Review

Metalcore

Kritik: Bleed From Within - "Fracture"

Geschepper aus Schottland – Nein, hier geht’s nicht um einen gescheiterten Automobilimport von der Insel, sondern um die neue Scheibe ...

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Geschepper aus Schottland – Nein, hier geht’s nicht um einen gescheiterten Automobilimport von der Insel, sondern um die neue Scheibe „Fracture“ der seit 2005 bestehenden Kombo Bleed From Within aus Glasgow.

Damals noch mit dem 2009 veröffentlichten Album „Humanity“ im Deathcore beheimatet, haben sich die fünf Herren im Laufe der Jahre immer ein wenig weiter gewagt und sind mittlerweile im… ja nun. Spoiler ich euch jetzt schon? Ach komm, ich sag’s einfach: Sie sind mittlerweile im Metalcore angekommen.

Da ich aber Genrediskussionen eher unnötig finde, habe ich euch im Fazit passende Bands dazu gepackt, die ähnlich klingen könnten. Wie ich zu der Meinung gekommen bin, lest ihr jetzt!

Aufwärmen? Nicht bei Bleed From Within!

Bleed From Within steigen bei „The End Of All We Know“ ohne Intro, ohne Gedudel direkt mit einem Stakkato-Gehämmer des Schlagzeugs in das Album ein; dabei werde ich immer noch genauso wegpustet wie beim ersten Hören vor ein paar Monaten. Sehr positiv überrascht bin ich von dem glasklaren Sound der Instrumente und auch von der unglaublichen Aggressivität, die hier herrscht.

Untermalt wird das Ganze von immer wieder eingestreuten Black Metal-Elementen (hört mal hier mal genau hin: 0:26 bis 0:45) und einem sehr vom Industrial angehauchtem Stampf-Beat. Das „Stank-Face“ ist einfach vorprogrammiert.

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Auch wenn „Pathfinder“, der zweite Track, ohne den mächtigen Beat auskommen muss, wäre ein DevilDriver-Fan hier im ersten Teil des Songs absolut glücklich. Groove im Refrain, konstantes Bassdrum-Gehämmer im Chorus und dazu dann ein „Old-School“-Breakdown, der sich wirklich hören lassen kann. Besonders gut gefällt mir hier das Bending, das nochmal das kleine Extra rausholt.

„Into Nothing“ ist das klassische Beispiel eines Groove Metal-Songs und könnte fast so in einem der moderneren Parkway Drive-Alben vorkommen. Aber auch nur fast, denn in der Bridge geben die Herren aus Schottland dann doch nochmal Gas und brettern uns ihren Sound um die Ohren.

Die drei genannten Songs zeigen direkt die starke Differenz der Tracks, die aber doch aus einem Guss wirken; Bleed From Within mischen die raue Brutalität des Thrash Metals und die Headbang-Momente eines Groove Metals mit Breakdowns, die nicht ganz im Deathcore ankommen, aber dennoch die gewünschte Wirkung erzeugen.

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„Night Crossing“ und „For All to See“ heben die Lead-Gitarren-Arbeit stark nach vorne und schmieren dabei jedem Bury Tomorrow-Fan Honig ums Maul. Kann man hier schon von einer gelungenen Weiterentwicklung von „Era“ reden?

Falls ihr jetzt denkt: „Puh, das klingt irgendwie nach einer fehlenden Härte, ist noch was vom alten Bleed From Within übrig?“ Hört einfach in den letzten Song „A Depth That No One Dares“ rein.

Atmosphäre trifft auf Präzision und Technik und lässt den Hörer dabei erstaunt zurück. An und für sich stehen sich die Songs dabei in nichts nach, jedoch bekomme ich leicht das Gefühl, dass sich Bleed From Within bewusst „gut funktionierende“ Themen in die Songs einbauen.

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Der Klang macht den Unterschied

Im Metal(-core) ist das Thema Sound und auch Sounddesign immer ein schwieriges Thema; will man klingen wie Band A oder B, wie ist die Dynamik und vor allem: Wie soll das Album gehört werden? Ist es eher ein Album für die In-Ears, macht es auch Spaß auf den Boxen oder ist es da schon zu „compressed“, also zu sehr „drückend“, als dass es die gewünschte Breite im Ton erreicht. Was da für mich ein Maßstab wäre?

„Shaped by Fire“ von As I Lay Dying zum Beispiel. Hier haben verschiedenste Produzenten und Engineers, wie Drew Fulk, der beispielsweise die neue Dance Gavin Dance-Platte produziert hat, oder Adam Dutkiewicz (na, Killswitch Engage-Fans? Klingelt der Name?) mitgewirkt und das Album hat es dabei absolut in sich. Ich wurde selten von einem Blast Beat wie der in „Gatekeeper“ ab Minute 0:22 so in den Sessel gedrückt.

Bei den Schotten von BFW ist der Sound deutlich stärker auf die Gitarren fokussiert, wie man z.B. im direkten Vergleich bei Song Nr. 4, „Fall Away“, merkt.

Auch wenn die Bassdrum hier konstant durchhämmert, presst es mich nicht komplett in den Sessel; hier fehlt es für meinen Geschmack ein wenig im Low-End, also in den tiefen Bass-Regionen. Ich gebe aber auch zu, das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.

Die Saiteninstrumente haben hingegen einen sehr fetten und definierten Sound, der auch in den wirklich brutalen Stellen wie bei „Pathfinder“ oder „For All To See“ sehr gut zur Geltung kommt. Die Vocals sind dabei immer absolut klar, nie „washy“ o.ä. und werden gut vom restlichen Soundbild getragen.

Einzig die doch etwas stärke Kompression, Standard in härteren Gangarten, kritisiere ich dabei etwas. Hierbei fehlt dann ein wenig der „Raum“ in der Musik, mir macht das Album daher auf den In-Ears am meisten Spaß.

Das Album bietet:

Schleudertrauma, das [ˈʃlɔ͜ydɐtra͜uma]

(für die Opfer von Auffahrunfällen typische) Verletzung der Halswirbelsäule, zu der es kommt, wenn der Kopf des Betroffenen nach vorn und anschließend ruckartig wieder zurückgeschleudert wird.

Foto: Century Media Records / YouTube: „BLEED FROM WITHIN – The End Of All We Know (OFFICIAL VIDEO)

Bleed From Within auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Bleed From Within. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Fracture
Künstler: Bleed From Within

Erscheinungsdatum: 29.05.2020
Genre:
Label: Century Media
Medium: CD

Tracklist:
  1. The End Of All We Know
  2. Pathfinder
  3. Into Nothing
  4. Fall Away
  5. Fracture
  6. Night Crossing
  7. For All To See
  8. Ascend
  9. Utopia
  10. A Depth That No One Dares
Bleed From Within Fracture
Bleed From Within Fracture
8.5
FAZIT
Die Schotten beweisen mit ihrem neuen Album, wie stark und lebendig das Genre „Metalcore“ auch im Jahre 2020 ist und müssen sich nicht mehr als „Vorband von XY“ betiteln. Das Songwriting zeigt sich schwung- und kraftvoll und macht durch verschiedenste „Ausleihen“ aus anderen Genres Songs wie „Fracture“ oder „A Depth That No One Dares“ sehr abwechslungsreich.

Fans von Bury Tomorrow, As I Lay Dying, Sylosis oder auch von Bands wie The Agony Scene oder DevilDriver werden hier durch den guten Mix absolut Spaß dran haben, auch wenn sie mit ihrem bisher stärksten Album noch nicht ganz Klassenprimus sind.