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Machine Gun Kelly und sein Song „maybe“ – Wer darf sich denn nun bei Paramore bedienen?
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Kolumne

Machine Gun Kelly und sein Song „maybe“ – Wer darf sich denn nun bei Paramore bedienen?

Eine Geschichte über’s mit zweierlei Maß messen.

Malin Jerome Weber/22. Mär. 2022· Aktualisiert 2. April/5 Min.Foto: YouTube / "Paramore: Misery Business [OFFICIAL VIDEO]" (li.) - "Machine Gun Kelly & Lil Wayne - ay! (Official Music Video)"
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Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.


Machine Gun Kelly hat vergangenen Mittwoch seinen neuen Song “maybe” rausgehauen. Der Track bildet die nächste Single seines kommenden Albums “mainstream sellout” (VÖ: 25.03.) und hat mit Bring Me The Horizon Gäste von großem Kaliber zu bieten.

So hört sich der Track an:

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Mehrere Sachen sind natürlich direkt klar: Mit seiner Umorientierung in Richtung des 2000er Pop-Punks hat sich Machine Gun Kelly weder ein Genre ausgesucht, das unbegrenzt viel Abwechslung oder Weiterentwicklungen bietet, noch gibt er sich seit “Tickets To My Downfall” (2020) überhaupt besonders viel Mühe, irgendetwas anderes zu bieten als Unterhaltungsmusik und Nostalgiegefühle.

Hat sich Machine Gun Kelly bei Paramore bedient?

Wie bereits erwähnt: Die Zutaten im klassischen Pop-Punk-Sound sind in soweit begrenzt, dass sich durchaus mal Parallelen bis hin zu absolut identischen Abschnitten in verschiedenen Songs von verschiedenen Artists feststellen lassen. Vor allem bei “maybe” erinnern der Vibe des Tracks, die Struktur sowie mehrere explizite Momente an eine der wohl größten Pop-Punk/Emo-Hymnen aller Zeiten.

Nämlich an “Misery Business” von Paramore aus dem Jahr 2007:

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Dass Machine Gun Kelly ein großer Fan des Songs ist, dürfte spätestens seit seinem 2020 veröffentlichten Cover unmissverständlich klar sein. Wenn man das Ganze musiktheoretisch ein wenig aufdröselt, sind die Parallelen sogar noch gravierender als man zunächst vom reinen Eindruck annehmen mag.

Nicht nur hat man im Chorus fast die gleiche Akkordstruktur bzw. die gleichen Akkorde in einer anderen Tonart; auch die zweite Chorushälfte und die Transition vom Chorus zum Main Riff sind nahezu identisch aufgebaut wie bei “Misery Business”. Von hier aus könnte man auch direkt bei den Drums oder den Strophen weitermachen – wenn man wollte.

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Ein absolutes Déjà Vu

Halt Stopp. Ich möchte hier direkt klarstellen, dass es mir in diesem Artikel nicht darum geht, Machine Gun Kelly dafür zu verurteilen, sich bei einem anderen Song bedient zu haben. Man kann das Rad nicht neu erfinden; eine Lektion, die ich selbst als Musiker und Songwriter relativ früh lernen musste.

Dennoch stehen immer wieder Bands und Künstler*innen im Kreuzfeuer, wenn es darum geht, wo die Grenze zwischen “inspirieren lassen” und “kopieren” liegt – und was von beidem erlaubt ist. Erst im letzten Jahr sah sich eine aufstrebende Künstlerin wegen angeblicher Parallelen zu “Misery Business” sogar mit einem Rechtsstreit konfrontiert.

Olivia Rodrigo mit ihrem Smash Hit “good 4 u”:

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Die 19-jährige Senkrechtstarterin musste sich vor allem für starke Ähnlichkeiten zwischen den Gesangsmelodien rechtfertigen. Was das Instrumentale angeht, besitzen alle drei Songs im Endeffekt dieselben Akkorde; dennoch sind die Parallelen zwischen “maybe” und “Misery Business” auf dieser Ebene meines Erachtens nach noch auffälliger als zu “good 4 u”. Aber genug davon, denn es gibt Leute, die euch das Ganze noch besser erklären können.

Das Thema wurde bereits in aller Ausführlichkeit behandelt

Der Jazz-Bassist und YouTuber Adam Neely veröffentlichte im vergangenen Jahr eine kritische Auseinandersetzung mit dem Rechtsstreit, die neben einer ausführlichen musiktheoretischen Analyse auch weitere Parallelen zu anderen Pop/Rock-Songs aufzeigt. Darüber hinaus behandelt er einige Statements von berühmten Künstler*innen (u.a. Adam Levine, Elvis Costello, Paramore selbst) zu der Debatte. Letztendlich kommt Neely zu dem Schluss, Olivia Rodrigo in Schutz zu nehmen und eine sehr interessante These aufzustellen.

“If we are the sum of our influences and can no longer add them together, what do we have left?”

Anschauen könnt ihr euch das ganze Video genau hier:

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Worauf möchte ich aber jetzt mit diesem Artikel hinaus? Mir geht es darum, dass die großen Headlines über Machine Gun Kelly gerade ausbleiben. Bis auf eine kurze Erwähnung in einem Blog-Artikel und ein Reddit-Thread scheint sich hier noch niemand so recht – vor allem nicht kritisch – zu dem Thema äußern.

Zugegebenermaßen ist der Track natürlich noch nicht lange draußen; dennoch keimt in mir die Befürchtung auf, dass Machine Gun Kelly sich nicht der gleichen Kontroverse stellen muss wie Olivia Rodrigo.

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Warum bezeichne ich das Ganze als Befürchtung? Natürlich wurde das Thema erst im letzten Jahr durchgekaut, aber Machine Gun Kelly jetzt nicht mit dem gleichen Shitstorm zu konfrontieren und ihm nicht wie im Falle von “good 4 u” noch die zusätzlichen Writing Credits für Paramore reinzudrücken, wäre für mich ein glasklarer Fall von “mit zweierlei Maß messen” – und dazu noch einer mit fiesem Beigeschmack. Denn eine 19-jährige Newcomerin ist in so einer Debatte ein viel dankbareres Opfer.

Wieder ein Fall von Sexismus in der Musikbranche?

Ich persönlich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass jetzt jemand aufstehen würde, um Machine Gun Kelly – einem weißen cis-Mann, der zwar wegen anderen Dingen in der Kritik steht, aber dennoch seit über zehn Jahren in der Branche ist – oder Travis Barker – ebenfalls einem weißen cis-Mann, der seit über 20 Jahren weltweit große Erfolge feiert – wegen so einer “kleinen Nichtigkeit” ans Bein zu pinkeln. Aber eine 19-jährige Singer-Songwriterin, die gerade mit ihrem ersten Album durchstartet und noch nicht so viel vorzuweisen hat?

Da fällt es gleich viel leichter, die Urteilskeule rauszuholen und darüber zu schimpfen, wie unkreativ Olivia Rodrigo doch sei. Und die eigentliche Pointe kommt ja noch. Denn am Ende geht es hier darum, dass beide Künstler*innen sich bei einer – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung – anderen 18-Jahre alten Frau und ihrer Band bedient haben.

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Gleiche Konsequenzen für alle

Ich betone es nochmal: Mir geht es null darum, ob hier ein Artist bei einem anderen Artist die Hausaufgaben ausgeliehen und dann ein bisschen verändert hat, damit es nicht zu sehr auffällt. Zum tausendsten Mal: Das kommt vor! Und nahezu jeder Rechtsfall in diese Richtung lässt mich nur noch genervt mit den Augen rollen.

Mir geht es darum, dass wenn die ASCAP (American Society of Composers, Authors and Publishers) schon der Meinung ist, dass sich Olivia Rodrigo unbedingt bei Paramore mit zusätzlichen Writing Credits für eigentlich relativ standardmäßiges Quellmaterial erkenntlich zeigen muss, sich auch ein Machine Gun Kelly den gleichen Konsequenzen zu stellen hat. Ich persönlich hoffe wirklich, dass es noch dazu kommt.

Bilder: YouTube / „Paramore: Misery Business [OFFICIAL VIDEO]“ (li.) – „Machine Gun Kelly & Lil Wayne – ay! (Official Music Video)“ (re.)

#Bring Me The Horizon#Corelumne#Machine Gun Kelly#Olivia Rodrigo#Paramore

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