Live

AlternativePost-HardcoreRock

Live bei: Taking Back Sunday, The Frights & Bloodhype in Köln

Eine Reise in die eigene Jugend.

VON AM 01/07/2019

Der Sommer ist nach Deutschland zurückgekehrt und die Temperaturen wecken Erinnerungen an vergangene Treffen mit Freunden an warmen Abenden am See, in der Stadt oder auf dem Balkon – einfach an gute Zeiten zusammen, an die man gerne zurückdenkt. In diese Gedankenkerbe schlugen am vergangenen Montag auch Taking Back Sunday, die Helden einer musikalisch-prägnanten Ära, zu denen ebenso Further Seems Forever, Mineral oder auch The Get Up Kids zählen.

Emo ist wieder heiß – zurecht. Die Band kam im Rahmen ihrer „Twenty!“ Welttournee für drei Shows nach Deutschland und Köln war die erste Station vor Berlin und Hamburg. Auf dem Plan stand, die Ausnahmeplatte „Tell All Your Friends“ in Gänze zu spielen und das Set mit weiteren Klassikern abzurunden.

Bloodhype

Mit dabei an diesem Abend waren die deutschen Bloodhype, die nicht ganz unbekannte Mannen in ihren Reihen haben – aber dazu später mehr – sowie die Kalifornier The Frights. Auf der Bühne des Gloria in der Kölner Innenstadt standen bereits alle drei Drumsets aufgebaut, was einen schnellen Change-Over versprechen sollte. Der Saal war angenehm temperiert und gegenüber Außentemperaturen von 33° eine Wohltat. Dennoch füllte sich der Raum zu Beginn um 20:00 Uhr nur zur Hälfte – maximal.


Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Bloodhype, allesamt recht fesche Typen mit Teenie-Schwarm-Appeal eröffneten den Abend und machten sowohl in ihren Ansagen wie auch kleinen Spielereien wie einer in den eigenen Song eingebaute Interpretation von „MakeDamnSure“ des Headliners klar, dass sie nicht nur Support, sondern auch Fans sind. An den Drums – und damit lösen wir den Hinweis eingangs auch auf – saß niemand geringeres als Chris Kohl, der hauptberuflich bei Jennifer Rostock die Felle trocken beizt. Dass ihr Sound auch – was sie in Interviews angeben – durch die 80er geprägt ist, wurde klar, als sie eine eigene Nummer mit dem Hauptthema von “Stranger Things” am Keyboard einläuteten.

Viel Pathos, manchmal vielleicht etwas zuviel, zeichnete der Alternative Rock-Sound um Elmar Weyland, Erik Laser, Matt Mueller und Chris Kohl aus, die die Inspiration für ihre Kollektivbezeichnung in einem Science Fiction-Roman von Alan Dean Foster aus den 70ern fanden, in dem es um “Bloodhype”, die wohl “gefährlichste Droge der Galaxie” geht. Davon muss einer der Gäste genascht haben, da er es wahrlich schaffte, noch beim letzten Song der ersten Band des Gebäudes verwiesen zu werden. Mit eigeninterpretierten Fragmenten von Whitney Houstons „I wanna dance with somebody“ und den Worten „Ich…oder wir waren Bloodhype!“ verabschiedete sich die Band und machte Platz für The Frights.

The Frights

Die kalifornischen The Frights hielten sich dann mit der Publikumsinteraktion stark zurück und setzten eher auf eine flotte Aneinanderreihung beschwingter Songs im Slacker-Americana-Indierock-Stil mit 60’s Rock ’n Roll-Einschlag – oder auch mal 10-Minuten-Nummern, in denen sie Jam Session-artig über drei Akkorde entweder improvisierten oder geplant solierten. Ganz klar wurde das dem unwissenden Hörer nicht.



Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Optisch passte Sänger Mikey Carnevale auch gut zum Bandsound. So trug er eine Badeshort, ein T-Shirt, weiße Socken in roten hohen Chucks und eine verlebte Baseball-Cap und hätte als Statist in “Wayne’s World” eine gute Figur gemacht. Die Band aus San Diego, die erst im April ihr Album „Live at the Observatory“ via Epitaph Records veröffentlichte hätte thematisch auch gut und gerne mit dem Turnstile-Ableger Angel Du$t touren können. Die gute Laune der Musik(er) schlug dann auch auf’s Publikum über und so bildete sich ein kleiner feiner Moshpit – passender: es wurde Pogo getanzt. Wir sind ja nicht auf einer Metalshow.

Drummer Marc Finn gab das gesamte Set über alles, ergänzte bei seinen Beats gerne mal den extra Punch, indem er die Sticks mit dem Tip in der Hand hielt und der dicken Seite die Hardware malträtierte – Verletzung am Finger inklusive. „We are ‚The Frights‘ from California.“ war dann auch quasi alles, was man außerhalb der Songs von der Band hörte. Das war aber nicht weiter schlimm, da sie mit ihrer Show und Songs eh massig Sympathiepunkte beim Publikum und sogar den mitwippenden Sanitätern sammeln konnten.

Taking Back Sunday

Nach mehr als 30 Minuten Umbaupause enterten dann Taking Back Sunday die Bühne. Die Band steht quasi seit eh und je Pate für eine ganze Generation und gerade in Köln erinnere ich mich (oder auch nicht…) an durchfeierte Abende im Artheater, Underground und der Live Music Hall, bei denen „Cute Without the ‚E’“, „There’s No ‚I‘ In Team“ oder „You’re So Last Summer“ zu den Standards des Abends gehörten. Und dass Emo bzw. Alternative Rock nicht tot ist, sollten die Herren ein weiteres Mal beweisen (und das sehen wohl auch 1,2 Mio. Facebook-Fans so). Das Gloria hatte sich mittlerweile stark gefüllt und Sänger Adam Lazzara deutete an, dass man zahlentechnisch mit jedem Mal besser würde in Köln, nachdem es im Februar 2017 schon recht kuschelig im Gloria war.

Die lange Wartezeit in der Umbauphase und die manchmal etwas schwache Stimme – das Publikum tönte nicht selten lauter als die Band selbst – machte die Band mit humoristischen Ansagen und zwölf Radladern Sympathie wieder wett. So sei die Band vor 20 Jahren im zarten Alter von fünf und sechs Jahren gegründet worden und auch das erste Album sei dann entstanden. Was amerikanische Musiker zur Belustigung ja auch gerne machen: Auf Deutsch für’s Publikum fluchen. Und dazu hatten sie sich einen Lehrer geholt, der ihnen vorab ein paar Schimpfwörter mitgegeben hatte. Nur was „Penis“ auf Deutsch heißt, habe Lazzara vergessen zu fragen, nachdem ein Gast jenen (Begriff) in den Raum warf.



Trotz unzähliger Ansagen spielten sich Taking Back Sunday sportlich durch das komplette „Tell All Your Friends“, Lazzara dabei immer mit seinem Signature-Move das Mikrofon schleudernd, das zumindest zum Großteil auch wieder in seiner Hand landete. „Great Romances Of The 20th Century“ wurde als erster Song, den die Band zusammen geschrieben habe angekündigt. Nach dem letzten regulären Song der Platte wendete sich Lazzara mit den Worten „Have a good night.“ ans Publikum, dabei aber mit einem frechen Unterton, dass klar war, dass er es nicht wirklich ernst meinte.

So blieb die Band auf der Bühne stehen und stimmte die erste „Zugabe“ in Form des 2004er „A Decade Under The Influence“ an. Überhaupt war der Frontmann noch in ziemlicher Redelaune. Insgesamt spielte die Band zehn „Zugaben“ an diesem Abend, darunter auch Songs der neueren Alben. Zum Abschluss gab’s dann aber auch zur Freude aller „MakeDamnSure“. Taking Back Sunday mögen zwanzig Jahre auf dem Buckel haben, lassen es sich aber in keiner Sekunde anmerken. Und was jüngeren Bands an Routine im Umgang mit dem Publikum fehlt, machen die Herren auf brillante Weise vor. Wer möchte schon eine unpersönliche 1:1 Darbietung von Songs bei einem Konzert haben?




Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist

Offizielle Website der Band

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