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Interview

Stillstand!? Eine Gründung während Corona? – Wildfire Music

Eine Pandemie und die Szene.

VON AM 08/07/2021

Eine Konzertagentur- und Bookingagentur während einer Pandemie gründen? Das klingt schon ein bisschen verrückt, oder? Doch diesen mutigen Schritt haben 2020 Eric und Madlen von Wildfire Music aus Dresden gewagt.

Mit unserem Projekt „Stillstand?!“ wollen wir hinter die Kulissen schauen, herausfinden, wie die Szene mit einem Jahr Pandemie umgegangen ist und auch die „leisen“ Stimmen zu Wort kommen lassen. Um alles rund um die Backround-Story von Wildfire Music zu erfahren, haben wir die beiden zu einem Interview eingeladen.

„Stillstand?!“ – Unser Interview mit Wildfire Music

Anfang des Jahres waren sie noch optimistisch, dass Corona nicht so lange dauern würde und wie wahrscheinlich jeder von uns sind sie nicht davon ausgegangen, dass unser seither stetiger Virus-Wegbegleiter unser komplettes Leben auf den Kopf stellen würde. Die folgenden Monate haben sie eines Besseren belehrt.

Doch zu einer Gründung gehört eine ordentliche Portion Mut, Durchhaltevermögen und eine ganze Menge Leidenschaft, für das, wofür man brennt. Und genau aus diesen Gründen war Aufgeben auch während einer Pandemie keine Option für Eric und Madlen.

Die Idee einer Gründung schwirrte schon länger in Erics Kopf: „Nachdem durch den ersten großen Lockdown alle Projekte abgesagt wurden, der eigentliche Gründungstermin verschoben wurde und dann auch noch der eigentliche Mitgesellschafter abgesprungen ist, stand erstmal alles auf der Kippe.“ Doch dann kam Madlen mit ins Boot und Wildfire Music wurde zum Leben erweckt, mit dem Ziel, Konzerte zu veranstalten, Touren im Raum Sachsen und Thüringen zu buchen und ein bisschen Band-Promotion zu betreiben. Eric: „Unser Herz schlägt aber ganz klar für Konzerte.“

Hattet ihr im vergangenen Jahr Veranstaltungen und in wie weit musste bei der Durchführung umdisponiert werden?

Eric: Wir hatten 2020 keine Veranstaltungen, weil alles abgesagt bzw. verschoben werden musste – auch mehrfach. Durch die Absagen sind auch leider einige Bands nicht mehr verfügbar, weil sie zu anderen Terminen dann anderweitig verplant sind.

Wie ist das Verhältnis zwischen Verschiebung und Absage von Shows?

Madlen: Zum Glück konnte sehr viel verschoben werden. Es wurde dann meist auch schon von Anfang an mit einem Backup-Datum in der Hinterhand geplant. Sehr viel kam bei uns aber gar nicht erst zur Veröffentlichung.

Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden und was sollten Besucher:innen tun, damit in „naher“ Zukunft Veranstaltungen wieder möglich sind?

Madlen: In erster Linie natürlich erst mal an die bestehenden Hygieneregeln halten, wie Schutzmasken tragen. Jeder Person, der es möglich ist, sollte die Impfung als große Chance für Normalität in Anspruch nehmen. Außerdem finde ich die Platzeinteilungen wie bei den Picknick-Konzerten von Landstreicher Booking eine gute Alternative, um Veranstaltungen auch während der aktuellen Zeit möglich zu machen. Genau wie sie ist auch Eric der Meinung, dass jede:r auf sich und andere achten sollte und zu Hause bleiben sollte, wenn man Symptome verspürt.

Wie seht ihr die Rolle und die möglichen Entwicklungen von Livestreams?

Eric: Schwierig. Die Möglichkeit ist cool und Streams werden in Zukunft bestimmt auch noch eine Rolle spielen, aber sie ersetzen einfach nicht das Konzerterlebnis, was man kennt.

Welche Maßnahmen hätten in der Vergangenheit getroffen werden sollen? Was hättet ihr euch gewünscht?

Eric: Verkehrswege in andere Länder und alles, was nicht systemrelevant ist, hätte viel schneller dicht gemacht werden sollen. Ich bin ein absoluter Zero-Covid-Verfechter. Das sagt glaube alles.

Wie gestalten sich aktuell und zukünftig die Planungen mit internationalen Künstlern?

Eric: Long story short: sehr schwer. Alle Veranstaltungen mit internationalen Künstler:innen sind bis auf Weiteres verschoben oder abgesagt. Die Sommershows sind mit einigen geplant, aber die verschiedenen Einreisebestimmungen mit Quarantäne etc. machen die ganze Planung noch komplizierter.

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Wie groß sind aktuell eure Existenzängste?

Madlen: Da Wildfire Music sowohl für uns beide ein Nebenjob ist, halten sich die finanziellen Existenzängste in Grenzen. Durch die geringen Einnahmen müssen wir uns zwar dreimal überlegen, was realisiert werden kann, nichtsdestotrotz wird viel geplant und wir behalten uns unsere positive Stimmung bei.

Eric: Man ist halt in Therapie.. Man ist halt tatsächlich so weit, dass die Existenzängste einem den Schlaf rauben. Die Aussichten, im Sommer tolle Konzerte veranstalten zu können, nimmt einen aber mittlerweile viel Luft aus den Segeln. Aber was kommt danach? Zwei Konzerte im November, die einen aber nicht durch den Winter bringen werden.

Bemerkt ihr Preisauswirkungen?

Eric: Wir planen gerade zehn bis 15 coronakonforme Konzerte. Die Preise sind auf jeden Fall deutlich höher. Bei uns kommt aktuell bei jedem Ticket eine Gebühr dazu, die mit einem Verein (Dresdner Klubnetz) geteilt wird, der sich um die Clubs in Dresden kümmert. Das ist quasi ein Geschenk von uns an die Clubs.

Madlen: Die die Gäste nehmen diesen Preisanstieg gut an und haben Verständnis dafür.

Wie schnell habt ihr auf die Pandemie reagiert?

Eric: Ich bin nicht nur Konzertveranstalter, ich bin auch Konzertgänger mit Herz und war wöchentlich auf mindestens einer Show. Aus unternehmerischer Sicht haben wir insgesamt schnell reagiert, da unser Ticketpartner auch sehr schnell eingeschritten ist. Wir konnten letztes Jahr die Sommershows nicht mitnehmen, weil wir auch mit der Gründung noch nicht so weit waren.

Denkt ihr, dass sich Veranstaltungen in der Zukunft nun grundsätzlich ändern werden? Oder wird alles wieder so, wie es vor der Pandemie war? Und falls ja, was wird sich ändern?

Madlen: Ich hoffe, dass man so gut es geht, an die gewohnten Veranstaltungen vor der Pandemie herankommt, denn nie wieder schwitzige Shows in kleinen Clubs wäre wirklich schade! Sofern man dafür mit Tests und Kontaktdaten angeben arbeiten würde, wäre ich absolut bereit dazu.

Eric: Ich denke, dass sich die ganze Branche verändern wird oder sich teilweise schon geändert hat. Ich denke, es gibt auf jeden Fall Gewinner in der Branche, es gibt aber auch sehr viele Verlierer. Wie sich das Konzert verändern wird, wird sich zeigen. Ich gehe davon aus, dass sich die Maskenpflicht noch lange durchziehen wird . Wir werden uns auf jeden Fall darum kümmern, dass niemand deswegen ausgegrenzt wird. Und die Clubs werden definitiv sehr viel hygienischer als vorher.

Wie erfahrt ihr Solidarität oder Unterstützung eurer Besucher:innen? Welche Rückmeldungen habt ihr bekommen und was nehmt ihr davon für euch mit?

Madlen: Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen für die Gründung. Das hat uns echt überwältigt und bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Unterstützung erhalten wir über unsere Solitickets.

Eric: Wir bekommen sehr viel Rückhalt von Freunden, man spricht viel darüber, viele Leute machen Werbung für uns. Das gibt uns sehr viel Support und Rückhalt. Aus unternehmerischer Sicht arbeitet man viel mehr miteinander, ist vernetzter und tauscht sich insgesamt viel mehr aus. Unsere Solitickets laufen über einen Ticketanbieter, der natürlich auch einen Teil bekommt. Die gibt’s bei uns im Shop. Wer eines kaufen möchte, kann das sehr gerne tun – wir freuen uns über jede Unterstützung.

Habt ihr der MoreCore-Community sonst noch irgendetwas zu sagen?

Eric: MoreCore hat Cory Wells geteilt bzw. über ihn berichtet und er hat das Lied „Wildfire“ im November 2019 rausgebracht und dieses Lied hat in mir wieder dieses Feuer geweckt und somit Wildfire Music diesen Namen gegeben. Das wilde Feuer brennt nach zwei Jahren Abstinenz wieder und im Moment auch wieder stärker denn je. Und wenn ich eins durch die Pandemie gelernt habe, dann dass Musik einen auf jeden Fall immer weiterhilft.

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Bild: Offizielles Logo von Wildfire Music

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