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Lorna Shore - Pain Remains
Review

Lorna Shore

Pain Remains

Album

VÖ 14. Oktober 2022Century Media Records (Sony)cd · vinyl
Rodney Fuchs/10. Oktober 2022
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R

Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Dass Lorna Shore eine große Zukunft bevorsteht, ist für viele, spätestens seitdem Will Ramos als Sänger der Band einen neuen Maßstab gesetzt hat, offensichtlich. Doch ist der Hype, der mit dem Release der „…And I Return To Nothingness“ EP aufgebaut wurde und nun auf „Pain Remains“ forgesetzt werden soll, gerechtfertigt?

Viel Hype um Lorna Shore zurecht?

Mit „Welcome Back, O‘ Sleeping Dreamer” werden Lorna Shore ihrem Symphonic-Einfluss direkt gerecht und offenbaren eine düstere Orchestrierung, die durch einen Choral gestützt wird und sich dem Pathos eines fulminanten Intros hingibt. Das Intro ist alles andere als dezent gehalten, sondern gibt sich cinematographisch und erinnert an Soundtracks großer Filme, bevor es regelrecht schlagartig in den kontemporären Soundtrack von Lorna Shore übergeht. Ein Bruch, der bei der Länge von sieben Minuten erwartbar ist und trotzdem fies erwischt.

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Auf den treibenden Deathcore-Einschlag folgt stumpfes Down-Tempo-Geholze, das mitsamt Will Ramos‚ Vocals unmissverständlich klar macht, wie hart Lorna Shore doch sein können. Dagegen stellt die Band einen kadenzbasierten Refrain, der den melodischen Aspekt aufgreift und diesen in das Tech Death-Riffing der Band transferiert. Inmitten des regelrechten Schlagzeuggewitters tendiert „Welcome Back O‘ Sleeping Dreamer“ mit vielen Wechseln zu überfordern und ist alles andere als leichte Kost.

Popmusik gone wild

Es sind Songlängen von über sechs Minuten, die Lorna Shore viel Raum geben, ihre Musikalität auszuleben. So ist auch „Into The Earth“ ein überspitzter Deathcore-Track, der mit jeder Menge Geballer, schnellen techy Riffs und sinfonischer Untermalung von sich überzeugen kann. Dabei gelingt es Lorna Shore, über popstrukturelle Aspekte aber eine gewisse Eingängigkeit zu wahren, die dem wilden Treiben Struktur geben.

Dabei greifen Lorna Shore auf ein altbewährtes Mittel zurück, das man aus der Schlagerwelt kennt. Wie schon bei „And I Return To Nothingness“ nutzen die Musiker aus New Jersey das Mittel einer Rückung (bei 5:06 im Musikvideo) und kontrastieren diese mit wortwörtlich abartig klingenden Vocals und slammigen Beatdown-Passagen.

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Zu sagen, Lorna Shore machen extrem harte Popmusik wäre falsch. Vielmehr bedienen sich die Musiker einiger Techniken und Formate der Popmusik und projizieren diese auf extremen Deathcore: ein Geniestreich, mit dem sich die Band spätestens seit „…And I Return To Nothingness“ zurecht eine große Fanbase erspielt hat.

Lorna Shore lieben den Kontrast zwischen ruhigen Passagen, die mit orchestralen Elementen ausgeschmückt sind und dem bombastischen Feuerwerk, das sich dynamisch aufbaut, um dann im abrasivem Sound jegliche Dynamik von sich zu weisen. So auch „Sun//Eater“, das sich langsam aufbaut und mit schnellen Wechseln in voller Härte zuzuschlagen.

Auch hier finden sich klare Refrains, die bei Lorna Shore bestens ohne Cleangesang auskommen und durch die eingängigen Melodien der Orchestrals an Momentum gewinnen. Im direkten Vergleich wirkt das folgende „Cursed To Die“ nahezu unspektakulär, fokussiert es sich primär auf die harte Kante im Sound der Band.

How To Lorna Shore

Der Lorna Shore „Songwriting Baukasten“ besteht grob gesagt aus Tech Death Riffs, Gitarrensoli, Blast Beats, stumpfen Slam und Beatdown Riffs und den orchestralen Untermalungen, die mal mehr präsent, mal eher subtil aneinandergesetzt sind und sich neben all der Härte stets einer melodischen Komponente unterwerfen.

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Der klare USP zeigt sich aber in den Vocals von Will Ramos, die diesen Sound komplettieren und zusammenhalten und mit einer lupenreinen Produktion von sich überzeugen. Beispiele für diese Herangehensweise finden sich auf dem gesamten Album, das sich dadurch in einer eigenen Klangsprache wiederfindet, die zweifellos nach Lorna Shore klingt und sich für Kenner:innen der Band schnell einordnen lässt.

So beenden Lorna Shore „Pain Remains” auf eine ähnliche Weise, wie sie ihr mutmaßliches Magnum Opus beginnen. Eine stets nachvollziehbare, melodische Komponente zieht sich durch das emotionsgeladene Finale, das sich harmonisch offenbart und dabei von den mitreißenden Vocals des Sängers getragen wird.

Es macht Spaß, den Riffs zuzuhören und sich in ihrer Repetition wiederzufinden, was sich selbst bei Songlängen von 5-6 Minuten nicht als langweilig entpuppt. Viel mehr ist es der rote Faden an den man sich zwischen harten Breaks und Momenten der puren Abrechnung entlang hangeln kann. Dabei offenbart Will Ramos erste Cleanvocals, die den Sound von Lorna Shore zukünftig um eine klangliche Komponente noch weiter entwickeln könnten.

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Konzise Zusammenfassung

Dabei ist der titelgebende Dreiakter die perfekte Zusammenfassung des Band-Sounds und zeigt die musikalische Ästhetik in all ihrer Härte und Wucht und stellt unter Beweis, dass harter Deathcore alles andere als seelenlose Musik sein muss. Mit Elementen zwischen Fallujah, The Faceless und Dimmu Borgir kreiert „Pain Remains“ einen einzigartigen Sound, den man zwar mit anderen Bands vergleichen kann, der aber stets nach Lorna Shore klingt und auf dem Album ein fulminantes Finale beschert, das all das aufgreift, was moderne Metalmusik ausmacht.

Ob man Lorna Shore mag oder nicht, ist stark vom eigenen Musikgeschmack abhängig. Fakt ist aber, dass die Kombo mit ihrem modernen Deathcore-Sound und den subtilen orchestralen Aspekten ein Ausnahmephänomen darstellt, wie es Dimmu Borgir zu ihrer Blütezeit gewesen sein muss. Dabei bietet die Band aus New Jersey einen Zugang, der nur wenigen Bands mit solch extremen Klangwelten gelingt.

Einzig der Aspekt, sich etwas zu sehr auf einem Konzept ausgetobt zu haben, hält davon ab, die Höchstnote zu geben, denn nach „Pain Remains“ wird klar, dass Lorna Shore zu etwas imstande sind, was nur wenigen Bands gelingt. Mit Blick auf die kurze Zeit mit Sänger Will Ramos darf man voller Vorfreude sein, was die Zukunft noch so bringen wird.

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Foto: Mike Elliot / Offizielles Pressebild

Fazit

9/10
· Hervorragend

„Pain Remains“ hat das Potential, eins der richtungsweisenden Deathcore-Alben der 2020er Jahre zu werden und wird seinen Fingerabdruck auf etliche Bands geben. Die Gründe dafür sind vielseitig und genau diese Vielseitigkeit ist so konzise zusammengeführt, dass innerhalb der MoreCore Community im Jahr 2022 kein Weg an „Pain Remains“ vorbeiführen wird. Lorna Shore könnte es mit „Pain Remains” gelingen, zu einer Gateway-Band werden, die vielen Musikfans den Weg zu extremen Musikrichtungen offenbart und Tech Death in puncto Modernität mit seinem progressiven Ansatz revolutioniert.

Lorna Shore - Pain Remains

Lorna Shore

Pain Remains

Album

VÖ 14. Oktober 2022

cd · vinyl

Century Media Records (Sony)

▶Tracklist 10 Songs
  1. 1Welcome Back, O' Sleeping Dreamer
  2. 2Into The Earth
  3. 3Sun//Eater
  4. 4Cursed To Die
  5. 5Soulless Existence
  6. 6Apotheosis
  7. 7Wrath
  8. 8Pain Remains I: Dancing Like Flames
  9. 9Pain Remains II: After All I've Done, I'll Disappear
  10. 10Pain Remains III: In a Sea of Fire
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Lorna Shore

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Foto: Mike Elliot / Offizielles Pressebild

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