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06/02/2026
Review
Hardcore Metalcore
Kritik: Elwood Stray - Descending
Mehr als nur eine Eintagsfliege!
VON
Mauritz Hagemann
AM 22/01/2026
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Dass aus Elwood Stray eine Band wird, die ganz selbstverständlich große Festivals wie das Vainstream Rockfest bespielt und mit Stick To Your Guns auf Europatour geht, war nicht immer abzusehen. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung 2016 kam die Band nicht wirklich über den Status als local act hinaus. Doch 2022 änderte sich alles. Da nahm das Berliner Label Out of Line Music die Band aus Essen unter Vertrag. Das 2023 erschienene Album „Gone With The Flow“ sorge allerorts für Begeisterung und war der Grundstein für die oben genannten Meilensteine. Mit dem neuen Album „Descending“ will die Band jetzt an den Erfolg des Erstlings anknüpfen.
Elwood Stray bleiben sich treu
Das Album startet mit dem gut einminütigen Opener „Doom“. Elwood Stray stellen schnell klar, dass sich weder der unverkennbare instrumentale Sound noch die Stimme von Fronter Maik Nehrkorn verändert haben. Und das ist auch gut so. In „Evolve“ zeigt dann auch Gitarrist Fabian Petz, dass die Clean Vocals genau so eindringlich und mitreißend sind wie auf „Gone With The Flow“. Das erste Highlight der Platte ist dann ohne Frage „Shattered“. Hier beweisen Elwood Stray, weshalb sie zu einer der relevantesten deutschen Metalcore-Bands geworden sind. Sie geben sich weder im Sound noch im Songwriting mit all zu simplen Strukturen zufrieden, sondern bauen immer wieder Passagen ein, die weit über den Tellerrand des 08/15-Metalcore hinausgehen.
Ausgewogen im Sound und Songwriting
Ebenso wichtig wie das beschriebene ausgewogene Verhältnis im Sound und im Songwriting ist bei Elwood Stray das glückliche Händchen für Ohrwurm-Melodien. So braucht ein Song wie „Crocodile Tears“ nicht einmal 2 Umdrehungen, um sich im Gehörgang bequem zu machen. Dass Elwood Stray hier agieren, als seien sie schon seit Jahrzehnten im Geschäft, haben sie wohl auch ihrem Produzenten Christof Kempe zu verdanken. Kempe, der sich als Produzent sowohl um Bands aus dem Metalcore als auch aus dem Alternative Rock verdient gemacht hat, war auch am Songwriting beteiligt. Und genau das hört man auf „Descending“ mehr als deutlich. Elwood Stray haben eine klare Idee und einen klaren Plan, dies im Sound umzusetzen. So wird das Album nicht nur physisch zu einer runden Sache.
Gelungenes Feature und vielseitige Stimmen
„Error“ ist durch das Feature von Our Mirage-Sänger Timo Bonner ein guter Teaser für die anstehende Tour der beiden Bands. Bonners Gastspiel ist eine sehr gelungene Abwechslung. Doch dass es keine weiteren Feature-Gäste gibt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Denn die beiden Stimmen von Maik Nehrkorn und Fabian Petz sind ihrerseits vielseitig genug. Das zeigt sich unter anderem im tragenden und düsteren „Detached“. Der Song, mit dem das letzte Drittel der zehn Tracks langen Platte eröffnet wird, wirkt geradezu beruhigend. Ganz anders der wohl härteste Track der Platte „Ivory Tower“. Eine Spielzeit von 1:55 und ein Songwriting nach bester Hardcore-Manier zeigen, wo Elwood Stray ihre Wurzeln haben. Wer aus unerklärlichen Gründen dabei war, einzuschlafen, wird hier auf jeden Fall wachgerüttelt.
Der letzte Track „Genesis“ ist dann noch einmal ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr sich die Band weiterentwickelt hat. Der Song macht deutlich, dass Elwood Stray einerseits über die Grenzen des eigenen Genres hinausblicken, andererseits aber einen eigenen und unverkennbaren Sound gefunden haben. Und dafür brauchen viele Bands deutlich länger als nur zwei Alben. Apropos zwei Alben. Das zweite Album ist ja bekanntlich immer das schwerste. Doch Elwood Stray zeigen auf „Descending“, dass „Gone With The Flow“ kein Zufallsprodukt war. Die Band schafft es, kontinuierlich abzuliefern. Noch so etwas, dass andere Bands vermutlich nie schaffen werden.
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Foto: Elwood Stray/Offizielles Pressefoto
Descending
Künstler: Elwood Stray
Erscheinungsdatum: 23.01.2026
Genre: Metalcore, Post-Hardcore
Label: Out Of Line Music
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc
- Doom
- Evolve
- Shattered
- Crocodile Tears
- Error (feat. Our Mirage)
- Nevermind
- Detached
- Ivory Tower
- Neon Fade
- Genesis
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