The Dillinger Escape Plan

Live bei: THE DILLINGER ESCAPE PLAN und Special Guests in Köln!



Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, muss ich doch meinem „Grumpy Old Dude“ freien Lauf lassen. Aktuell plagt die Konzertkultur, neben einem Überangebot und einem dadurch resultierenden Desinteresse, eine weitere Krankheit, die ich vor ein paar Jahren selber noch unterstützt habe: Handyaufnahmen.

Egal welche Richtung oder Größe von Konzert, Handys sind ständig Teil des Bildes vor der Bühne. Dabei spreche ich nicht von ein paar kurzen Bilder als Erinnerung, sondern von den Jungs und Mädels die mit einer eisernen Ausdauer ihren Arm für drei (oder mehr) Minuten kerzengerade nach oben halten.

Alles für ein Video auf ihrem Youtube-Kanal, Instagram oder Facebook-Profil. Aber was hat dieser „Rant“ mit dem THE DILLINGER ESCAPE PLAN-Konzert zu tun? Dazu komme ich noch, aber erstmal ganz von vorne:



TDEP sind seit 1997 unterwegs und zählen zu den Urgesteinen der 90er Metal- und Rock-Szene. Auf mittlerweile sechs Alben und sieben EPs überzeugten sie über die Jahre mit ihrem sehr eigenwilligen Stil und Sound. Dabei durchbrachen sie immer wieder musikalische Grenzen und zeigten eine gewissenhafte Kompromisslosigkeit bei ihrem Songwriting. Sie prägten nachweislich diverse Musiker und gehören heute zu einer der respektiertesten Bands der extremen Musik. Ihr letztes Album „Dissociation“ erschien Ende 2016 und sollte auch ihr letztes Album sein. Mit einer Abschiedstour Anfang 2017 wollten sich THE DILLINGER ESCAPE PLAN von ihren europäischen Fans verabschieden, mussten diese aber aufgrund eines Autounfalls abbrechen. Im Sommer kamen sie nun wieder um die ausgefallenen Daten nachzuholen, darunter auch die Show im Kölner Gloria Theater. Support dafür waren die beiden Bands GOD MOTHER und THE NUMBER TWELVE LOOKS LIKE YOU.

Pünktlich um 19:30 Uhr begann das Konzert mit der ersten Band GOD MOTHER. In einer perfekten Welt spiegeln Supports einen Teil der Headliner wieder und das machten die vier Schweden. Eine Mischung aus Grindcore/Hardcore á la NAILS und dem chaotischen Sound von THE DILLINGER ESCAPE PLAN. Diese Mischung kam direkt beim Publikum an. War der Raum auch „nur“ gut gefüllt, ging vor der Bühne bereits die Party ab. Auch auf der Bühne gab es viel Bewegung und Interaktion, aber nur ein paar kurze Ansagen. Sänger Sebastian ließ es sich gegen Ende nicht nehmen, einen Abstecher ins Publikum zu machen. Ein guter Start für das, was noch kommen sollte.

Nach einer Umbaupause ging es weiter mit den Amerikanern von THE NUMBER TWELVE LOOKS LIKE YOU und wie bereits in der Beschreibung einer perfekten Welt, spiegelten die 4 Jungs die eher experimentelle Seite von THE DILLINGER ESCAPE PLAN wieder. Vielleicht etwas zu experimentell, zumindest für meinen Geschmack. Trotzdem hatten TNTLLY einige Fans dabei und wurden mindestens genauso gefeiert wie ihre Vorgänger. Von Growls und Breakdowns, bis hin zu smoothen Jazz war alles dabei und machte das ganze Set sehr abwechslungsreich. Auch wenn es dort für einen Neuling etwas viel war, hätte diese Band mehr Aufmerksamkeit verdient. Gerade aus musikalischer Sicht war der Auftritt sehr eindrucksvoll.

Nachdem die Vorspeisen durch waren, sollte es nun mit dem Hauptgang losgehen. Keine Vorwarnung und keine Ankündigung für das, was an diesem Abend noch passieren sollte! THE DILLINGER ESCAPE PLAN betraten die Bühne und setzten mit „Prancer“, „When I Lost My Bet“ und „Milk Lizard“ direkt das Tempo vor.

Das Publikum war bei der ersten angespielten Note sofort Feuer und Flamme. Als wäre es eine Hometown-Show wurde mitgesungen, mitgeschrien und mitgetanzt. Es folgten Klassiker wie „Panasonic Youth“, „Black Bubblegum“ und das Instrumental „Weekend Sex Change“ aber auch neuere Songs wie „Happiness Is A Smile, „Surrogate“ oder „Symptom Of A Terminal Illness“. Auf der Bühne rissen Sänger Greg und Gitarrist Ben mit ihren Stunts alles ab. Das Publikum nahm sich dies zum Vorbild und drehte gerade vor der Bühne immer mehr ab. Die Stimmung knickte zu keiner Zeit weg, auch nicht bei eher ruhigeren Song wie „One Of Us Is The Killer“.



Nach „Farewell Mona Lisa“ verließ die fünfköpfige Truppe aus Moris Plains, NJ die Bühne und ließ das Publikum ein wenig verunsichert zurück. Kommt noch eine Zugabe oder war es das schon? Trotz Zurufen und Klatschen wurde das Publikum auf eine Geduldsprobe gestellt. Nach fünf Minuten kam aber dann die Erlösung. „Limerent Death“ gab es als erste Zugabe und das Publikum sowie Band gaben noch einmal alles. Crowdsurfer, Mosh- und Circlepit, alles war dabei. Der endgültige Schluss kam mit „43% Burnt“ und jeder war sich jetzt bewusst: „Das ist das letzte Mal. Das ist die letzte Chance“.

Die Bühne füllte sich. Sänger Greg holte immer mehr Menschen hoch und Gitarrist Ben rettete sich auf seine Gitarrenboxen. Irgendwann verschwand das Schlagzeug hinter einer Masse an Menschen. Das Crowdsurfing wurde auf die Bühne verlagert, was auch Gitarrist Ben und Schlagzeuger Bill nutzen um auf der Menge zu reiten. Mit Umarmungen, High Fives und einer Liebeserklärung von Sänger Greg endet die letzte Show von THE DILLINGER ESCAPE PLAN in Köln.

Der Sound ausgesprochen beißend und dass in einem positiven Kontext. Ist von anderen Shows im Metal eher viel Bass Drum und Bassgitarre gewohnt, erinnerte mich dies hier vom Sound eher an Jazz oder leichteren Rock. Das Schlagzeug war deutlich, aber nicht zu dominant. Die Gitarren schnitten gerade in den markanten höheren Frequenzen durch das Soundbild, ebenso der Bass verlor bei höheren Tönen kaum Druck oder Lautstärke. Einzig der Gesang war oft viel zu laut und übersteuerte teilweise, ob nun gewollt oder ungewollt. Trotzdem spielte die Akustik des Gloria Theaters der ganzen Show in die Karten, und ließ nur wenige Reflexionen und Störgeräusche zu.

Es war verdammt nochmal die letzte Show THE DILLINGER ESCAPE PLAN in Köln und genau das hat man gespürt. Der Preis der Tickets spielte dabei keine Rolle. Die Fans haben sich von ihrer besten Seite gezeigt und auch Greg, Ben, Bill, Liam und James haben das gemerkt. DILLINGER konnte sich gebührend von der Rheinmetropole verabschieden. Und trotzdem ärgere ich mich über alle Handys die an diesem Abend gezückt worden sind. Es nimmt solch einem Ereignis die Persönlichkeit und macht auch die Erfahrung für die anderen Besucher kaputt.

Deswegen appelliere ich an alle Konzertbesucher nächstes Mal einfach das Handy in der Tasche zu behalten und stattdessen Teil der Show zu sein. Bands solcher Qualität, erscheinen nur selten auf der Bildfläche und haben dabei solch einen Einfluss auf die Musikszene. Genau deshalb brauchen diese Musiker unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Zusammen mit vielen anderen Fans werde ich die Band schmerzlich vermissen und auch ohne Bilder und Videos wird man sich lange an diese Show erinnern.

Setlist:
01. Prancer
02. When I Lost My Bet
03. Milk Lizard
04. Panasonic Youth
05. Black Bubblegum
06. Symptom of Terminal Illness
07. Weekend Sex Change
08. Hero of the Soviet Union
09. Surrogate
10. Happiness Is a Smile
11. One of Us Is the Killer
12. Setting Fire to Sleeping Giants
13. Good Neighbor
14. Farewell, Mona Lisa

Zugaben:
15. Limerent Death
16. 43% Burnt

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