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Eurovision Song Contest 2023: Deutschland, woran hat es gelegen?

Und warum Lord Of The Lost trotzdem auch als "Gewinner" von der Bühne gehen.

VON AM 14/05/2023

Der Eurovision Song Contest ist für viele ein Ereignis, sich über die Vielfalt der europäischen Musik zu informieren. Für andere dient der Contest einzig der Unterhaltung, für manche ist es das wichtigste Event des Jahres. Mit Lord Of The Lost schickte Deutschland eine Metal-Band in den ESC-Ring und auch Australien überraschte mit einem Kollektiv, das man erstmal so nicht erwartet hätte.

ESC 2023: Germany zero points?

 

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Das wars! Der ESC ist vorbei und Deutschland belegt erneut den letzten Platz. Ganze 3 Punkte aus der Jury Islands bekam die Performance von Lord Of The Lost.

Dazu gesellen sich 15 Punkte, die über das Televoting angerechnet wurden. Mit 18 Punkten hat man immerhin 3 mal so viele Votes bekommen wie 2022 und diese 6 Punkte für Malik Harris waren schon doppelt so viele wie 2021 für Jendrik (3 Punkte).

Doch schnell wird klar: Es reicht nur noch für den letzten Platz.

Woran hat es gelegen?

An Lord Of The Lost? Sicherlich nicht. Viel mehr zeichnet sich ab, dass Deutschland ein unbeliebter Kandidat ist. Während sich beispielsweise die skandinavischen oder die slawischen Länder gegenseitig mit Punkten garnieren, gibt es aus den Jurys der Nachbarländer nur einen einzigen Gnadenpunkt (Tscheschien). Aus der Schweiz und Österreich gab es zumindest ein paar Televoting-Punkte, die ebenfalls aus Finnland ihren Weg nach Deutschland fanden, aber am Ergebnis keinen Unterschied ausmachen konnten.

Man muss feststellen, dass Lord Of The Lost mit ihrer Show und ihren Outfits durchaus in den ESC passen. Lord Of The Lost zeigen sich selbstbewusst und Chris Harms liefert in seinen Gutturals eine starke Performance ab. Der Song „Blood & Glitter“ war vielleicht aber zu exotisch und insbesondere durch die Härte der Vocals vielleicht viele Menschen abgeschreckt hat. Das würde jedenfalls die geringen Publikumsvotes erklären und könnte auch einige Jurys beeinflusst haben.

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Was hat Australien besser gemacht?

Auffällig ist, dass Australien in fast jeder zweiten Juryrunde Punkte sammelte und sich auch über großzügige Punktvergaben freuen durfte. Beim Televoting schnitt Voyager allerdings ähnlich bescheiden ab, was die Band offensichtlich ebenfalls verwunderte. Mittlerweile ist klar, dass die Kombo aus Australien sogar das Halbfinale mit den meisten Stimmen gewann.

„Promise“ beginnt mit Synthesizern und einem ESC-Vibe, der sich auch in der Performance widerspiegelt. Bis auf einen Growl von Bassist Alex Canion im Breakdown des Songs, singt die Band durchgehend clean und baut darauf, dass die Power primär aus dem Instrumental kommt. Der Growl fungiert als stilistisches Stilmittel, das passt und auch von Nicht-Metal-Fans wohl kaum als störend aufgefasst werden wird.

Darüber hinaus zeigt die Prog-Band, dass sie ihre Instrumente beherrschen (auch wenn das im Playback natürlich immer blöd aussieht) und auch fern von externen Songwritern einen starken ESC-Track auf die Bühne gebracht haben. Alles in allem wirkte „Promise“ gut inszeniert und auf den Punkt gebracht, die Pop-Elemente im Sound kamen Voyager darüber hinaus zu Gute und wurden mit einem neunten Platz belohnt.

Warum Lord Of The Lost trotzdem auch als Gewinner von der Bühne gehen

Natürlich zeigt sich die Band um Chris Harms enttäuscht, denn auch für gestanndene Musiker fühlt sich ein letzter Platz hart an, wie er konsterniert nach der Show feststellt. Der Unterschied zwischen einem gecasteten Popsternchen und der Band aus Hamburg ist folgender: Lord Of The Lost gehen auf Tour und werden noch bekannter sein als vorher. Die Schuld des „Scheiterns“ wird man nicht bei ihnen suchen.

Viel zu sehr sticht die Band heraus. Entgegen vieler anderer haben sie sich eine Karriere aufgebaut, die den ESC als Zwischenstation mitnimmt, sich aber davon nicht abhängig machen wird. Wieso auch? Erfolg hat die Band zweifelsohne und gestern einige Zuschauer überrascht.

Eurovision Song Contest: Bands im Aufschwung?

Der gestrige Abend hat erneut gezeigt, dass es für eine Metal-Band an der Spitze des Contests noch nicht reicht. Dennoch fällt auf, dass Bands zunehmend Eingang in den Contest finden. Klammert man Lordi aus, die mit ihrer Hard Rock-Hymne 2006 gewannen, zeigen sich immer mehr Rock- und nun auch Metal-Bands, die sich auf die Bühne trauen und sich so einem weltweiten Publikum präsentieren.

Neben dem Welterfolg von Måneskin konnten Blind Channel mit einer Teilnahme 2021 ihre Karriere massiv ins Rollen bringen. Auch Lord Of The Lost sowie Voyager konnten die große Bühne nun nutzen, um lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Von der Jury wurde die Performance der Australier mit einer dreistelligen Punktzahl goutiert. Mit einem starken neunten Platz, sollte sich Australien überlegen, ob die Verträge mit dem ESC, die dieses Jahr auslaufen, nicht doch verlängert werden sollten.

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Was kommt beim ESC 2024?

Fakt ist, dass Deutschland über Jahre hinweg katastrophale Ergebnisse beim ESC erzielt. Das Experiment die Entscheidung, wer zum ESC fährt, transparenter werden zu lassen, hat auch nicht den erwünschten Effekt erzielt. Vielleicht ist es an der Zeit zu pausieren und auf eine Teilnahme im Jahr 2024 zu verzichten.

Die Gebühren zur Teilnahme am ESC halten sich zwar in Grenzen, doch sollte man sich im NDR die Frage stellen, ob man sich in diesem Kontext weiterhin zur Schau stellen lässt. Denn der gestrige Abend hat bewiesen, dass Deutschland beim ESC nichts geschenkt bekommt.

Ob sich am Ergebnis etwas geändert hätte, hätte man einen anderen Act zum Contest geschickt, bleibt fraglich. Letztlich können wir froh sein, von einer selbstbewussten Band wie Lord Of The Lost vertreten worden zu sein, denn für Ikke Hüftgold wäre es mit Sicherheit anders gekommen und zwar mit den magischen Worten: Germany Zero Points. Was die Twitter-Bubble zur „Lachnummer Europas“ und dem ESC zu sagen hat, findet ihr übrigens hier.

 

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Bild: YouTube / „Lord of the Lost – Blood & Glitter (LIVE) | Germany 🇩🇪 | Grand Final | Eurovision 2023“

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