News

Interview

New Found Glory: „Da wurde der Laden zerlegt – und wir mussten ihn später selbst reparieren“

Sänger Jordan Pundik im Interview.

VON AM 07/02/2026

Ihr kennt das: Die besten Anekdoten sind die, über die man mit ein bisschen Abstand lachen kann – obwohl man im Moment selbst nur dachte: „Oh fuck, das war’s jetzt.“

Jordan Pundik, Sänger von New Found Glory, erzählt mir im Interview genau so eine Geschichte aus den Anfangstagen der Band. Schauplatz: ein kleiner Club in Florida. Die Besitzerin wollte die Bands an dem Abend nicht bezahlen – und plötzlich kippte die Stimmung komplett.

Jordans Erinnerung daran ist herrlich bildhaft: Da seien Leute aus dem Umfeld der Band aufgetaucht, hätten den Laden zerlegt und beim Crowdsurfen sogar Deckenplatten gezielt rausgetreten, weil die Decke so niedrig war.

Später mussten New Found Glory dann zurückkommen und das Venue wieder reparieren – nicht aus Reue, sondern aus purem Pragmatismus. Der Grund: Es gab in der Gegend kaum Orte zum Spielen und sie wollten nicht riskieren, einen davon endgültig zu verlieren.

Irgendwann standen auch die Cops vor der Tür, ein paar Leute wurden sogar von der Polizei mitgenommen. Jordan fasst das Chaos grinsend und schulterzuckend zusammen: „War das lustig oder schon ein Verbrechen? Keine Ahnung. Vielleicht beides.“

Auf diese Anekdote spielt die Band auch im Song „Beer and Blood Stains“ an – womit wir beim neuen New-Found-Glory-Album „Listen Up!“ wären.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

„Listen Up!“ ist Rückschau und Neustart zugleich

New Found Glory werfen also einen nostalgisch(-verklärten?) Blick in die eigene Vergangenheit. Aber gleichzeitig ist die Platte auch ein Neustart für die Band. Warum? Weil sie mit ihrem Wechsel zum Label Pure Noise Records offenbar genau das Umfeld gefunden haben, das sie für die nächste Phase ihrer bald 30-jährigen Karriere gebraucht haben.

Bei Pure Noise könne sich die Band „endlich einfach auf Musik, Touren, Shows und den Kontakt zu den Fans“ konzentrieren. Jordans Beispiel dafür: „Wenn wir sagen, wir wollen eine Release-Party mit Foodtrucks und Burgern, die nach uns benannt sind, dann kommt als Antwort nur ein entspanntes: ‚Alles klar, cool.‘ Und tatsächlich passiert genau das gerade wirklich“, erzählt er lachend.

Aber nicht nur das: „Die beim Label haben auch richtig guten Geschmack! Jetzt bin ich auf demselben Label wie Knocked Loose und The Story So Far“, zeigt sich der Frontmann ehrlich begeistert – und nennt dann auch noch die (wirklich großartige!) deutsche Band Shoreline als Beispiel für den guten Label-Geschmack.

Ernste Geschichten mit knalligem Anstrich

„Listen Up!“ – also „Hört zu!“ – heißt die neue Platte. Und wer zuhört, entdeckt unter dem gewohnt gutgelaunten, hymnischen Pop-Punk-Mantel überraschend ernste und ehrliche Themen – wie mentale Belastung („Treat Yourself“), Traumabewältigung („You Got This“) oder schwere Krankheit („Frankenstein’s Monster“).

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Dass New Found Glory sich hier trotzdem nie in kitschigen Floskeln verlieren, liegt laut Jordan vor allem daran, dass sie einfach ehrlich sind: „Unsere Lyrics sind sehr direkt und manchmal sogar ein bisschen zu offensichtlich – aber das ist Absicht, weil wir über das schreiben, was in unseren Leben wirklich passiert.“

Als Beispiel gibt er noch schmunzelnd eine Anekdote zu „A Love Song“ zum Besten: „Der Song handelt davon, wie ich meine heutige Frau zum ersten Mal getroffen habe. Sie hielt meine Band für einen Witz. Sie hat darüber gelacht, wie ich gesungen habe.“

Mit den Nichten und Neffen bei New Found Glory chillen

Jordan wirkt authentisch glücklich, dass die Reise mit New Found Glory weitergeht. Man merkt, wie viel Spaß er noch immer an seinem Job hat.

Und er bestätigt das auch nochmal: „Wir machen das, weil wir es lieben – und wir sind noch da, weil die Leute es lieben“, sagt er. Und wird erstaunlich offen: „Wenn die Leute nicht mehr kommen würden, wenn sie uns nicht mehr live sehen wollen würden, dann würde ich mein Leben überdenken.“

Aktuell sei davon aber nichts zu spüren – ganz im Gegenteil: Er sehe „nichts, was langsamer wird, was live spielen, Songs schreiben oder Platten machen angeht.“

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Grund dafür ist sicher auch die große End-90er-und-frühe-2000er-Nostalgiewelle, die New Found Glory bald auch zusammen mit Yellowcard und Plain White T’s durch die großen Konzerthallen der USA führt.

„Ich glaube, die Leute lechzen einfach nach Nostalgie. Aber wir sind nicht nur ein Nostalgie-Act: Bei unseren Shows stehen nicht nur ältere Leute – da sind immer noch junge Kids, die komplett abgehen und mitsingen. Es ist generationsübergreifend. Die Fans, die mit uns groß geworden sind, chillen hinten mit ihrem Bier – und bringen ihre Nichten, Neffen oder Kids mit“, beschreibt Jordan die New-Found-Glory-Shows der 2020er.

Surprise! Wir werden 30?!

Bei all dem Spaß, den sowohl die Bandmitglieder selbst als auch die jungen und alten Fans noch an New Found Glory haben, steht doch wohl zum 30-jährigen Bandjubiläum 2027 etwas ganz Großes an – oder?

„Es ist witzig, dass du das ansprichst“, antwortet Jordan auf diese Frage, „vor zwei Tagen hat unsere Managerin erst geschrieben, dass wir so langsam mal nächstes Jahr planen sollen. Und wir so: ‚Fuck, nächstes Jahr sind es 30 Jahre.‘ Das hatten wir total vergessen.“

Feste Pläne gebe es dementsprechend noch nicht. „Aber wir versuchen immer, uns etwas Cooles zu überlegen. Auf jeden Fall gibt’s irgendwann eine Headliner-Tour“, verspricht der Sänger – und schiebt dann noch hinterher: „Hoffentlich kommen wir auch wieder nach Europa.“

Sollte das der Fall sein, dürfen wir uns wohl auf eine prallgefüllte Setlist mit Bangern aus 30 Jahren New Found Glory freuen. Denn das Hauptziel der Band sei immer, dass das Publikum eine geile Zeit hat: „Wenn die Crowd Spaß hat, haben wir Spaß. Wir spielen die Banger für die Nacht.“

Und der eine Klassiker, der ihn dabei nie nervt, kommt wie aus der Pistole geschossen: ‚Understatement‘! Den packen wir gern vor die Zugabe ans Ende, wenn alle schon müde und verschwitzt sind – und dann kommt ‚Understatement‘ und es explodiert wieder.“

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Feature

Das Lumpenpack, Offizielles Pressebild. Foto: Jacky Kannengiesser

„Bevor der Mut dich verlässt“ – so heißt die neue Platte von Das Lumpenpack, die am 17. April 2026 erscheint. …