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„Der ist nur bekannt, weil er Sohn von… ist“ – Warum es nicht verwerflich ist, von Vitamin B zu profitieren

Es geht nichts über Connections - auch in der Musikbranche.

VON AM 25/07/2022

Hand aufs Herz: Wer von uns hat Connections im Berufs- oder Privatleben noch nicht genutzt, um einen Schritt weiterzukommen? Und wieso genau sollten Musiker, Künstler oder Personen des öffentlichen Lebens das nicht machen dürfen, um sich den Weg zu ebnen? Die Slipknot-Sprösslinge Griffin Taylor (Sohn von Fronter Corey Taylor) und Simon Crahan (Nachwuchs von Percussionist Shawn „Clown“ Crahan) machen es mit ihrer Band Vended genauso und ehrlich gesagt genau richtig – und bekommen von der Öffentlichkeit trotzdem einen Shitstorm nach dem anderen.

Wenn der Papa bei Slipknot spielt – Fluch und Segen zugleich

Die Truppe schlägt musikalisch eindeutig in die gleiche Kerbe, wie Band ihrer Väter und ergatterte freilich auch einen Support-Slot bei der aktuellen EU-Tour von Slipknot. Dabei machen sie nicht nur den Opener bei den laufenden Headliner-Shows, sondern stehen auch auf der Bühne des allerersten Knotfest Germany und – man höre und staune – dem Wacken Open Air.

Ein krasses Ding für eine Band, die sich zwar bereits vor fünf Jahren gründete, allerdings erst 2021 ihre allererste Single auf den Markt brachte und seitdem nicht sooo viele Releases ihr Eigen nennen kann. Die Folge? Shitstorm über Shitstorm.

„Die haben es doch nur soweit geschafft, weil sie berühmte Väter haben.“
„Krasse Produktion für eine so junge Band. Wer da wohl die Finger im Spiel hatte?“
„Als ob sie es ohne Slipknot auf die Wacken-Bühne geschafft hätten.“

Ja, sicherlich alles wahr. Aber warum ist es verwerflich, Hilfe anzunehmen, wenn sie quasi mit einem selbst unter einem Dach lebt? Sprungbretter sind für jeden aufstrebenden Künstler wichtig. Genauso wie Sprungbretter auch im „normalen“ Berufsleben essenziell sind, um überhaupt mal Fuß zu fassen oder aufzusteigen.

Entsprechende Hate-Kommentare im Netz gehen im Übrigen auch an den Künstlern selbst nicht spurlos vorbei, ganz im Gegenteil. Griffin Taylor selbst erzählte vergangenes Jahr in einem Interview mit Knotfest.com, dass ihn das ganze (virtuelle) Gerede persönlich sehr treffe (via Metalsucks).

„[…] We do get backlash because of the comparison and the similarities. But we are different. And there have been times where I’ve read some hate comments on YouTube and I literally went into the bathtub, filled the bathtub up and just immediately started crying.“

Slipknot und Vended sind nur ein Beispiel für EINIGE Vitamin B-Verbindungen in der Branche – es gibt zahlreiche solcher Beispiele, bei denen die Bekanntheit einer nahestehenden Person dafür genutzt wird, um sich selbst ein klein bisschen mehr Fame aufzuschrauben. So what?

Von gemeinsamen Touren und geteilten Producern

So durfte beispielsweise Mod Sun mit Avril Lavigne auf Nordamerika-Tour gehen. Seit Frühjahr diesen Jahres sind die beiden Acts verlobt. Die neuen Tracks von Mod Sun haben einen eindeutigen Pop-Punk-Touch (Corey Taylor hasst diesen Trick), also macht ein Support-Slot bei der Live-Rutsche der Pop-Punk-Prinzessin doch nur Sinn. Und wenn man dann noch Reise- und Unterkunftskosten spart, ist das doch doppelt gut.

Gleiches gilt übrigens für die noch nicht allzu lang im Business etablierte Band Ded, deren Frontmann Joe Cotela der Lebensgefährte von In This Moment-Sängerin Maria Brink ist. Das neue Album der Truppe wurde von Kevin Churko produziert, der auch bei den Platten von In This Moment seine Finger im Spiel hatte. Ach und auf US-Tour waren die beiden Acts auch gemeinsam. Wir sind uns sicher, dass am Frühstückstisch im Hause Cotela/Brink noch haufenweise weiter solcher Pläne geschmiedet werden.

Das Potenzial von Vitamin B – und wieso es genutzt werden sollte

Um nochmal den Bogen zu „Sohn von“ zu spannen: Nicht nur die Slipknot-Söhne Griffin Taylor und Simon Crahan eifern ihren Dads nach. Auch der Nachwuchs von Mitgliedern von Metallica sowie Guns N‘ Roses fasste mittlerweile im Musik-Business Fuß. So machten Tye Trujillo, Sohn von Metallica-Bassist Robert Trujillo, und London Hudson, Nachwuchs von Guns N’ Roses-Gitarrist Slash, einige Zeit lang mit der Band Suspect208 (mittlerweile schon wieder aufgelöst) die Szene unsicher. Ein bisschen Push der Papis auf Social Media inklusive. Und dem Interesse der Presse nach zu urteilen, wurden hier auch ein paar Strippen in der Öffentlichkeitsarbeit gezogen.

Und im Hause Metallica tut sich noch mehr: James Hetfields Sohn Castor Hetfield startet gerade mit seiner Band Bastardane durch und die Kinder von Drummer Lars Ulrich, Myles und Layne Ulrich, launchten vor einer Weile ihre Band Taipei Houston. Woher wir das wissen? Na, weil die Presse darüber berichtet und das nicht zu wenig.

Push gab’s vor wenigen Wochen auch für die junge Sängerin Harper, die bei ihrer Darbietung des Spiritbox-Klassikers „Holy Roller“ bei der Castingshow America’s Got Talent die Jury und das Publikum sprachlos machte. Nach dem viralen Erfolg veröffentlichte die mittlerweile 10-jährige ihre eigene Single „Falling“ – produziert und gedreht von ihrem Stiefpapa Ben Lumber, auch bekannt als Sänger der britischen Band Acres. Obendrein durfte das Mädchen auch noch Spiritbox selbst kennenlernen und mit der Truppe bei einem Auftritt in UK performen. Kindheitserinnerungen, von denen sicherlich nicht allzu viele 10-jährige erzählen können.

Ganz ehrlich: Wenn wir so etwas lesen, dann wären wir auch sehr gerne „Sohn oder Tochter von“. Es geht eben nichts über Connections. Und egal, in welcher Branche man arbeitet – man wäre dämlich, wenn man Hilfe in Form von Vitamin B ausschlagen würde. Sorry, not sorry.

Bilder: YouTube / „Slipknot Holmdel, NJ 2021“ (li.) – Michael Watson (re.)

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