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Zero 9:36: „Wenn es nicht schwierig ist, ist es wahrscheinlich nicht wertvoll“

Am 12. Dezember erscheint die neue EP.

VON AM 03/12/2025

Es gibt Künstler, die sich langsam entwickeln, und es gibt Zero 9:36. Jemand, der Wandel nicht nur akzeptiert, sondern aktiv sucht. Schon seit seinen ersten Veröffentlichungen bewegt er sich zwischen präzisen Raps, düsteren Gitarrenwänden und elektronischen Fragmenten, die sich wie kleine Brüche in der Oberfläche seiner Songs anfühlen.

Doch mit They Were Always Here steht nun eine EP an, die mehr ist als nur der nächste Schritt: Sie wirkt wie ein inneres Inventar, ein Rückblick auf Jahre voller Chaos, Wachstum und Kreativität.

Die Idee hinter dem Titel ist so unscheinbar wie kraftvoll. „Sonder“, also das Bewusstsein, dass jede Person ihr eigenes, komplexes Leben führt.

Für ZERO 9:36 bedeutet das auch: weiterschreiben, ohne Kompromisse, ohne Publikum im Kopf. „Ich kann nicht aufhören, die Songs zu schreiben, die ich schreiben möchte“, sagt er. In einer Welt, in der man ständig bewertet, verglichen und optimiert wird, wirkt dieser Gedanke fast rebellisch. Und doch hat er seine Musik dorthin geführt, wo sie heute ist.

 

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Kreative Freiheit als Lebenslinie

Wer ZERO 9:36 schon länger verfolgt, weiß, dass er Veränderung nicht inszeniert, er lebt sie. Die Pressemitteilung zur EP beschreibt ihn als „post-genre sonic insurgent“ , und selten hat eine Formulierung so gut gepasst. Er ist ein Künstler, der sich weigert, in Schubladen zu passen. Für ihn ist Entwicklung kein Risiko, sondern eine Notwendigkeit.

„Wenn Musik sich nicht verändert oder entwickelt, nimmst du dir die Chance zu wachsen – als Mensch und als Künstler.“

Das hört man deutlich in den neuen Stücken. „Holding On“, die jüngste Single, baut auf glitchigen Texturen und drängenden Gitarren auf, ein Sound, der ZERO 9:36 näher an den Rand des Zusammenbruchs führt und damit direkt in sein eigentliches Element. Zwischen emotionaler Zerrissenheit und melodischer Dringlichkeit entsteht ein Sound, der kompromisslos wirkt, aber nie kalt.

Und doch ist hier nichts überstürzt. ZERO 9:36 arbeitet in Zyklen: mal wochenlang tägliche Sessions, mal monatelange Pausen. „Ich werde niemals einen Song erzwingen“, erzählt er. Ein Prozess, der die EP zu einem organischen Gebilde macht, statt zu einem Produkt.

Momente, die hängen bleiben – und Songs, die schwerer tragen

Wenn ZERO 9:36 über das Herzstück der EP spricht, fällt immer wieder ein Titel: „Leave It All Behind“. Entstanden mit Gitarrist Coby, langjährigem Freund No Love und Charlie von Hollywood Undead, wurde schon das Instrumental zum Auslöser eines dieser seltenen Studio-Momente, in denen alle Beteiligten wissen, dass hier gerade etwas passiert.

Es ist nicht die einzige Kollaboration, die tief geht. Mit Ekoh verbindet ZERO 9:36 eine persönliche wie kreative Parallelentwicklung. „Withdrawals“ entstand ursprünglich in einer Session mit Witt von Cane Hill und Jonathan Dolese. Als er dann den Song hörte, war sofort klar, dass Ekoh fehlen würde. Kein Marketing-Move, kein Feature der Reichweite wegen. Sondern ein künstlerischer Reflex: Der Song braucht ihn.

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Emotionen, die nicht leicht sind – und genau deshalb zählen

ZERO 9:36s Lyrics fühlen sich oft an wie jemand, der mitten in einem Gespräch mit sich selbst ertappt wurde. Roh, wütend, hoffnungsvoll, müde, kämpferisch. Zwischen diesen Extremen findet They Were Always Here seinen emotionalen Kern.

„Nichts wird je einfach sein. Und wenn es nicht schwierig ist, ist es wahrscheinlich nicht wertvoll.“

Dieser Satz ist nicht nur Botschaft, sondern eine Art Zusammenfassung seiner letzten Jahre. Zwischen Radioplay-Erfolgen wie „Adrenaline“, diversen Touren und Kooperationen von Travis Barker bis Atreyu war ZERO 9:36 ständig in Bewegung. Aber nie nur aus Druck. Immer, weil er einen neuen Weg suchte.

Europa, Atreyu und der Moment, in dem alles real wurde

Seine Rückkehr nach Europa im Oktober, diesmal als Support von Atreyu, war für ZERO 9:36 weniger eine Wiederholung als eine Bestätigung. Denn der Moment, der ihm am stärksten geblieben ist, stammt aus einem anderen Abschnitt: seiner ersten europäischen Headline-Tour im Februar.

Da stand er plötzlich vor Menschenmengen in Städten, in denen er nie zuvor war, und hörte hunderte Stimmen seine Texte mitsingen. „Ich wusste nicht einmal, dass so viele Leute dort wussten, dass wir existieren.“ Ein Gefühl, das größer wirkt als jeder Chartplatz.

Der Blick nach vorne – ohne Zwischenstopp

Während They Were Always Here erst am 12. Dezember erscheint, denkt ZERO 9:36 längst weiter. Und zwar nicht metaphorisch. Sein Statement dazu ist so knapp wie eindeutig:

„Keine Pause – das nächste Album ist fast fertig.“

Kaum eine Aussage passt besser zu einem Künstler, der sich weigert, zu stagnieren. They Were Always Here wirkt wie eine Zäsur, aber keine Endstation. Eher ein Dokument darüber, dass ZERO 9:36 längst in Bewegung ist, bevor wir überhaupt merken, dass er losgelaufen ist.

Foto: Zero 9:36 / Offizielles Pressebild

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