Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.
Wer den Mumm hat, eine EP The „The Aggression Sessions“ zu nennen, sollte besser Großes in petto haben. Nichts anderes will uns das Killer-Trio Thy Art Is Murder, Fit For An Autopsy und Malevolence mit ihrer sechs Track starken Split-EP beweisen. Doch hält die 24-minütige Wut-Therapie, was sie verspricht?
Um es genau zu nehmen, ist das Konzept der „Aggression Sessions“ nichts komplett Neues. Bereits 2016 erscheint unter dem Titel „The Depression Sessions“ die erste Prügel-Sitzung des Deathcore-Duos Thy Art Is Murder und Fit For An Autopsy. Mit an ihrer Seite waren The Acacia Strain, die ebenfalls zwei Tracks zur Split-EP beisteuerten. Das Prinzip: Jede Band bringt einen Originalsong und ein Cover zur Session mit. So simpel und so gut ist die ganze Geschichte.
Von Depression zu Aggression
Noch während der Produktion der „Depression Sessions“ war sowohl für die Australier, als auch ihre US-amerikanischen Kollegen klar, dass es eine Fortsetzung davon geben muss. Dafür ließen sich die Bands einige Jahre Zeit. Aber da von vornherein klar war, welche Thematik diesmal vorherrschend sein sollte, wollten sich Thy Art Is Murder und Fit For An Autopsy neben dem stressigen Tour-Alltag die Zeit zum Inspirieren nehmen. Es fehlte nur noch ein passender Partner, den sie in Malevolence fanden, und die heilige Dreiknüppeligkeit war bereit, ein neues Extended Play auf die Menschheit loszulassen.
Nach erstmaligem Hören steht fest: Den Bands gelingt es, von Depression zu Aggression zu kommen. Während der 2016er Teil der Sitzungen noch doomig, düster und insgesamt bedrückend entschleunigend wirkte, wird in der Wut-Ausgabe munter vor sich her geballert und alles raus gelassen, was innerlich gewütet hatte. Thema also schon mal erfüllt.
The Aggression Sessions: Brachiale Originale und moderne Cover
Vom ersten Song bis zum letzten stellt sich Geballer in feinster Deathcore-Manier ein: Treibende Blastbeats und Doublebass-Einsatz, melodisch-zuckende Gitarrenriffs und Gänsehaut-aufstellendes Gebrüll, gegrunzte Schwüre; Breakdowns, die Krawallherzen höher schlagen lassen. Fit For An Autopsy und Thy Art Is Murder legen mit ihren bereits seit längerem veröffentlichten Nummern „Hellions“ und „Until There Is No Longer“ brachial vor, dennoch kann unter den drei „Originalen“ vor allem Malevolence mit „Waste Of Myself“ herausstechen: Tempiwechsel, blecherne Riffs, melodische Parts und variativer Gesang sorgen für auffallende Abwechslung innerhalb des Songs. Nichts für Puristen, definitiv aber ein druckfähiger Visitenkarten-Track, der die komplette Stärken-Palette der Engländer abbildet.
Ähnlich verhält sich dies auch bei den Covern auf der zweiten Hälfte der EP. Denn auch wenn Fit For An Autopsy eine dynamische und moderne Deathcore-Interpretation von At The Gates „Under A Serpent Sun“ präsentieren und Thy Art Is Murder es offensichtlich verstehen, in „Hammer Smashed Face“ eine knüppelharte vor sich her rülpsende Imitation der Originalinterpreten von Cannibal Corpse abzulegen, sind es erneut die Underdogs, die am Ende herausstechen. Malevolence verstehen es, der romantischen Pop-Hymne „Left Outside Alone“ von Anastacia erfolgreich eine emotional-metallische Note zu verleihen und ihr den eigenen Stempel aufzudrücken. Auch wenn dieser EP-Closer vielleicht keinen vergleichbaren Härtegrad zu den vorangegangen Nummern aufweist und thematisch eher auf die „Depression Sessions“ gepasst hätte, bleibt er dennoch am tiefsten in den Gehörgängen verankert.
Foto: Lucas Englund / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit "The Aggression Sessions" schickt uns die Core-Dreifaltigkeit Thy Art Is Murder, Fit For An Autopsy und Malevolence einen kleinen knüppelharten Gruß vorbei, der es in sich hat. Die sechs Tracks wissen zu überzeugen, bieten keine Sekunde Zeit zum Luftholen und zerstören in ihrer vollen Spielzeit von 24 Minuten alles, was ihnen in den Weg kommt. Hier werden weder Abstriche noch Gefangene gemacht, sodass die Platte wie gewünscht problemlos als Soundtrack für’s nächste Aggressions-Abbau-Training herhalten darf. Minimalen Punktabzug gibt es dafür, dass der Spaß dann doch sehr schnell wieder vorbei ist und wenige Momente wirklich herausstechen. Dennoch absolute Hörempfehlung an alle, die es gerne dreckig, hart und schnell mögen für diesen Aggro-Quickie!

▶Tracklist 6 Songs
- 1Fit For An Autopsy – Hellions
- 2Thy Art Is Murder – Until There Is No Longer
- 3Malevolence – Waste Of Myself
- 4Fit For An Autopsy – Under A Serpent Sun (At The Gates Cover)
- 5Thy Art Is Murder – Hammer Smashed Face (Cannibal Corpse Cover)
- 6Malevolence – Left Outside Alone


