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HardcoreMetalcore

Live bei: Knocked Loose in Köln (26.02.2024)

KNOCKED LOOSE MOTHERF*CKER: PART II.

VON AM 05/03/2024

Es ist kein Jahr her, dass uns Knocked Loose im Zuge ihrer letztjährigen Festival-Tour auch in ein paar ausgewählten Clubs besucht haben. Mit den bis dahin zuletzt veröffentlichten „Upon Loss Singles“ warteten Fans und solche, die es noch werden sollten, trotzdem bereits sehnsüchtig auf die Ankündigung eines neuen Albums und einer anschließenden Tour.

So gut war die Show von Knocked Loose

Aus diesem Grund kam die Ankündigung einer UK/EU-Clubtour 2024 ohne neues Album tatsächlich etwas überraschend. Mindestens genauso überraschend wie das ungewöhnliche, aber auch frische Support-Lineup bestehend aus Deafheaven aus den USA und Headbussa aus Frankreich. Mit dieser Verstärkung im Rücken ging es für Knocked Loose im Frühjahr 2024 in ihre Europa-Tour und die Jungs machten dabei auch wieder in Köln Halt. Dieses Mal ging es in die Live Music Hall im Stadtteil Ehrenfeld.

Headbussa

Vorab muss ich mich bei den Underground Hardcore- und Beatdowns-Fans entschuldigen. Ich habe Headbussa vor der Tour massiv unterschätzt. Soweit präsentierte sie sich mit ihrem Jogginghosen-Beatdown eher als eine Band, die vor allem lokale Jugendzentren sowie Pubs füllt und dessen Fans diverse Heizkörper in Mitleidenschaft zieht. Entgegen diesem Eindruck fühlten sich die fünf Herren aus Paris auch auf der Bühne vor mehr als 1000 Menschen wohl und bügelten mit ihrem stumpfen Sound über das noch müde Publikum. Mit einem Shattered Realm-Cover im Anschlag sowie einem herausfordernden „Germany used to be about beatdown, show me what’s left about it“, holten die Franzosen auch den letzten Skeptiker aus der Reserve und sorgten für eine mehr als passenden Start in den Abend.

Headbussa
Headbussa
Headbussa
Headbussa
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Deafheaven

Als einer der polarisierenden Bands der 2010er-Jahre waren Deafheaven mit ihrer Mischung aus Indie, Shoegaze und Black Metal (genannt „Blackgaze) einer der letzten Bands, die ich im Line-Up dieser Tour erwartet hätte. Trotzdem brachte diese Auswahl als Support eine gewisse Abwechslung in das Tour-Line-up, welche ich in dieser Größenordnung mittlerweile nur zu oft vermisse. Umso extremer wirkte meine Gänsehaut, als die Band die Bühne mit Ihrem ersten Song „Brought To The Water“ betrat. Eine unglaublich düstere Atmosphäre und Bösartigkeit zog trotz einer für meine Verhältnisse zu hellen Bühne, durch den Raum und ließ den zuvor bei Headbussa eröffneten Moshpit vorerst vor Schock oder Ehrfurcht erstarren. Mit seiner massiven Präsenz und den passend abgestimmten Gestikulation, zog Sänger George Clark die Menschen in seinen Bann zog und erinnerte mich dabei immer wieder an die Bühnenpersona des verstorbenen Mitch Lucker (Suicide Silence). Big Stretch, aber eingefleischte Deafheaven-Fans mögen mir diesen blasphemischen Vergleich verzeihen.

Deafheaven
Deafheaven
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Zehnjähriges für Sunbather und starke Kontraste

Dank des zehnjährigen Jubiläums des Albums „Sunbather“ durften der Titeltrack als auch „Dream House“ als letzter Song natürlich nicht fehlen. Mit ihrem Sound, den ich nur als okkulte Ambivalenz bezeichnen kann, hoben sich Deafheaven definitiv vom Sound der anderen beiden Bands ab, was zu starken Kontrasten innerhalb des Publikums führte. Trotzdem hätte ich mir mehr Beifall für die Band gewünscht, da sie sich trotz ihres gewissen Status als Black Metal-Outcasts ebenfalls als unglaublich sympathisch und dankbar zeigten. Nach „nur“ 5 Songs, von denen sich wohlgemerkt keiner unter 5 Minuten Spielzeit befindet, verließen die Kalifornier die Bühne und ließen sicher einige offenen Münder zurück. Ob diese, welche für viele die erste Berührung mit Black Metal und Shoegaze war, weitere Früchte trägt, wird’s sich sicherlich zeigen. Für mich war es auf jeden Fall ein einzigartiges Erlebnis Deafheaven das erste Mal live zu erleben und ich bin mir sicher, dass es dabei nicht bleiben wird.

Deafheaven
Deafheaven
Deafheaven
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Knocked Loose

An dieser Stelle ich mir ernsthaft die Frage, warum ich von dieser Band noch Live-Reviews schreibe. Kurz gesagt: Knocked Loose can’t miss. Begonnen mit dem passenden Opener „Deep In The Willow“, dessen Intro den Puls direkt in Wallung bringt. Spätestens zu „Knocked Loose Motherfucker“ explodierte der Raum und das Publikum zwischen Bühne und FOH wechselte endlich den Aggregatzustand von fest zu flüssig. Dazu präsentierte sich Gitarrist und Fashion-Legende Isaac Hale stilsicher im schwarzen Crop-Top unterhalb der massiven siebensaitige Ibanez Iceman.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Die passenden Mosh-Ups

Mit einem perfekten Übergang ging es weiter in „Where Light Divides The Holer“, „God Knows“ und „Deadringer“. Kaum jemand verlieb bis zur ersten Ansprache von Sänger Brian Garris an seinem Platz. Nach der üblichen Vorstellung und Gepflogenheiten sowie dem Hit „Trapped In The Grasp Of A Memory“ möchte ich an dieser Stelle sagen, wie hart die Kombination aus dem Intro von „Forget Your Name“ und „Belleville“ abgeht. Kaum etwas öffnet bei mir so die Tore, wie dieses kurze, aber effektive „Mosh-Up“ der beiden Songs von „A Different Shade Of Blue“.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Knocked Loose und blendender Glaube

Etwas weiter im Kontext überraschten uns Knocked Loose mit der bis dahin noch unbekannten ersten Single ihres neuen Albums „You Won’t Go Before You’re Supposed To“ namens „Blinding Faith“. Diese wurde auch bereits ohne namentliche Erwähnung auf den vorangegangenen Tourdates präsentiert, sorgte aber verständlicherweise nicht für die gleiche Reaktion beim Publikum wie die bekannten Hits. Trotzdem lieferte „Blinding Faith“ mit seinem klaustrophobischen Intro, tragenden Groove in den Strophen und seinem jetzt schon ikonischen Aufbau vor dem finalen Breakdown für den nötigen Adrenalinkick. Selten hat ein brandneuer Song solch eine Reaktion aus einem deutschen Publikum herausgekitzelt.

Knocked Loose

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Wenn alle schubsen, bleibt auch niemand ruhig stehen.

Danach ging es in einen Endspurt der keine Wünsche offen ließ: „All My Friends“, „Mistakes Like Fractures“, „Billy No Mates“ und natürlich „Counting Worms“ holten nochmal alles aus dem Publikum heraus. Hier muss auch nochmal die Synergie des Duos Brian Garris und Isaac Hale hervorgehoben werden, welche mir ihre Ansage den schmalen Grat zwischen anstachelnden Floskeln und gelebter Überheblichkeit balancieren. Dabei vielen Ausrufe wie „I need the scariest dudes in the pit“, „Violence! Violence!“ als auch der Klassiker „Look at the person next to you and start pushing. PUSH! Everybody moves!“. Fast schon sektenhaft folgte das Publikum ihren Anweisungen.

Knocked Loose
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Mal wieder viel zu heftig

Schlussendlich gab es mit „Everything Is Quiet Now“ keine Zugabe, sondern nur noch Mosh und Wall Of Death. Knocked Loose sind immer die Garantie für eine gute Liveshow. Egal, ob erste Reihe, Moshpit oder dem Ü30er-Bereich auf der anderen Seite des Raumes, niemand kann sich der Intensität und der Präsenz dieser Band entziehen. Eine perfekte Metal-/Hardcore-Show mit dem perfekten Song-Portfolio und den perfekten Musikern, die ihr Handwerk genau verstehen.

 

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Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

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