Album
30/01/2026
Review
Alternative Rock
Kritik: Softcult - "When A Flower Doesn’t Grow"
Laut im inneren, leise im Ausruck: „When A Flower Doesn’t Grow“
VON
Markus Seibel
AM 02/02/2026
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Mit ihrem Debütalbum „When A Flower Doesn’t Grow“ liefern Softcult ein bemerkenswert geschlossenes Statement innerhalb der aktuellen Modern-Grunge-Landschaft ab. Die kanadischen Geschwister Mercedes Arn-Horn und Phoenix Arn-Horn beweisen darauf eindrucksvoll, dass sie weit mehr sind als ein weiteres nostalgisches Gitarrenprojekt. Bereits die Vorabsingle „Queen Of Nothing“ deutete an, wohin die Reise geht: Nach innen, aber mit klarem Blick auf gesellschaftliche Zwänge. Das Album wirkt dabei nie überladen, sondern bewusst fokussiert und atmosphärisch dicht.
Softcult setzen auf emotionale Tiefe statt plakative Refrains. Diese Zurückhaltung ist eine der größten Stärken der Platte. Die Songs entfalten ihre Wirkung langsam und nachhaltig. Dabei bleibt stets eine gewisse Spannung erhalten. Das Debüt verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese aber reichlich. „When A Flower Doesn’t Grow“ ist kein Schnellkonsum, sondern ein Album zum Eintauchen.
softcult und die kraft der zurückhaltung
Musikalisch bewegen sich Softcult sicher auf dem Grat zwischen Grunge, Shoegaze und Alternative Rock. Fuzzige Gitarrenflächen bilden das Fundament vieler Stücke, ohne jemals erdrückend zu wirken. Darüber legen sich schwebende Melodien, die eher tragen als dominieren. Der Sound ist warm, aber zugleich rau und kantig. Immer wieder erinnern Texturen und Stimmungen an die 90er-Jahre, ohne in bloße Retro-Ästhetik abzurutschen. Vielmehr gelingt es den Geschwistern, vertraute Einflüsse zeitgemäß weiterzudenken. Besonders auffällig ist das feine Gespür für Dynamik. Leise Passagen erhalten genauso viel Raum wie druckvolle Ausbrüche. Die Arrangements bleiben dabei stets übersichtlich. Diese Klarheit verleiht dem Album eine starke innere Balance.
Inhaltlich kreist „When A Flower Doesn’t Grow“ um das Gefühl des Eingesperrtseins und die Sehnsucht nach persönlicher Entfaltung. Softcult verhandeln dabei sowohl intime Erfahrungen als auch universelle Themen. Es geht um innere Konflikte, gesellschaftliche Erwartungen und emotionale Selbstbehauptung. Die Texte sind direkt, aber nie platt formuliert. Vielmehr arbeiten sie mit Bildern, die Raum für eigene Interpretationen lassen.
Besonders „Queen Of Nothing“ sticht als emotionaler Kernpunkt des Albums hervor. Der Song thematisiert Selbstzweifel und Fremdbestimmung mit eindringlicher Klarheit. Dabei bleibt stets eine leise Hoffnung spürbar. Diese Ambivalenz zieht sich konsequent durch das gesamte Werk. Softcult schaffen es, persönliche Verletzlichkeit als Stärke zu inszenieren. Genau darin liegt die emotionale Schlagkraft des Albums.
Die zwillingsschwestern überzeugen auf albumlänge
Auch produktionstechnisch überzeugt das Debüt auf ganzer Linie. Phoenix übernimmt Produktion und Engineering selbst und sorgt für einen organischen, authentischen Klang. Nichts wirkt überpoliert oder künstlich verstärkt. Stattdessen steht die Atmosphäre im Mittelpunkt. Die Instrumente atmen und lassen den Songs Raum zur Entfaltung. Besonders die Gitarrenarbeit ist vielschichtig, ohne sich in Effekten zu verlieren. Die Rhythmussektion bleibt bewusst zurückhaltend und stabil. Dadurch erhalten die Songs eine fast meditative Grundspannung. Auch das Artwork fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein. Es unterstreicht die introspektive Ausrichtung des Albums. Diese konsequente Eigenständigkeit wirkt glaubwürdig und durchdacht.
Am Ende präsentiert sich „When A Flower Doesn’t Grow“ als starkes Debüt mit klarer künstlerischer Handschrift. Softcult beweisen Mut zur Reduktion und zur emotionalen Offenheit. Das Album richtet sich an Hörerinnen und Hörer, die Tiefe statt Oberflächlichkeit suchen. Es fordert Geduld, schenkt dafür aber nachhaltige Eindrücke. Gerade in seiner Unaufgeregtheit entfaltet das Werk große Wirkung. Das Duo verzichtet bewusst auf große Gesten und setzt stattdessen auf Authentizität. Diese Entscheidung zahlt sich aus. Das Album wirkt geschlossen, ehrlich und zeitlos. „When A Flower Doesn’t Grow“ markiert einen vielversprechenden Anfang. Man darf also gespannt sein, wie die Zwillingsschwestern ihren Weg weitergehen.
Foto: Kaylene Widdoes / Offizielles Pressebild
When A Flower Doesn’t Grow
Künstler: Softcult
Erscheinungsdatum: 30.01.2026
Genre: Alternative, Rock
Label: Easy Life Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc
- Intro
- Pill To Swallow
- Naive
- 16/25
- She Said, He Said
- Hurt Me
- Held You Like Glass
- Queen of Nothing
- Tired
- Not Sorry
- When A Flower Doesn't Grow
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