Review

Pop-Punk Post-Hardcore

Kritik: Story of the Year – „A.R.S.O.N.“

Auf „A.R.S.O.N.“ blitzen immer wieder starke Momente auf – und dann nimmt der Hochglanzsound ihnen direkt den Punch.

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Story of the Year werden gern mal in die Nostalgie-Schublade gesteckt: „Early-2000s-Emo- und Pop-Punk, ‚Until The Day I Die‘, fertig.“ Das wird der seit fast einem Vierteljahrhundert aktiven Band aber nicht gerecht. Sie kommen zwar aus genau dieser Ära, verkörperten aber nie nur dieses eine Gefühl: Schon damals war da neben den großen Refrains immer auch die härtere Kante. Danach: kein linearer Weg, mal mehr Alt-Rock, mal mehr Experiment, mal Rückbesinnung.

Spätestens mit dem starken „Tear Me To Pieces“ (2023) wirkte es aber so, als hätten Story of the Year sich gefunden, ihren zweiten Frühling erwischt. Nostalgiegefühle kombiniert mit modernem Sound. Und genau da setzt „A.R.S.O.N.“ (steht für „All Rage, Still Only Numb“) jetzt an – nur mit noch mehr „wir klingen nach 2026, ob du willst oder nicht“.

Mehr modernes Post-Hardcore-Gewand, mehr Metalcore-Schub, mehr klinisch präzise Produktion.

„Gasoline“ als erstes Highlight – und ein frühes Lowlight

Mit „Gasoline (All Rage Still Only Numb)“ startet die Platte genau so, wie man sich das wünscht: Druck auf der Gitarre, bissige Drums, Dan Marsala shoutet aggressiv, dazu ein Refrain, der den Track auf Hit trimmt – und das auch schafft, ohne ihn direkt in eine Popnummer zu verwandeln.

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Auch das folgende „Disconnected“ funktioniert grundsätzlich. Hymnisch, melodisch, stadiongroß – aber in seiner Hochglanz-Ästhetik auch einen Tick zu sauber. Und genau das ist der Punkt, an dem sich Fans der frühen Alben reiben werden: „A.R.S.O.N.“ steht sich mit seiner sehr aufgeräumten, cleanen Modern-Rock-Produktion oft selbst im Weg. Die Ecken und Kanten werden abgeschliffen, bevor sie überhaupt ihre Schärfe zeigen dürfen.

Ganz besonders auffällig wird das zum Beispiel beim furchtbaren „See Through“. Der Mix vergräbt die Vocals unter Layern und Effekten, bis man sich fragt, ob man da wirklich Dan Marsala hört. Die Hook kann noch so catchy sein – wenn der Charakter wegproduziert wird, bleibt am Ende ein Song, der sich anfühlt wie ein gutes Demo, das im Mix erstickt wurde. Und das ist so bitter, weil Story of the Year eigentlich zu den Bands gehören, die auch von der klaren Handschrift ihres Frontmannes leben.

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Jacoby Shaddix schaut vorbei

Zum Glück gibt’s auf der Platte auch immer wieder Momente, in denen die Hochglanz-Politur nicht alles plattmacht. „Fall Away“ (mit Jacoby Shaddix von Papa Roach) beispielsweise: Die Feature-Idee ergibt Sinn, weil beide Seiten genau diese Mischung aus Aggression und dicker Hook verkörpern – und genau so funktioniert der Track auch. Call-and-response, Druck im Midtempo, gezielte Ausbrüche, kein unnötiges Gefrickel. Das ist nicht revolutionär, aber es ist effektiv.

Auch „Into The Dark“ fällt in diese Kategorie: Post-Hardcore-Midtempo, hymnischer Refrain, dann mal kurz Dreck rein. Es blitzen Parallelen zu aktuellen Silverstein auf.

„3 am“ ist der spaßigste Song der Platte: leichtfüßig, tanzbar, uplifting – ein Song, der nicht zu viel will und genau deshalb angenehm durchgeht.

Im Kontrast dazu stehen dann „My Religion“ und „Halos“. Midtempo-Nummern, die nicht weh tun – aber viel zu wenig Eigenprofil haben, um zwischen den starken Momenten zu bestehen. Die Songs sind so clean und so „richtig“ gebaut, dass sie schließlich nur noch sofort vergessene Austauschware sind. Immerhin wecken die harschen Vocals auf „Halos“ noch einmal auf.

Weniger wäre bei „A.R.S.O.N.“ oft mehr gewesen …

Mit dem abschließenden Song-Trio wird dann noch einmal klar, dass weniger manchmal mehr ist – nicht nur in Hinblick auf die Produktion, sondern auch auf die Länge des (mit elf Songs ohnehin schon nicht überlangen) Albums.

„Good for Me / Feel so Bad“ ist ein weiterer „joa, funktioniert irgendwie, aber haut echt nicht um“-Filler. „Better Than High“ ist die einzige richtige Ballade auf „A.R.S.O.N.“ – und nein, Freunde. High würde das Ding vielleicht noch irgendwie Spaß machen. Aber so? Viel Akustik, sanfte Vocals und vor allem: sehr langweilig.

„I Don’t Wanna Feel Like This Anymore“ als Abschluss ist dann keine Katastrophe, fühlt sich aber fehl am Platz an: eine mit einigen härteren Ausbrüchen verzierte Halbballade, die nach perfekt als Bonustrack von Thirty Seconds To Mars‘ „A Beautiful Lie“ (2005) funktioniert hätte – aber nun mal nicht als finaler Track einer 2026er Story-of-the-Year-Platte.

Foto: Ryan Smith / Offizielles Pressebild

ALBUM
A.R.S.O.N.
Künstler: Story of the Year

Erscheinungsdatum: 13.02.2026
Genre: , ,
Label: SharpTone Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Gasoline (All Rage Still Only Numb)
  2. Disconnected
  3. See Through
  4. Fall Away
  5. 3 am
  6. Into The Dark
  7. My Religion
  8. Halos
  9. Good for Me / Feel so Bad
  10. Better Than High
  11. I Don’t Wanna Feel Like This Anymore
Story Of The Year A.R.S.O.N.
Story Of The Year A.R.S.O.N.
5.5
FAZIT
„A.R.S.O.N.“ ist kein schlechtes Album, erreicht aber leider auch nie die Klasse des Vorgängers. Die Platte hat ein paar klare Highlights („Gasoline“, „Fall Away“, „Into The Dark“), aber zu viele Songs dürfen unter dem Hochglanzlack der modernen Produktion nicht atmen, ihr songwriterisches Potenzial nicht entfalten. Story of the Year klingen 2026 zu oft zu clean, zu selten zwingend.