
Holding Absence: „Ich glaube, ‚The Noble Art Of Self Destruction‘ ist ein brillantes Album!“
Lucas Woodland im Talk zum neuen Album.
Mauritz Hagemann
Hatten Holding Absence schon mit ihren Selftitled-Debütalbum im Jahr 2019 ein starkes Ausrufezeichen gesetzt, so gab es für den Nachfolger „The Greatest Mistake Of My Life“ zwei Jahre später noch einmal deutlich mehr Lobeshymnen. Auf das Release von „The Greatest Mistake Of My Life“ folgten in den letzten zwei Jahren zahlreiche Festivalshows und Touren. Eine in dieser Intensität noch sehr neue Erfahrung für die Band. Neben den zum Teil wochenlangen Touren galt es auch, früh genug mit dem Songwriting für Album Nr. 3 – das in der letzten Woche erschienene „The Noble Art of Self Destruction“ – zu beginnen.
Holding Absence-Sänger Lucas Woodland im Interview
Gerade der Faktor Zeit war dann auch Sicht von Sänger Lucas Woodland ein maßgeblicher Unterschied zu früheren Album-Releases. „Wir waren in den letzten zwei Jahren immer wieder einige Wochen am Stück auf Tour. Und dann wieder einige Wochen zuhause. Letztes Jahr haben wir die Zeit zwischen zwei Touren zuhause in Cardiff genutzt, um die Songs für das neue Album zu schreiben“, erklärt der 28-jährige den straffen Zeitplan der Band.
Neues Mitglied, neue Einflüsse
Die Band unterhält ein kleines Büro in der walisischen Hauptstadt. Hier traft man sich letztes Jahr einige Wochen lang jeden Tag, um die neuen Songs zu schreiben. Dabei funktioniert das Songwriting bei Holding Absence nicht nach einem bestimmten Muster. „Manche Songs entwickeln wir zu großen Teilen gemeinsam. Andere Songs bringe ich der Band schon als weitgehend fertige Tracks mit“, so Lucas Woodland.
Auch der kurz nach dem Release von „The Greatest Mistake Of My Life“ zur Band gestoßene Bassist Benjamin Elliott habe seinen Teil zum Songwriting beigetragen. „Der Bass lief bei früheren Songs einfach nur mit. Auf dem neuen Album hat Benjamin das Instrument aber ganz anders eingesetzt. Das hört man auch richtig gut“, ist der Sänger sehr zufrieden mit dem neuesten Bandmitglied.
Ein straffer Zeitplan
Hätte die Band gerne mehr Zeit für das Songwriting gehabt? Ja und nein. Auf der einen Seite freut sich Lucas schon darauf, sich für das nächste Album mehr Zeit nehmen zu können und mehr Einflüsse und Inspirationen einfließen zu lassen. „Wir hatten wenig Zeit. Aber für uns hat es sich jetzt richtig angefühlt, das Album aufzunehmen. Wir wollten die Geschichte weitererzählen. Und ich glaube, uns ist mit ‚The Noble Art Of Self Destruction‘ ein brillantes Album gelungen.“ Aufgenommen wurde das Album übrigens erstmals nicht in der britischen Heimat, sondern in Kanada. „Das hat sich einfach angeboten. Zum einen hatten wir zu dem Zeitpunkt gerade unsere Nordamerika-Tour mit Silverstein und The Amity Affliction beendet und waren ohnehin vor Ort. Und zum anderen wollten wir die Energie nutzen, die entsteht, wenn die gesamte Band an einem Ort ist“, erklärt Lucas Woodland.
Von der Kunst, aus Fehlern zu lernen
Während auf „The Greatest Mistake Of My Life“ die Liebe und Beziehungen das große Oberthema waren, geht es in “The Noble Art Of Self Destruction“ vor allem darum, aus Fehlern und aus dem Scheitern zu lernen. Sinnbildlich steht für Lucas Woodland vor allem der letzte Track der Platte „The Angel in The Marble“, den er auch zu seinem persönlichen Favoriten der neuen Platte auserkoren hat. „Der Song packt mich emotional immer wieder, egal wie oft ich ihn höre“, gibt er zu.
Das harte Leben als Support Act
Holding Absence haben auch als Band gerade in den letzten beiden Jahren einen enormen Lernprozess hinter sich gebracht. Dazu gehört es auch, als Supportband wenig Anklang zu finden. Beispielsweise auf der Tour von Electric Callboy Anfang des Jahres. Während Lucas Woodland für die Band aus Castrop-Rauxel nur lobende Worte findet, hatte die Band mit dem Publikum vereinzelt zu kämpfen. „Es war beeindruckend, auf diesen großen Bühnen zu spielen. Und die Bühne sind auch das richtige für uns. Aber bei manchen Konzerten hat man einfach gemerkt, dass der Großteil der Leute im Publikum einfach nur auf den Haupt-Act gewartet und sich nicht für uns interessiert hat“, berichtet Lucas von seinen Erlebnissen als Support Act. Doch – ganz im Sinne des neuen Albums – gerade aus solchen Erlebnissen könne die Band nur lernen.
Und wenn Holding Absence im Herbst die Headliner-Tour in Europa starten, dann kann sich Lucas Woodland sicher sein, dass die Leute nur das Quartett aus Cardiff da sein werden. Gibt es Länder und Städte, auf die er sich besonders freut? Hier differenziert Lucas. Gerade Länder wie Deutschland seien auf ganz vielfältige Art und Weise beeindruckend und die Band komme gerne hierher. „Ich war im positiven Sinne geschockt von Deutschland. Ich konnte nicht glauben, wie groß das Land, wie gut alle Englisch sprechen und wie gut das vegane Essen ist“, schildert er seine ersten Erfahrungen in Deutschland. Aber es sei eben auch spannend, neue Länder kennenzulernen und dort die allerersten und zumeist sehr intimen Shows zu spielen.
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Festivals 2024? Ja bitte!
Und auch wenn zunächst die Tour im November ansteht, darf man zum Ende der diesjährigen Festivalsaison auch schon einmal den Blick auf das kommende Jahr richten. In diesem Jahr haben sich Holding Absence in Sachen Festivals ziemlich rar gemacht. Wie sieht es für 2024 aus? Offiziell weiß Lucas Woodland noch nichts – und wenn er etwas wüsste, dürfte er es wohl auch nicht verraten. Aber eine richtig große Festivaltour durch Europa? Das steht auf den Wunschzetteln der Band ganz oben, verrät Lucas. Und weil Holding Absence ganz sicher auch bei vielen Festivalbesucher:innen ganz oben auf den Wunschzetteln stehen, ist das so etwas wie das perfect match. Wir sind gespannt auf den nächsten Sommer!
Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)


