Review

Punkrock

Kritik: Drei Meter Feldweg - "Gewinner"

Es ist soweit – die Herren von Drei Meter Feldweg veröffentlichen ihr nunmehr drittes Studioalbum. Dieses hört auf den Titel ...

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Es ist soweit – die Herren von Drei Meter Feldweg veröffentlichen ihr nunmehr drittes Studioalbum. Dieses hört auf den Titel „Gewinner“, beinhaltet 13 Songs und trägt auf dem Cover eine riesige goldene Ananas. Ob die Fans diesen Preis mit Freude entgegennehmen können und ob der musikalische Inhalt des neuen Albums genauso goldig ist wie die Front, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Drei Meter Feldweg besingen auf „Gewinner“ den Sommer und das Bier

Was die Band aus der Lüneburger Heide zu Gewinnern macht und was für die fünf Musiker zählt, das machen sie gleich im ersten Song „Was uns bewegt“ deutlich und wirbeln damit gleich noch einmal Sommergefühle auf.

Der Song nimmt sich Zeit für einen musikalischen Aufbau und geht dann mit einem eingängigen Gitarren-Lick nach vorne, welches mit Offbeat unterlegt wird. Die Band formuliert in ihren Lyrics die Liebe zu Musik, Sommer und Bier, bringt Festivalerfahrungen mit ein und verbaut humorvoll Erlebnisse aus dem Tourleben, welche im bereits veröffentlichten Musikvideo zusätzlich aufgegriffen werden.

Generell handelt es sich durch einen gradlinigen Punk-Song, der allerdings durch Ska-Elemente, wie den Offbeat und den Basslauf, aufgelockert wird.

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Das Thema rund um alkoholische Kaltgetränke beschäftigt die Band übrigens generell an der ein oder anderen Stelle auf „Gewinner“. So auch in dem Song mit dem kreativen Titel „Schere Stein paar Bier“, der ebenfalls das Offbeat-Element aus „Was uns bewegt“ aufgreift und Bier als eine Lösung für die kleinen und größeren Probleme des Alltags darstellt.

„Die Nacht, der Alkohol und wir“ thematisiert hingegen Geschehnisse, die nach ausgiebigen Feiereien geschehen; zusätzlich findet auch der so genannte „Morgen danach“ seine Erwähnung. Der Hörer wird nach diesem Song allerdings etwas zwiegespalten zurückgelassen, denn zwar schwingt auf der einen Seite eine gewisse Sehnsucht nach diesen Nächten mit, auf der anderen Seite aber sowohl in der Musik als auch in den Texten eine gehörige Portion Melancholie.

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Vielleicht ist es aber auch genau diese Mischung, die diese Nächte so besonders machen. Der Song geht definitiv ins Ohr, hat trotz seiner punktuellen Schwere einen Hymnencharakter, der live gespielt sicherlich eine mitreißende Stimmung verbreiten wird.

Auch der Song „Herzfeind“, welcher ebenfalls bereits mit einem Video veröffentlicht wurde, bringt einen Hauch von Melancholie in seinem Refrain mit. Dennoch wird die zentrale Aussage des Songs, auf sein Herz zu hören und diesem zu folgen, in einen treibenden und schnell gespielten Punkrock-Song verpackt, der zwar ins Ohr geht, an der ein oder anderen Stelle, besonders im Refrain, etwas vorhersehbar und durchaus plakativ klingt.

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Neben den eher persönlichen Songs thematisieren Drei Meter Feldweg auch gesamtgesellschaftliche Themen und machen dies auf ihre ganz eigene Art und Weise. Der Track „24 Neunzig“ ist spürbar schneller als die vorherigen Stücke auf „Gewinner“ und skizziert die Geschichte eines Umzugs nach Berlin, von geplatzten Träumen und der Auseinandersetzung mit der Realität.

Trotz der teilweise etwas holprigen Reime im Refrain handelt es sich um einen Song, der ins Ohr geht und eine besondere Relevanz besitzt, ähnlich wie „Tausend Worte“, der für mehr Toleranz in der Gesellschaft plädiert und durch die eingespielten Radioausschnitte über den Amoklauf in Hanau oder generelle Zitate von Björn Höcke einen direkten Realitätsbezug erhält.

Den Nerv der Fans dürften die Jungs von Drei Meter Feldweg definitiv treffen, sei es durch den Song „Unten und Oben“, der mit einem Augenzwinkern die Situation beschreibt, nicht so richtig in ein System zu passen, oder durch „Ich glaube nicht“, ein Song, der Personen verurteilt, die lediglich auf eine Art Wunder warten, ohne eine Eigeninitiative einzubringen.

Hervorzuheben ist darüber hinaus der C-Teil des Stücks, der akustische Gitarren besitzt und dort verstärkt für ein friedliches Miteinander appelliert. Akustische Instrumente werden besonders im letzten Teil von „Gewinner“ vermehrt verwendet. So im Song „Ohne dich“, welcher das Instrument eher dezent im Hintergrund verwendet und auf Seiten der Stimmung eine Sehnsucht beim Hörer erweckt, die definitiv unter die Haut geht.

Auch das Stück „Besser als Musik“ besitzt akustische Gitarren, es handelt sich allerdings um einen Song, der ein anderes Grundgerüst besitzt und somit auffällt. Der harte Cut in der Mitte ist ein Sinnbild hierfür. Nach diesem steht vor allem die treibende Snare im Vordergrund, die dem Track zusätzliche Kraft verleiht.

Inhaltlich gehen Drei Meter Feldweg mit der Musikindustrie und dem stetigen Streben nach größeren Einnahmen hart ins Gericht und üben Kritik an diesen Entwicklungen.

Bild: Jakob Riedel / Offizielles Pressefoto

Drei Meter Feldweg auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Drei Meter Feldweg. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Gewinner
Künstler: Drei Meter Feldweg

Erscheinungsdatum: 18.09.2020
Genre:
Label: Dackelton Records
Medium: CD

Tracklist:
  1. Was uns bewegt
  2. Herzfeind
  3. Die Nacht, der Alkohol und wir
  4. Unten und Oben
  5. Ich glaube nicht
  6. Deine neue App
  7. Tausend Worte
  8. 24 Neunzig
  9. Schere, Stein, paar Bier
  10. Niemals ohne dich
  11. Besser als Musik
  12. Sterne und Wolken
  13. Das alte Spiel
Drei Meter Feldweg Gewinner
Drei Meter Feldweg Gewinner
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FAZIT
Auf „Gewinner“ zeigen die Mannen von Drei Meter Feldweg, dass sie eine ganze Menge zu sagen haben. Von persönlichen Erlebnissen bis hin zu gesellschaftlich relevanten Themen ist für jeden Hörer etwas dabei. Das Ganze verpackt in einen eingängigen Punkrock-Sound mit Hymnencharakter, der an der ein oder anderen Stelle andere Einflüsse aufgreift.

Die Songs sind tanzbar und gehen ins Ohr, wirken allerdings an der ein oder anderen Stelle etwas vorhersehbar oder auf Seiten der Lyrics holprig. Hörer des Albums können sich allerdings darüber freuen, dass es eine Band gibt, die in Zeiten, die von Komplexität, Whataboutism und Veränderungen geprägt sind, klare und direkte Worte findet und darüber hinaus Stellung bezieht. Definitiv eine Empfehlung für Fans von Bands wie Madsen, den Rogers oder Feine Sahne Fischfilet.