People
27/03/2026
Review
Pop-Punk
Kritik: New Found Glory – „Listen Up!“
Never-Ending-Pop-Punk-Party: Auch nach fast 30 Jahren zeigen New Found Glory keine Ermüdungserscheinungen.
VON
Tobias Tißen
AM 17/02/2026
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„We’d strike back, kick the ceiling down“, erzählen New Found Glory in „Beer And Blood Stains“ von einer Show in einem winzigen Schuppen in Florida. Die Besitzerin will nicht bezahlen, die Stimmung kippt, Fans treten beim Crowdsurfen die Deckenplatten raus, die Cops stehen vor der Tür.
New Found Glory kanalisieren diese Energie früher Bandtage nicht nur in diesem Song, sondern über die ganze Laufzeit von „Listen Up!“ hinweg.
Auch wenn sich hinter den auf gute Laune gepolten Melodien oft überraschend ernste Themen verbergen, steht bei den Pop-Punk-Veteranen auch nach fast 30 Jahren der Spaß jederzeit im Mittelpunkt.
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„Listen Up!“: Vier Singles, ein klares Versprechen
Schon die vier vorab veröffentlichten Tracks machten unmissverständlich klar, wohin die Reise auf „Listen Up!“ geht: schneller, hymnischer Pop-Punk – aber eben nicht geschniegelt, sondern mit dieser bissigen Kante, die New Found Glory immer ausgemacht hat.
Bestes Beispiel dafür ist wieder das nostalgiegetränkte „Beer And Blood Stains“: knallige Gitarren, Drums, die mehr voranprügeln als begleiten, Gang Shouts – und hintenraus fällt sogar noch ein waschechter Easycore-Breakdown raus, als hätte man die Tür zu einer Zeitmaschine aus 2004 geöffnet. Der härteste und gleichzeitig DER Party-Song der Platte.
Die anderen Singles machen es mehr „classic Pop Punk“. „100%“ gehört zu der Sorte Song, bei der schon beim ersten Hören der Fuß mitwippt und der spätestens ab dem zweiten Durchlauf in deinem Kopf wohnt. Pop-Punk-101, Hook auf Anschlag. Safe gespielt – aber auf die beste Art und Weise.
Apropos safe gespielt: Auch in puncto Produktion wird hier kein Risiko eingegangen. Das Ganze klingt sehr modern und sehr sauber. Die Gitarren haben trotzdem Druck, die Drums knallen und Jordan Pundiks Stimme klingt ohnehin immer recht poppig. Nur: Bei all der Zugänglichkeit in Songwriting und Sound hätte es hier und da gutgetan, wenn von dem Dreck aus den besungenen Florida-Clubnächten noch ein bisschen was unter den Fingernägeln hängen geblieben wäre. So wirken New Found Glory auf „Listen Up!“ oft ein bisschen zahnlos.
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Das Einstiegsriff von „Laugh It Off“ klingt angenehm nach späten 90ern/frühen 2000ern, bleibt das Herzstück des Songs und schiebt alles nach vorne: Strophe, kurzer Anlauf, Refrain. Sitzt. Ein starker Track – auch, weil er seine „alles Mist, aber wir lachen einfach drüber“-Message nicht nur erzählt, sondern genau diese Energie auch musikalisch trägt.
Und auch „Treat Yourself“ löst ein ernstes Thema mit einer positiven Message auf: „Get off your own case / And give yourself a break.“ Getragen von starkem Skate-Punk-Drive – nur nach vorne, kaum Luft zum Atmen, die Hook groß ausgespielt.
Der Rest der Platte: Easycore, Midtempo, Ohrwürmer
Und die noch nicht vorab veröffentlichten Songs von „Listen Up!“?
Der Opener „Boom Roasted“ stellt das Album grinsend auf die Startposition: sonniges Pop-Punk-Riff, bouncy Refrain und typischer NFG-Easycore-Vibe – kein kompliziertes Intro, eher ein Aufwärmen für das folgende Single-Doppel aus „100%“ und „Laugh It Off“.
Nach diesem folgt mit „A Love Song“ der erste Moment, in dem der Motor ein bisschen ins Stottern kommt. Das zentrale Riff ist schön scharfkantig, fast schon thrashig – wirkt aber auch etwas eintönig und kann den ansonsten recht unspektakulären Track nicht alleine tragen.
Viel besser funktioniert „Medicine“, weil hier eine klare musikalische Idee im Vordergrund steht: Der Song baut sich auf einer immer wiederkehrenden Bassline auf, die sofort ins Ohr geht, und legt darüber Midtempo-Pop-Punk mit einem kleinen 90s-Alt-Rock-Schimmer.
Und auch der Balladen-Moment von „Listen Up!“ überzeugt: „Dream Born Again“ setzt auf das Zusammenspiel aus E- und Akustikgitarre sowie Jordan Pundiks poppig-angehauchter Stimme, der Song bleibt tonal hell und optimistisch. Eine mitreißende Halb-Ballade, die nicht beim ersten Durchlauf „HIER BIN ICH“ schreit, aber nach drei, vier Runden plötzlich da ist – und dann bleibt. Der Kontrast funktioniert hier besonders gut, weil der Song emotional wirkt, ohne sich je in Drama zu suhlen.
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Zwischen Eingängig- und Eintönigkeit
„You Got This“ ist als Konzept der klassische Fan-Chor-Song: startet sofort mit „Woah, woah“ und wiederholt das anschließend in jedem Refrain – und genau da liegt das Problem. Die Nummer ist so stark auf Mitgröhlen getrimmt, dass sie auf Platte stellenweise eher nervt als mitreißt. Ja, es gibt später noch einen Rhythmus-/Tempo-Move, aber der rettet das Grundgefühl nicht ganz: zu simpel, zu oft dieselbe Idee.
„Frankenstein’s Monster“ kriegt den Abschluss dagegen deutlich besser hin: trockene, antreibende Drums, klassischer Pop-Punk-Push – und dann im Finale nochmal ein melodischer, emotional aufgeladener Singalong, der wirklich nach „letzter Song, alle Arme hoch“ klingt. Inhaltlich ist es der schwerste Moment der Platte – es geht um das Gefangensein in einer schweren Situation und den Wunsch, endlich wieder ein normales Leben führen zu können. Aber der Kontrast zwischen ernstem Thema und gut gelaunter Musik sitzt hier mal wieder. Ausstieg geglückt.
Foto: New Found Glory / Offizielles Pressebild
Listen Up
Künstler: New Found Glory
Erscheinungsdatum: 20.02.2026
Genre: Pop-Punk
Label: Pure Noise Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl
- Boom Roasted
- 100%
- Laugh It Off
- A Love Song
- Beer and Blood Stains
- Medicine
- Treat Yourself
- Dream Born Again
- You Got This
- Frankenstein’s Monster
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