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Kritik: Gojira - "Fortitude"

Die Musik von Gojira zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Zwar wird ihr Stil oft als Progressive oder Death ...

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Die Musik von Gojira zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Zwar wird ihr Stil oft als Progressive oder Death Metal beschrieben, aber eigentlich sind sie viel mehr als das. Das Gesamtkonzept der Band schafft etwas zuvor nie Dagewesenes. Schon von Beginn an haben Gojira diesen einzigartigen Sound, den man kein zweites Mal in der Szene findet.

Wer nicht schon von Anfang an begeistert war von dieser außergewöhnlichen Band, wurde dann wohl spätestens 2016 von „Magma“, ihrem letzten Album, überzeugt. Doch können Gojira mit ihrem neuen Album „Fortitude“ an diesen Erfolg anschließen?

Können Gojira an ihren alten Erfolg anknüpfen?

Der Opener „Born For One Thing” beginnt in gewohnter Gojira-Manier mit rhythmischen Drums und einer eingängigen Gitarrenspur. Der einsetzende Gesang von Joe Duplantier packt mich regelrecht am Kragen und zieht mich direkt tief hinein in den Schlund des Gojira-Universums, während ich von der langsamen Walze der Drums und dem brachialen Bass-Sound überrollt werde.

Was ein Anfang! Im Refrain wird immer wieder mantraartig der Titel „We were born for one thing“ wiederholt, was teilweise schon fast hilflos klingt. Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit der eigenen Sterblichkeit und der Vergänglichkeit aller Dinge. Diese Thematik wird dabei vom mächtigen und dennoch verzweifelt klingenden Sound getragen.

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„Amazonia“ ist die dritte Singleauskopplung von „Fortitude“ und beginnt mit einem deutlich Death Metal-lastigeren Sound. Besonders spannend ist hier, dass im Song eine Maultrommel zum Einsatz kommt, was dem Track das gewisse Etwas verleiht. Hinter der Nummer steckt allerdings auch ein ernster Hintergrund.

Mit „Amazonia“ wollen Gojira auf das Amazonasgebiet und dessen Zerstörung aufmerksam machen. Im Zuge dessen wurde in Zusammenarbeit mit den dort lebenden Stämmen die Kampagne „Operation Amazonia“ ins Leben gerufen, welche das Gebiet und die Bevölkerung unterstützen und schützen soll. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Bereits im August 2020 erschien die erste Single „Another World“, welche sich erneut mit dem Thema Ökozid beschäftigt. Hier wird der Aufbruch in eine neue Welt thematisiert, welcher von einem langsamen, aber dennoch kraftvollen Sound unterstützt wird.

Im Interlude sind chantartige Gesängen zu hören und der Sound erinnert ein wenig an den Song „The Wild Healer“ von L’Enfant Sauvage. Mit „Another World“ zeigen uns Gojira ihre Version einer Dystopie, welche von Planet der Affen inspiriert sein könnte.

Dystopische Träume und Gesellschaftskritik unterstützt von brachialen Riffs

In „Hold On“ werden die chantartigen Gesänge erneut aufgegriffen und bilden ein rastloses Intro, welches nach ungefähr eineinhalb Minuten in einem deutlich hörbaren Bruch gipfelt. Die schnellen Gitarren und die treibenden Drums werden hier unterstützt von Gangshouts, die das sich wiederholende „Hold On“ wie einen Hilfeschrei inmitten von beharrlich nach vorne drückenden Instrumenten klingen lässt. In der Bridge hören wir verspielte Gitarren, zu welchen sich überraschend ruhiger Cleangesang gesellt. Ein toller Kontrast zu den sonst eher treibenden, appellartigen Shouts.

Der stampfende Rythmus von „New Found“ wird ebenfalls immer wieder unterbrochen von Cleangesang. Hier sind deutlich die Prog-Einflüsse von Gojira zu hören. Mit 6:37 Minuten ist dieser Song der Längste des Albums. Die Band nimmt sich die Zeit, welche der Sound meiner Meinung nach definitiv benötigt, um seine ganze Tiefe zu entfalten. „New Found“ ist ein Wechselspiel aus rastloser, fast suchender Wucht und Hoffnung, die sich versucht auszubreiten.

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Überraschenderweise ist der Titeltrack „Fortitude“ nicht unbedingt der Banger, den man erwartet hat, sondern bildet einen fließenden Übergang und somit das Intro zu „The Chant“.

Der Titel verrät schon einiges über den Sound den Songs. Zu Beginn hören wir wieder chorale Gesänge, welche im Laufe des Tracks in Cleangesang überlaufen. Der Gesang hier erinnert mich sehr an „The Shooting Star“ von Magma. Die Atmosphäre in „The Chant“ ist deutlich ruhiger als in den vorangegangenen Tracks. Alles wirkt losgelöster, ein wenig so, als würde die Anspannung abfallen.

Eine emotional packende Reise ins Ungewisse

Bei „Sphinx“ nimmt das Ganze allerdings wieder an Fahrt auf. Düstere Klänge und tiefe Growls werden begleitet von energetischen Drums und einem starken, eingängigen Riff. Der Sound hier lässt mich an die älteren Werke von Gojira denken. Vielleicht ist „Sphinx“ auch deswegen einer meiner Lieblingstracks des Albums.

Daran reiht sich direkt mein nächster Lieblingssong, nämlich „Into The Storm“. Hier ist der Name Programm. Die schnellen Drums kommen aus der Ferne immer näher und bauen eine Spannung auf, welche sich schließlich im Refrain kraftvoll entlädt.

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Mystisch geht es weiter mit „The Trails“. Die Anspannung der vorherigen Tracks wir hier erneut aufgelöst und der stellenweise schon flüsternde Gesang kreiert eine geheimnisvolle, aber dennoch entspannte Stimmung. Beim Hören bekomme ich das Gefühl von einem langen, unbekannten Weg und einer Reise ins Ungewisse.

Beendet wird das Album von „Grind“. Zum Ende hin wird es hier noch einmal richtig schnell und Gojira geben alles, um das Album mit ordentlicher Wucht zu beenden. „Grind“ wird dennoch aber immer wieder unterbrochen von melodischen Gitarren. Das lange Outro begleitet uns wiederum sanft aus dem Album und die leiser werdende Gitarre beendet schließlich ein Wechselbad der Gefühle.

Spiritualität und Naturverbundenheit treffen auf perfekte Technik und einen gewaltigen Sound

„Fortitude“ ist ein Album, welches die Hörerinnen und Hörer eine ganze Bandbreite an Emotionen durchleben lässt. Von Wut über Hilflosigkeit, Verzweiflung, Rastlosigkeit bis hin zu Hoffnung und Aufbruch.

Immer wieder wird die starke Verbindung der Band zur Natur deutlich. Themen wie Massentierhaltung, Abholzung der Regenwälder und Ausbeutung finden auf diesem Album Platz. Dem gegenüber steht die Gewalt der Natur selbst, die Hoffnung und das Entfliehen in eine andere Welt.

Gojira nehmen sich bei jedem Song die Zeit, die Tiefe der Musik auszuleben und man bekommt das Gefühl, hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Jeder Ton bekommt die Zeit, die er braucht, um gehört zu werden und jede Zeile fügt sich perfekt in das Gesamtwerk ein.

Foto: Gabrielle Duplantier / Offizielles Pressebild

ALBUM
Fortitude
Künstler: Gojira

Erscheinungsdatum: 30.04.2021
Genre: , ,
Label: Roadrunner Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Born For One Thing
  2. Amazonia
  3. Another World
  4. Hold On
  5. New Found
  6. Fortitude
  7. The Chant
  8. Sphinx
  9. Into The Storm
  10. The Trails
  11. Grind
Gojira Fortitude
Gojira Fortitude
8.5
FAZIT
Je öfter ich dieses Album gehört haben, desto mehr hat es mich emotional gepackt und desto besser gefällt es mir auch. „Fortitude“ ist für mich ein Gesamtkunstwerk. Die Naturverbundenheit und die Spiritualität der Band spiegelt sich in jedem Song wider und machen das Hören zu einem Erlebnis. Auch wenn „The Chant“ nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehört, fügt sich auch dieser Song perfekt in das Konzept ein. Das Album ist für mich das vermutlich Besonderste, was ich in diesem Jahr gehört habe, denn es ist definitiv kein Album "für nebenher".

Ich möchte gerne an jeden und jede appellieren, sich „Fortitude“ aktiv und in der vorgegebenen Reihenfolge anzuhören, denn nur so kann man die Reise, die Gojira hier für uns vorbereitet haben, auch erleben. Für mich ist „Fortitude“ ein extrem gut produziertes Album mit gewaltigem Sound, ausgeklügelten Instrumenten, grandiosen Vocals und packenden Lyrics.
/morecorede
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