Review

Hardcore Punkrock

Kritik: Angel Du$t - "Cold 2 The Touch"

Leicht zu genießen, schwer zu greifen

VON

Es gibt wohl kaum eine merkwürdigere Band als Angel Du$t. Das Quintett ist entstanden als Supergroup aus dem Sänger von Trapped Under Ice und ehemaligen oder aktuellen Mitgliedern von Turnstile. Daraus wuchs ein Sound der alten Schule hervor, wie von den Bad Brains. Oder den Gorilla Biscuits. Die Geschichte der Band ist seit der Gründung im Jahr 2013 allerdings geprägt von vielen Wechseln an den Instrumenten. Nur Sänger Justice Tripp ist von der Originalbesetzung im aktuellen Line-Up zu finden. Von Turnstile ist niemand mehr dabei. Allerdings hört man musikalisch immer noch die Einflüsse der Grammy-Gewinner um Sänger Brendan Yates, der bei Angel Du$t von 2017 bis 2021 an der Gitarre aktiv und dazu auch Drummer bei Trapped Under Ice war.

 

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Basis Hardcore-Punk

Andere ehemalige Mitglieder der inzwischen zu Hardcore-Superstars aufgestiegenen Musiker von Turnstile sind Drummer Daniel Fang und Gitarrist Pat McCrory, die beide 2023 Angel Du$t endgültig verließen. In dem wilden Hin und Her sind insgesamt 13 Instrumentalisten and vier weitere Tourmusiker verwickelt. Nun hat die Band aus Baltimore ihr sechstes Studioalbum Cold 2 The Touch bei Run for Cover Records herausgebracht. Es ist geprägt von sehr vielen Einflüssen und bietet dem Hörer eine genüssliche, aber ziemlich schwer zu greifende Fahrt durch verschiedene Genres, wobei der Hardcore-Punk immer im Vordergrund steht.

Ehemalige Mitglieder irgendwie noch dabei

Im Jahr 2019 schrieb das US-Musikmagazin Billboard über Angel Du$t, dass es eine der wichtigsten Bands im Bereich Hardcore-Punk werden wird, oder bereits ist. Großen kommerziellen Erfolg brachte ihnen das nicht. Aber sie gelten als Kritikerlieblinge wegen ihrer Experimentierfreudigkeit und ihres teilweise ziemlich schrägen Sounds. All das ist auf dem neuen Album zu hören, das auch etwas für nicht hardcore-affine Musikfans bietet. Auf „Cold 2 The Touch“ gibt es sehr poppige Stellen, aber auch ziemlich punkige Parts. Dabei hinterlassen die ehemaligen Musiker der Band immer noch ihre Spuren. Angel Du$t klingen oft wie eine Version von Turnstile, die nicht unbedingt den Hit schreiben möchte und nicht bei den Grammys nominiert werden will.

Von einem Extrem ins andere

Die Ansätze zu massenkompatiblen Songs sind an vielen Stellen da, aber dann fehlt doch noch etwas zum Superhit. Oder es wird ganz bewusst weggelassen. Denn anscheinend hatten Angel Du$t mit „Jesus Head“ wohl auch vor, einen Song im Indiestil zu schreiben. Genau wie es Turnstile mit „I care“ oder „Seeing Stars“ zur Überraschung aller getan hat. Allerdings ist es bei Justice Tripp und Co erdiger und kantiger. Es klingt mehr nach The Lemonheads, von denen sie nach eigener Aussage sehr beeinflusst wurden. Oder eher nach unangepassten Heroen des Genres wie Ride. Ein weiteres Beispiel ist das siebte Stück auf dem Album mit dem Titel „Du$t“. Der Beginn ist sehr ruhig, bevor es ab der Hälfte zu einem Punksong im Turnstile-esquen rhytmischen Hardcore-Gewand mutiert.

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Wilde Sprünge

Die Parallelen zu Turnstile ziehen sich aber weiter durch die neue Platte von Angel Du$t. Wie etwa bei „Zero“, einem Hardcore-Punksong, der aber auch getragene Elemente hat. Oder beim vielleicht besten Stück des Albums namens „The Beat“, das mit stakkato-angeschlagenen Gitarren, die zu schnellem Hardcore werden, ähnlich klingt, aber mutiger ist, als die Songs ihrer ehemaliger Bandkollegen. Trotz aller Parallelen präsentieren uns Angel Du$t etwas höchst Eigenes. Es wäre absolut unfair und vor allem falsch, zu behaupten, sie würden nur kopieren. Dafür grätschen sie in zu viele Stile ruppig hinein und springen mit viel Spaß von einer Schublade in die nächste.

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Grimmige Vocals, sanfte Instrumente

Die Band aus Baltimore weiß zu überraschen, vor allem auch in der Art der Produktion. Während die Stimme des Sängers oft grimmig ist, sind es die Gitarren häufig gar nicht. Im Gegenteil, denn sie kommen oft sanft daher, womit Angel Du$t mit einem ganz einfachen Mittel zu etwas Besonderem wird und sich von der Masse der anderen Hardcore-Bands abhebt. Insgesamt ist „Cold 2 The Touch“ eher Lo-Fi produziert und klingt daher auch wie ein Relikt aus der Vergangenheit, allerdings ohne angestaubt zu wirken. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Song „Downfall“, der eine Mischung aus eingängigem Pop-Punk aus den 2000ern und Hardcore aus den 90ern ist, aber dennoch auf der Höhe der Zeit ist.

Wer Klarheit möchte, ist hier falsch

Genau dieser Wechsel zwischen den Genres oder Vermischung der Stile hindert Angel Du$t allerdings wohl auch daran, zu einer sehr großen Band zu werden. Ihre Songs kann man sich super anhören, aber es ist oft schwer zu begreifen, warum sie das machen, was sie genau machen. Bei „The Knife“ sind nach einer guten Minute Rumgetobe ohne Vorwarnung unter einem Gitarrenteppich weinende Babys zu hören. Das kann verstören und für Fragen sorgen, auf die es keine direkte Antwort gibt. Viele Musikliebhaber wollen aber klare Strukturen. Die bekommen sie jedoch von Angel Du$t nicht angeboten. Dennoch sollten sich nicht nur Fans des Old School-Hardcore mit dieser Band beschäftigen. Und dass sie live ein absoluter Knaller ist, das hat sie in 2025 als Vorband von The Story So Far eindrucksvoll bewiesen.

Foto: Screenshot Youtube

Angel Du$t News

ALBUM
Cold 2 The Touch
Künstler: Angel Du$t

Erscheinungsdatum: 13.02.2026
Genre: ,
Label: Run For Cover
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Pain Is A Must
  2. Cold 2 The Touch
  3. I’m The Outside
  4. Jesus Head
  5. Zero
  6. Downfall
  7. DU$T
  8. Nothing I Can’t Kill
  9. Man On Fire
  10. The Knife
  11. The Beat
Angel Dust Cold 2 The Touch
Angel Dust Cold 2 The Touch
7
FAZIT
Angel Du$t sind die schrägen Typen des Hardcore-Punks und zu cool für nur ein Genre. Auch mit „Cold 2 The Touch“ wird die Band ihre Fans und viele Kritiker überzeugen. Jeder Song ist sehr interessant, auch wenn der ganz große Knaller fehlt. Es gibt kaum Ausschläge nach unten, allerdings auch nur wenige nach ganz oben. Die Band deutet ihr Potenzial an, aber es wirkt manchmal so, als würde sie es nicht ganz ausschöpfen.