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Polyphia: „Wir gestalten unsere Musik nicht anhand von Genres“
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Interview

Polyphia: „Wir gestalten unsere Musik nicht anhand von Genres“

Scott LePage im Interview.

Rodney Fuchs/26. Mai 2024· Aktualisiert 14. Mai/5 Min.Foto: Polyphia / Offizielles Pressebild
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Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Mit ihrer Musik sind Polyphia ein absolutes Phänomen. 2012 gestartet, spielte die Band auf ihrer Debüt-EP „Inspire“ (2013) zunächst instrumentalen Prog Metal, der mit Djent Elementen gespickt war. Im Sog von Bands wie Animals As Leaders, Chon und Intervals, stellt sich jedoch schnell heraus, dass Polyphia einen Spirit haben, der sich abhebt.

„Muse“ (2014) und „Renaissance“ (2016) lassen die Band bekannt werden – „Lit“, die EP „The Most Hated“ und schließlich „GOAT“ sorgen für den endgültigen Durchbruch. Im Interview erzählt Scott LePage, warum Genres immer weniger Bedeutung haben und auf ihren Alben „New Levels New Devils“ und „Remember That You Will Die“ andere Aspekte für Einfluss sorgten.

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Dass Menschen auf den Konzerten keine Lyrics mitgröhlen können, stört sie nicht, so Gitarrist Scott LePage. Tatsächlich gebe es Tracks, bei denen ihre Fans durchaus mitsingen. „Bei ‚Champagne‘ hören wir kurz auf zu spielen und geben der Crowd ihre Solo-sektion im Chorus“. ‚Euphoria‘ wird auch oft mitgesungen – wenn das passiert, hole ich gerne meine In-Ears raus, damit ich die Leute hören kann. Das ist verdammt cool, gerade weil wir Instrumental sind. ‚ABC‘ wird auch gesungen, da es Worte darin gibt.“ Hierbei stößt Scott jedoch auf das Problem, dass der Song zu fordernd ist, um auf das In-Ear zu verzichten.

Polyphia: Hochkomplexe, instrumentale Musik als Erfolgsgarant?

Ist es nicht verrückt, dass Polyphia als instrumentale Band mit hochkomplexer Musik so erfolgreich und beliebt sind?

„Ja, mit Rückblick ist es sicherlich etwas riskant gewesen. Aber wir haben schon immer die Musik an erster Stelle gehabt. Als wir angefangen haben, waren wir Kids und dachten wir bräuchten vielleicht einen Sänger. Wir haben aber realisiert, dass wir es mögen Melodien zu schreiben. Auf den Festival-Line-ups sind wir oft die einzige instrumentale Band und ich finde das verdammt cool. Das erinnert mich an die Situation, als wir entschieden haben, dass wir keinen Sänger brauchen, um Spaß zu haben. Unsere Leidenschaft für die Kunst resoniert genug mit den Leuten – sie verstehen, warum wir das machen.“

Wenn jemand mit Polyphia Musik machen will und Gesang dazu bringt, dann sind die Kalifornier dieser Idee allerdings nie abgeneigt – im Gegenteil. So haben sie mit Deftones-Sänger Chino Moreno einen Song aufgenommen. „Bloodbath“ war für den Sänger selbst eine neue Situation – da er mit der Band im Studio war und vor Ort erst an den Vocals arbeitete, wie sich Scott erinnert.

Crossover

Wie sich Scott erinnert, seien dabei „Welten aufeinander gekracht“. „Chino sendete uns ein paar Ideen, die er mit dem iPhone aufgenommen hat. Wir wollten also zusammen mit ihm ins Studio in LA. Lil Aaron war mit im Studio und brachte auch Ideen mit rein, was super spannend war.

Am Ende der Session, die ca. 3 Stunden dauerte, hatte Chino tausende Ideen, die von uns befeuert wurden. Er kam aus der Booth und sagte uns, dass er noch nie so viel Input beim Aufnehmen bekommen hat. Und für uns war das ja auch das erste Mal, dass jemand in der Booth Vocals aufgenommen hat. Das war eine First Time Experience für beide.“

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Kollaborationen

Neben Chino Moreno waren es Sophia Black und Steve Vai, die als Features auf dem aktuellen Album „Remember That You Will Die“ zu hören sind. Für den Gitarristen wäre eine Kollaboration mit Meshuggah jedoch ein Karrierehighlight. „Wenn wir das jemals hinbekommen, würde ich wahrscheinlich mit der Musik aufhören. Ich könnte in Frieden sterben und habe alles erreicht. Ich mache natürlich Witze, aber ja, du weißt was ich meine. Ich würde auch gerne mit Future Musik machen, aber Meshuggah haben mich inspiriert wie keine andere Band.

Darüber hinaus waren auch Metallica ein großer Einfluss, aber wenn ich Meshuggah höre, dann hört man wie anders sie sind im Vergleich zu den anderen Bands. Ihre frühen Alben haben beeinflusst, wie andere ihre Gitarre spielen. Das hat das ganze Genre geändert… sie sind die OGs des … und jetzt sage ich es: ,Djent‘ – es ist einfach krass zu sehen, wieviele Gitarristen sie beeinflusst haben.“

Warum Genres keine Bedeutung haben

Doch Genres sind, für Polyphia nur von geringer Bedeutung. „Wir gestalten unsere Musik nicht anhand von Genres. Wir haben uns als Metalband inszeniert als wir ‚New Levels New Devils‘ veröffentlicht haben, obwohl auf dem Album gar nicht so viel Metal zu hören war. Wir schätzen das Genre einfach sehr und heutzutage denken wir gar nicht mehr über Genres nach. Wir schauen eher wohin es führt. Da geht es eher um Rhythmus, Melodie, Vibe und Atmosphäre.“

Für Ende Juli – nach der kommenden Tour – plant Scott, mit dem Songwriting weiter zu machen. „Auf Tour findet man zu wenig Zeit dafür – auch wenn ich es mir vornehme.“ Im Zentrum des Songwritings stehen folgende Fragen: „Was inspiriert uns? Was finden wir cool? Gibt es etwas, womit wir experimentieren wollen? Eine Richtung, die wir im Sound einschlagen wollen? Da gibt es wirklich keinen Weg, den wir immer gehen. Wir bringen Ideen und Gedanken einfach zum Leben.“

Das Whammy Pedal als besondere Inspiration

„Wo kann ich damit arbeiten? Wie kann ich es in unserer Musik einbringen. Zum Beispiel auf dem Track von Unprocessed (‚Die On The Cross Of The Martyr‘), auf dem ich ein Solobeigesteuert habe, dort habe ich schon viel damit gespielt. Es ist anstrengend damit zu arbeiten, aber man kann damit echt coole Sachen machen. Am Ende klingt es spooky und irgendwie wie ein Alien Sound, das mag ich.“

Im Juni sind Polyphia auf einigen Festivals und zwei Shows in Hamburg und Berlin unterwegs, um auch ihre deutschen Fans wieder zu begeistern, wie Scott abschließend sagt. „Dafür werden wir ein paar Songs im Gepäck haben, die wir in Europa noch nicht gespielt haben. Wir freuen uns auf Deutschland, die Leute gehen immer komplett ab. Da freue ich mich drauf!“

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Foto: Polyphia / Offizielles Pressebild


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