya7iii #sonyalphashooter #germanalphas #sonyalphagallery #fromthepit #frontstage #morecore #paradigmagency #freetradeagency #synthwave

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Einleitung: Jonas Happel
Bericht: Karoline Schäfer

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